- 22.10.Verkehrs- und Industrieausschuss stimmen über den Kompromiss ab
- Anfang November 2026Abstimmung im Umweltausschuss
- Dezember 2026Das gesamte Parlament soll seine Position festlegen
Ein Kompromiss in der Nacht
Unterhändler der christlich-konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), der Sozialisten und Demokraten (S&D) und der liberalen Renew-Fraktion einigten sich in der Nacht auf Dienstag, 20. Oktober 2026, auf einen Kompromiss. Nach dem Entwurf müssten die Flotten neuer Pkw ihre CO2-Emissionen bis 2035 um 95 Prozent gegenüber 2021 senken. Nutzen die Fahrzeuge in der EU hergestellten kohlenstoffarmen Stahl, sinkt die Vorgabe auf 87,5 Prozent. Ein von Reuters zitierter Entwurf beschreibt dieselbe Regelung als Kürzung um 87,5 Prozent plus weitere 7,5 Punkte, die mit in der EU hergestelltem Stahl ausgeglichen werden können. Nach der ursprünglichen Regel von 2022 hätte eine Kürzung um 100 Prozent bis 2035 das Ende neuer Verbrenner bedeutet – Benziner und Hybride blieben nun auch nach 2035 im Verkauf.
Wie sich die Ziele verschoben
Deutschland und Frankreich schlugen in der Woche des 12. Oktober 2026 ein Ziel von 90 Prozent ohne Stahl-Ausgleich vor. Die Kommission hatte bereits im Dezember 2025 90 Prozent vorgeschlagen, wobei die verbleibenden 10 Prozent über kohlenstoffarmen Stahl und nachhaltige Kraftstoffe ausgeglichen werden sollten. Die drei Fraktionen kommen zusammen auf 398 der 719 Sitze im Parlament – eine Mehrheit, die den Weg zu einer EU-weiten Entscheidung über die Regeln ebnen könnte. Die deutschen Autohersteller hatten auf eine stärkere Lockerung gedrängt, weil die Verkäufe von Elektroautos nicht schnell genug wuchsen, um den Verbrenner bis 2035 zu beenden. Dank staatlicher Subventionen ziehen die Verkäufe in vielen EU-Staaten inzwischen kräftig an.
Reaktionen im Parlament
Manfred Weber, Fraktionschef der EVP, hat den Wählern mehr als zwei Jahre lang versprochen, die Regel zu kippen, und sieht nun den Moment gekommen, das zu verkünden. Er sagt, der Kompromiss erledige die Sache.
„Das unsägliche Verbrenner-Verbot ist jetzt vom Tisch.“
Iratxe García Pérez, Chefin der S&D-Fraktion, sagte, die Sozialisten hätten sich noch nicht auf eine gemeinsame Position verständigt, und die Frage müsse innerhalb der Fraktion noch debattiert werden. Ob eine Einigung möglich sei, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Tiemo Wölken, SPD-Abgeordneter und an den Verhandlungen über den Deal beteiligt, argumentiert, das Ziel bleibe der Umstieg auf Elektromobilität, wobei Hybride als Option während einer Übergangsphase erhalten blieben. Der Grünen-Abgeordnete Michael Bloss sieht den Deal genau umgekehrt.
„Das ist jetzt Chaos statt Planungssicherheit.“
Der polnische Abgeordnete Dariusz Joński sagte gegenüber RMF FM, der Deal gebe den Verbrauchern mehr Freiheit bei der Wahl der Antriebstechnik.
Wie es weitergeht
Der Kompromiss hält am Zwischenziel für 2030 von 55 Prozent unter dem Wert von 2021 fest, im Einklang mit dem Vorschlag der Kommission, und erlaubt den Herstellern, die Vorgabe für 2030 im Durchschnitt der Jahre 2029 bis 2031 zu erfüllen. Bei Transportern sinkt das Ziel für 2030 von 40 auf 35 Prozent, und Transporter müssen bis 2035 um 80 Prozent senken. Fahrzeuge, die mit erneuerbaren Kraftstoffen fahren, würden als emissionsfrei gelten, und kleine, günstige Elektroautos oder besonders effiziente Elektrofahrzeuge könnten Super-Credits erhalten, um die Ziele zu erreichen. Der Verkehrs- und der Industrieausschuss stimmen am Donnerstag, 22. Oktober 2026, ab, der Umweltausschuss folgt Anfang November. Das gesamte Parlament soll seine Position im Dezember festlegen, danach müssen sich Parlament und Mitgliedstaaten auf einen gemeinsamen Rechtstext einigen.
Marktumfeld
Europäische Autoaktien sind in diesem Jahr die schwächsten Werte am Aktienmarkt des Kontinents. Bloomberg beziffert den Sektorindex auf ein Minus von mehr als 19 Prozent bislang – mehr als doppelt so viel wie der Rückgang im nächstschwächsten Segment, den Baumaterialien. Nur Ferrari mit einem Plus von 10 Prozent hat unter den europäischen Autoherstellern in diesem Jahr zugelegt. Laut demselben Bericht hat der Sektor zudem mit stärkerer Konkurrenz chinesischer Hersteller und einem dünnen Angebot an günstigen Elektromodellen zu kämpfen.