
Von der Leyen schlägt assoziierte EU-Mitgliedschaft für Kanada in Straßburger Rede vor
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Kanada eingeladen, der erste assoziierte Mitgliedstaat der Union zu werden. Dies geschah in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union, in der sie engere Beziehungen in den Bereichen Handel, kritische Rohstoffe und Sicherheit anstrebte.
Vorschlag für assoziierte Mitgliedschaft
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vorgeschlagen, dass Kanada der erste assoziierte Mitgliedstaat der Europäischen Union wird. In ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union am Mittwoch, dem 16. September 2026, im Europäischen Parlament in Straßburg lud von der Leyen Kanada ein, eine direkte institutionelle Verbindung mit dem 27 Nationen umfassenden Block aufzubauen. Der kanadische Premierminister Mark Carney nahm an der Sitzung teil, saß direkt links von von der Leyen und erhielt gemeinsam mit der Kommissionspräsidentin nach der Ankündigung stehende Ovationen. Obwohl eine formelle assoziierte Mitgliedschaft in den Verträgen der Europäischen Union derzeit nicht existiert, zielt die Initiative darauf ab, die bilateralen Beziehungen über das bestehende umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) hinaus zu einer von von der Leyen so genannten „Allianz für die Zukunft“ auszubauen.
Strategische Zusammenarbeit und wirtschaftliche Sicherheit
Die Rede skizzierte mehrere spezifische Sektoren, die für eine gemeinsame Koordination zwischen Brüssel und Ottawa vorgesehen sind. Von der Leyen nannte kritische Rohstoffe, Batterien für Elektrofahrzeuge, Energieversorgungsketten, Cybersicherheit, Rohmaterialien und die Regulierung künstlicher Intelligenz als vorrangige Bereiche der Zusammenarbeit. Sie wies auch auf die Arktissicherheit als gemeinsames geopolitisches Interesse beider Seiten hin. Von der Leyen stellte fest, dass die derzeitige internationale Lage komplexe Gefahren birgt, und nannte hybride Angriffe, regionale Konflikte und das Wachstum des politischen Extremismus weltweit. Sie erklärte, dass beide Regierungen gemeinsame Verpflichtungen zu demokratischer Regierungsführung, Klimapolitik und anhaltender Unterstützung für die Ukraine teilen.
Partnerschaften sind eine strategische Wahl für Europa. Sie reagieren aber auch auf den Bruch des internationalen regelbasierten Systems.
Handelsdruck und Diplomatie der Mittelmächte
Die diplomatische Annäherung erfolgt nach mehreren Monaten handelspolitischer Spannungen, die sowohl Kanada als auch die Europäische Union betreffen. Die bilateralen Handelsverhandlungen zwischen Ottawa und Washington waren im August 2026 gescheitert, was zu neuen Zollmaßnahmen der Regierung von Donald Trump führte. Auch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union waren unter derselben US-Regierung mit Handelszöllen konfrontiert. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres argumentierte Carney, dass die globale Ordnung nach dem Kalten Krieg einen strukturellen Bruch durchmache, und behauptete, dass Mittelmächte gemeinsam handeln müssten, um ihre Interessen zu verteidigen. In internationalen Medien war bereits früher in der Woche über einen möglichen Antrag auf assoziierten Status berichtet worden, woraufhin Carney erklärte, Kanada strebe eine eigenständige Allianz und keine formelle Mitgliedschaft an.
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Europäischer Sicherheitsrat und nächste Schritte
Neben der kanadischen Initiative nutzte von der Leyen ihre Rede, um die Schaffung eines Europäischen Sicherheitsrates vorzuschlagen. Dieses vorgeschlagene Gremium soll die Verteidigungs- und Sicherheitszusammenarbeit mit Nicht-EU-Partnern auf dem europäischen Kontinent institutionalisieren und nannte ausdrücklich das Vereinigte Königreich, Norwegen, die Ukraine und Kanada als wichtige Teilnehmer. Von der Leyen bezeichnete die Initiative als dringende Reaktion auf regionale Sicherheitsrisiken und Bedrohungen aus Russland.
Dies ist jetzt noch dringlicher, angesichts der Art und des Ausmaßes der Risiken, die im Spiel sind. Deshalb werden wir unsere Ideen darlegen, um einen Europäischen Sicherheitsrat Wirklichkeit werden zu lassen.
Carney soll am Donnerstag seine eigene Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg halten. Beide Seiten bereiten außerdem einen bilateralen Gipfel zwischen der Europäischen Union und Kanada vor, der für Ende Oktober 2026 geplant ist.


