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Migration·vor 3 Std.

Neues EU-Asylsystem tritt in Kraft, Italien beendet vierjährigen Dublin-Übernahmestopp mit der Schweiz

Ein neues EU-weites Asylregime, das darauf abzielt, Verfahren zu beschleunigen und die Lasten zu teilen, trat am Freitag in Kraft. Italien kündigte umgehend an, die Rücknahme von Dublin-Flüchtlingen aus der Schweiz nach einem über vierjährigen Stopp wieder aufzunehmen.

Eine neue Asylarchitektur

Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas), das vor zwei Jahren vereinbart wurde, trat am Freitag in der gesamten Europäischen Union in Kraft. Es zielt darauf ab, Asylentscheidungen zu beschleunigen, die Weiterwanderung innerhalb des Blocks einzudämmen und Mitgliedstaaten zu unterstützen, die mit hohen Zahlen irregulärer Ankünfte konfrontiert sind. Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Reform als Beginn einer "neuen Phase der europäischen Migrationspolitik".

Das Ende eines Systems der Dysfunktionalität und Verantwortungschaos ist gekommen, und der Beginn von Kontrolle, Klarheit und Konsequenz.

An den EU-Außengrenzen, Flughäfen und Seehäfen werden Asylsuchende nun einer obligatorischen Vorabkontrolle unterzogen; ihre Daten und Fingerabdrücke werden in eine europaweite Datenbank eingespeist. Anträge von Staatsangehörigen von Ländern mit einer Anerkennungsquote von 20 Prozent oder weniger sowie von Personen, die ihre Identität verheimlichen oder als gefährlich eingestuft werden, durchlaufen ein beschleunigtes Verfahren. Entscheidungen müssen innerhalb von zwölf Wochen ergehen, während derer der Antragsteller in geschlossenen Aufnahmezentren oder Flughafentransitzonen verbleibt. Das Dublin-Prinzip – das Ersteinreiseland bleibt zuständig – bleibt bestehen, ist aber in den neuen Rahmen eingebettet.

Italien hebt Schweizer Dublin-Einfrieren auf

Die Reform löste sofort einen bilateralen Stillstand auf. Seit Ende 2022 hatte Italien die Rücküberstellung von Dublin-Flüchtlingen in die Schweiz blockiert. Das Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigte, dass Rom nun die Wiederaufnahme von Überstellungen angekündigt hat.

Wir erwarten, dass die ersten Überstellungen nach der Umsetzung des EU-Pakts stattfinden.

Zwischen Ende 2022 und April 2026 war die Schweiz gezwungen, Asylverfahren für 3.071 Personen wieder aufzunehmen, die eigentlich in Italiens Verantwortung gefallen wären. Von diesen erhielten 1.046 Schutz in der Schweiz, und der Schweizer Steuerzahler trug die Kosten. Derzeit haben 1.211 Personen noch eine gültige Überstellungsfrist und könnten theoretisch nach Italien zurückgeführt werden.

Schweizer Asylfälle aufgrund der italienischen Dublin-Blockade (2022–2026)
Wiederaufgenommene Verfahren
3071
Schutz in der Schweiz gewährt
1046
Derzeit für Überstellung in Frage kommend
1211

Solidaritätsmechanismus mit begrenzter Wirkung

Geas führt einen Solidaritätsmechanismus ein, um Frontstaaten zu entlasten. Mitgliedstaaten, die nicht unter Migrationsdruck stehen, sollen jährlich 30.000 besonders schutzbedürftige Personen aufnehmen. Für jede nicht aufgenommene Person ist eine Ausgleichszahlung von 20.000 € an den Grenzstaat fällig. Die Zahl ist jedoch eher eine Richtlinie als eine verbindliche Quote, und die Zahlung kann durch alternative Unterstützungsformen wie Personal oder logistische Hilfe erfüllt werden. Die Schweiz hat ihre Bereitschaft signalisiert, sich dem Mechanismus anzuschließen, benötigt jedoch noch ein spezielles Abkommen mit der EU, wonach der Bundesrat die jährlichen Beiträge festlegen würde.

Umsetzungshürden voraus

Die gemeinsamen Pläne der Europäischen Kommission sehen eine flächendeckende Einführung vor, doch vielen Staaten fehlt die notwendige Infrastruktur, das Personal oder die Unterkünfte. Die Screening-Kapazitäten an den Außengrenzen sind noch unvollständig, und die neuen Regeln gelten nur für Anträge, die ab Freitag gestellt werden. Die Masse der anhängigen Fälle wird weiterhin nach altem Recht behandelt, was bedeutet, dass Deutschland und andere Zielländer die volle Wirkung erst allmählich spüren werden. Beobachter warnen, dass der Start, der in Berlin und Bern politisch gefeiert wird, holprig sein wird.

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4 Quellen

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