KI-generiert·Mehr erfahren
© Deutsche Welle
Konflikte·vor 4 Std.

Israels Libanon-Offensive weitet sich trotz Waffenruhe aus, Iran stoppt Gespräche mit den USA

Israelische Truppen haben am Montag eine symbolträchtige Burg eingenommen und Evakuierungen in den Vororten Beiruts angeordnet, was den Iran dazu veranlasste, die indirekten Nukleargespräche mit Washington auszusetzen.

Israel weitet Bodenoffensive aus

Über das Wochenende hissten israelische Soldaten die Flagge über Beaufort, einer mittelalterlichen Kreuzfahrerburg im Süden Libanons, was eine dramatische Ausweitung ihrer Bodenoperation markierte. Am Montag erließ das Militär einen beispiellosen Evakuierungsbefehl für den Bezirk Dahiya im Süden Beiruts, eine Hochburg der Hisbollah, und forderte die Bewohner auf, vor geplanten Angriffen zu fliehen. Premierminister Benjamin Netanyahu bezeichnete die Operation als historischen Kurswechsel.

Wir haben die Barriere der Angst durchbrochen, die Initiative ergriffen und gehen an allen Fronten in die Offensive – in Gaza, Syrien und im Libanon – und schaffen Pufferzonen jenseits unserer Grenzen, um unsere Gemeinden zu schützen.

Waffenruhe nur dem Namen nach

Die seit dem 17. April bestehende Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon ist zu einem toten Buchstaben geworden. Die Hisbollah hat ihre Drohnenangriffe intensiviert und setzt dabei auf kleine FPV-Drohnen, die über Glasfaserkabel gesteuert werden, um israelische Störmaßnahmen zu umgehen. Diese machen inzwischen zwei Drittel der Angriffe der Gruppe aus, gegenüber weniger als einem Drittel vor der Waffenruhe. Als Reaktion hat Israel eine bis zu zehn Kilometer tiefe Pufferzone geschaffen, 52 libanesische Dörfer darin eingeschlossen und den Litani-Fluss überschritten. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, er wolle 'das Gebiet von Waffen und Terroristen befreien'. Libanesische Behörden berichten, dass Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, Haine niedergebrannt und Felder vergiftet werden, um eine Rückkehr der Bewohner zu verhindern.

Offiziell ist die Waffenruhe noch in Kraft, aber in Wirklichkeit geht der Konflikt weiter. Heute gibt es konkrete Drohungen, die südlichen Vororte Beiruts zu bombardieren. Die ersten Evakuierungen haben bereits stattgefunden. Man spürt die Anspannung.

Iran stoppt indirekte Gespräche mit den USA

Das iranische Verhandlungsteam hat die indirekten Nachrichtenaustausche mit Washington über Vermittler ausgesetzt, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. Außenminister Abbas Araghtschi warnte auf X, dass 'ein Verstoß gegen die Waffenruhe an einer Front ein Verstoß an allen Fronten ist'. Teheran forderte ein sofortiges Ende der israelischen Operationen in Gaza und im Libanon sowie einen vollständigen Rückzug aus besetzten libanesischen Gebieten, andernfalls werde man die Gespräche zur Beendigung des dreimonatigen Krieges überdenken. Darüber hinaus haben der Iran und verbündete Gruppen Pläne ausgearbeitet, die Straße von Hormus vollständig zu blockieren und eine neue Front an der Meerenge Bab al-Mandab vor dem Jemen zu eröffnen, was die globale Schifffahrt bedroht. Der US-Präsident Donald Trump blieb optimistisch auf Truth Social und behauptete, der Iran 'will unbedingt einen Deal', der den Vereinigten Staaten zugutekäme.

Zeitleiste der Eskalation
  1. Krieg zwischen Israel und Hisbollah beginnt.
  2. Waffenruheabkommen in Kraft, aber Verstöße halten an.
  3. US-Luftangriffe treffen iranische Radar- und Drohnenkommandozentren.
  4. Israelische Truppen erobern Burg Beaufort im Südlibanon.
  5. Israel ordnet Evakuierung von Dahiya an; Iran setzt indirekte Gespräche mit USA aus.

Internationale Empörung

Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich verurteilten die Eskalation scharf. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, 'nichts rechtfertigt die derzeitige massive Eskalation im Südlibanon', während der deutsche Außenminister Johann Wadephul den israelischen Vorstoß als 'Anlass zu großer Besorgnis' bezeichnete und zur Rückkehr zur Waffenruhe drängte. Die britische Außenministerin Yvette Cooper forderte ein Ende der Gewalt und die uneingeschränkte Einhaltung der Waffenruhe. Das US-Militär führte unterdessen am Wochenende separate Angriffe auf iranische Radar- und Drohnenkommandozentren in Goruk und Keschm durch und berief sich dabei auf defensive Maßnahmen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun beschuldigte Israel der 'brutalen Aggression', und die deutsche Entwicklungsministerin brach eine Reise nach Beirut aufgrund der angespannten Sicherheitslage abrupt ab.

Humanitäre Krise verschärft sich

Libanesisches Gesundheitsbehörden zufolge wurden seit Ausbruch des Konflikts am 2. März fast 3.400 Menschen getötet und mehr als 10.000 verwundet. Rund eine Million Einwohner wurden aus dem Süden vertrieben. Am Montag strömten Familien in überfüllten Autos aus Dahiya und schlossen sich Tausenden an, die in die Berge flohen. Hilfsorganisationen warnen, dass die anhaltende Bodenoffensive und die Zerstörung der Infrastruktur die ohnehin schwerste humanitäre Krise des Libanon seit Jahrzehnten noch verschlimmern könnten.

Libanische Opferzahlen seit 2. März 2026 · people
Getötete
3400 people
Verwundete
10000 people
Vertriebene
1000000 people
Beirut · Jerusalem · Südlibanon · Washington, D.C. · Teheran

8 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Beirut · Burg Beaufort · Washington, D.C.