
Ausschuss des Europäischen Parlaments unterstützt digitalen Euro zur Verringerung der Abhängigkeit von Visa und Mastercard
Der Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments hat am Dienstag den Rechtsrahmen für einen digitalen Euro gebilligt – ein Schritt, der ein von der EU gestütztes Zahlungsmittel als Alternative zu den von den USA dominierten Kartenriesen Visa und Mastercard schaffen soll.
Die Abstimmung im Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Währung nahm den Verordnungsentwurf mit 43 Stimmen bei 14 Gegenstimmen und einer Enthaltung an. Die Vorsitzende Aurore Lalucq, eine französische Sozialistin, nannte ihn einen historischen Tag für Europa. Die rechtspopulistische Fraktion „Europa der souveränen Nationen“, deren Abgeordneter Siegbert Frank Droese gegen den Text stimmte, brachte die Möglichkeit einer weiteren Abstimmung im Plenum ins Spiel. Sofern kein Einspruch erhoben wird, beginnen die Abgeordneten im nächsten Monat mit den Verhandlungen mit dem EU-Rat und der Kommission, mit dem Ziel einer endgültigen Verabschiedung bis Jahresende.
Ein historischer Tag für Europa.
- Dafür
- 43 Stimmen
- Dagegen
- 14 Stimmen
- Enthaltung
- 1 Stimmen
Verringerung der Abhängigkeit von US-Zahlungsnetzwerken
Der digitale Euro ist eine elektronische Form von Bargeld, die von der EZB ausgegeben und von Banken und Fintechs vertrieben wird. Ein zentrales Ziel ist es, die Abhängigkeit der Eurozone von nicht-europäischen Zahlungsdienstleistern zu verringern. Daten der EZB zeigen, dass rund zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euro-Raum von ausländischen Unternehmen abgewickelt werden – größtenteils von Visa und Mastercard – und 13 der 21 Euro-Länder über kein eigenes nationales Kartensystem verfügen. Der Vorstoß erhielt nach der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus zusätzliche Dringlichkeit, die zu Zöllen auf die EU führte und Befürchtungen schürte, Washington könnte seine Kontrolle über die Zahlungsschienen als Waffe einsetzen.
Die Einführung des digitalen Euro würde die übermäßige Abhängigkeit von nichteuropäischen Anbietern verringern, indem er ein europaweites Zahlungsmittel wird, und würde die Gemeinschaftswährung ins digitale Zeitalter führen, indem er den Unionsbürgern die Freiheit gibt, sich für die tägliche Bezahlung mit Zentralbankgeld zu entscheiden.
Online- und Offline-Funktionalität
Der vereinbarte Text sieht zwei Zahlungsweisen vor: eine Online-Version, die über kontobasierte Systeme abgewickelt wird, und eine Offline-Version, die Direktzahlungen von Gerät zu Gerät ohne Internetverbindung oder zentrale Abwicklung ermöglicht. Der Offline-Modus, der als weltweit einzigartig beschrieben wird, hinterlässt keine Transaktionsaufzeichnung und bietet die gleiche Privatsphäre wie Bargeld. Die Online-Version wird für Verbraucher kostenlos sein; Händler tragen die Infrastrukturkosten, vergleichbar mit Kartenterminals. Datenschutzbestimmungen beschränken die Datenverarbeitung auf das unbedingt Notwendige und verhindern, dass die EZB einzelne Nutzer identifizieren kann.
Der digitale Euro wird Bargeld ergänzen, niemals ersetzen. Niemand sollte gezwungen werden, auf Bargeld zu verzichten, und niemand sollte ohne eine sichere, robuste und wirklich europäische digitale Zahlungsoption dastehen.
Zivilgesellschaft und internationaler Kontext
Finance Watch, eine in Brüssel ansässige NGO, begrüßte die Abstimmung als Wahrung des Anspruchs auf inklusiven Zugang zu öffentlichem Geld und den Schutz der europäischen Souveränität. Außerhalb der Eurozone erprobt China einen digitalen Yuan in großem Maßstab, Indien und Brasilien haben Pilotprojekte durchgeführt, das Vereinigte Königreich konzentriert sich auf Forschung, und Präsident Trump hat der Federal Reserve die Ausgabe einer digitalen Währung verboten.
Der Text hält die ursprüngliche Ambition des Projekts am Leben: den inklusiven Zugang zu öffentlichem Geld in einer zunehmend digitalen Zahlungslandschaft sicherzustellen und gleichzeitig die europäische Souveränität zu schützen.
Ein zwölfmonatiges Pilotprojekt der EZB ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant, ein vollständiger Start wird für 2029 erwartet.
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