
A24s ‚Backrooms‘ bringt die virale Creepypasta ins Kino und macht den 20-jährigen Kane Parsons zum neuen Horror-Auteur
Mit erst 20 Jahren verwandelt Filmemacher Kane Parsons seine virale YouTube-Serie in einen Spielfilm, den Kritiker als eiskalt verstörendes und wild einzigartiges Horrorerlebnis bezeichnen. Der Film startet am 29. Mai.
Von 4chan auf die große Leinwand
Die Reise von Backrooms von einem anonymen Internetpost zu einem großen A24-Spielfilm ist eine prägende Geschichte für eine neue Generation des Horrors. Das Konzept entstand im Mai 2019 mit einem einzigen Bild und einer Kurzgeschichte, die im Online-Forum 4chan veröffentlicht wurde. Es beschreibt einen liminalen Raum mit krankhaft gelben Wänden und beigem Teppich, in den man durch ‚Noclippen‘ geraten kann – ein Hindurchfallen durch die Grenzen der Realität. Nutzer im gesamten Internet begannen dann, diese Welt Stück für Stück zu erweitern und eine weitläufige digitale Folklore zu erschaffen.
Filmemacher Kane Parsons gilt weithin als der Homer der Backrooms. Er hat das Konzept nicht erfunden, aber seine phänomenal populäre YouTube-Serie, die 2022 startete, als er erst 16 war, half, das umfangreiche Online-Universum zu sammeln und zu kodifizieren. Der erste Teil hat fast 80 Millionen Aufrufe erzielt und die Aufmerksamkeit der Indie-Schmiede A24 auf sich gezogen, die Parsons engagierte, um eine Filmadaption zu inszenieren.
Sie waren wirklich starke kreative Partner, die verstanden haben, was an der ursprünglichen Idee für die Menschen funktioniert hat – was sie in die Backrooms hineingezogen hat – und worin meine spezifische Interpretation als eigenständige Version dieser Idee liegt.
Eine Geschichte unendlicher, erschreckender Räume
Der Film zeigt Chiwetel Ejiofor als Clark, einen gescheiterten Architekten und depressiven Alkoholiker, der ein riesiges, trostloses Möbelhaus namens Cap'n Clark's Ottoman Empire managt. Nach der Trennung von seiner Frau schläft er in den Ausstellungsbetten des Ladens. Sein Leben nimmt eine bizarre Wendung, als er im Keller eine übernatürlich poröse Wand entdeckt, die in eine unmöglich große, endlose Reihe miteinander verbundener Räume führt. Dies sind die Backrooms, ein Raum gefüllt mit seltsamen Installationen, halb geschmolzenen Möbeln und einem bedrückenden, toten gelben Licht.
Renate Reinsve spielt Mary, Clarks Therapeutin, eine sanfte, aber geplagte Frau, die ihre eigenen Selbsthilfekassetten vermarktet und unter Erinnerungen an eine missbräuchliche Mutter leidet. Als Clark in den Backrooms verschwindet, wagt sich Mary hinein, um ihn zu finden, und offenbart dabei eine Selbstlosigkeit, von der sie nicht wusste, dass sie sie besitzt. Mark Duplass tritt ebenfalls in einer kleinen, geheimnisvollen Rolle auf, die Kritiker sich hüten, zu verraten.
Als ich dort war, hatte Kane zu 100% die Kontrolle. Mehr als viele Regisseure, die dreimal so alt sind wie er.
Meisterklasse in Atmosphäre statt Handlung
Die Kritiker sind sich in ihrem Lob für die Atmosphäre des Films fast einig, auch wenn viele anmerken, dass die Geschichte selbst ‚ziemlich schlicht‘ oder sogar dürftig sei. Die Eröffnungssequenz, gefilmt im körnigen, verwackelten Found-Footage-Stil, wird als sofortiger Klassiker des angsterzeugenden Horrors gefeiert. Die Kamera schwenkt wild umher und wird für jeden mit Bewegungskrankheit zum Albtraum, während eine Person versucht, einer mysteriösen Kreatur zu entkommen. Nach diesem spannungsgeladenen Auftakt beruhigt sich der Film und wird zum langsamen Aufbau, führt seine Hauptfiguren ein und erlaubt dem Publikum, in der schrecklichen, faszinierenden Umgebung zu schwelgen.
- Ein anonymer 4chan-Post führt das Konzept der ‚Backrooms‘ mit einem Bild eines leeren Möbelhauses in Oshkosh, Wisconsin, ein.
- Der damals 16-jährige Kane Parsons veröffentlicht den ersten Teil seiner Backrooms-YouTube-Serie, die schließlich fast 80 Millionen Aufrufe erzielt.
- A24 engagiert Kane Parsons, um eine Spielfilmadaption seiner viralen Webserie zu inszenieren.
- Kritiken erscheinen vor dem Kinostart des Films und loben die Atmosphäre und Parsons‘ Regie.
- Backrooms startet in den Kinos.
Das Produktionsdesign von Danny Vermette ist ein herausragendes Element, das echte Konstruktionen mit digitaler Fertigung kombiniert, um eine unsagbar bedrückende, dämmerige Welt zu schaffen. Die Umgebung wird zur Belohnung an sich, wenn jeder neue Raum ein frisches, unheimliches Rätsel präsentiert, das das Publikum in Atem hält. Der Film wird mit J-Horror, dem V/H/S-Franchise, Severance und The Rehearsal verglichen.
Verteidigung eines jungen Auteurs
Als sich die Veröffentlichung des Films näherte, tauchten im Internet Spekulationen auf, die besagten, der 20-jährige Parsons ‚habe diesen Film absolut nicht inszeniert.‘ Star Mark Duplass wies das Gerücht auf Social Media energisch zurück, erklärte, er könne sich nicht erinnern, den Ankläger am Set gesehen zu haben, und bestätigte Parsons‘ vollständige Kontrolle über die Produktion. Diese Verteidigung unterstreicht die ungewöhnliche Natur des Projekts: Ein großes Studio übergibt einem Regisseur, der kaum dem Teenageralter entwachsen ist, ein beträchtliches Budget, basierend auf der Stärke seiner selbstgemachten YouTube-Serie.
Parsons selbst hat sich über die reibungslose Zusammenarbeit mit A24 geäußert und angemerkt, dass es ‚wirklich nicht viele Barrieren für die kreative Kontrolle‘ gab. Er glaubt, der Schlüssel zu einer erfolgreichen Adaption sei das Verständnis der ‚tatsächlichen DNA‘ des Quellmaterials, die es populär gemacht hat, anstatt das Universum für ein breiteres Publikum zu vereinfachen. Das Ende des Films lässt viele Fragen unbeantwortet – eine Entscheidung, die einige Zuschauer frustrieren mag, die meisten aber entschlossen zurücklassen wird, zu sehen, was als Nächstes kommt.
Das Ziel ist nicht, dieser Einfachheit in negativer Weise zuzuarbeiten.


