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Sicherheit·vor 3 Std.

Hallesches Naturbad verwehrt Gästen ohne Deutschkenntnisse den Zutritt – nach Kleinkind-Rettung folgt Sicherheitsverschärfung

Das Heidebad in Halle (Saale) verweigert nun Menschen den Zutritt, die nicht ausreichend Deutsch sprechen. Betreiber Mathias Nobel begründet den drastischen Schritt mit einer Beinahe-Ertrinkung eines Kleinkindes – er sei nötig, um sicherzustellen, dass alle die Sicherheitsregeln verstehen.

Ein Sprachecke am Eingang

Das Heidebad, ein Naturbad am Stadtrand von Halle (etwa 220.000 Einwohner), weist seit Kurzem Besucher ab, wenn sie nicht ausreichend Deutsch können, um die Badeordnung zu verstehen. Geschäftsführer Mathias Nobel zufolge entscheiden die Kassierer am Eingang von Fall zu Fall: Ist eine Verständigung nicht möglich, gibt es keine Eintrittskarte. Seit die Regel vor wenigen Tagen in Kraft trat, wurde bereits einer kleinen Zahl von Menschen der Zutritt verweigert.

Wir müssen sicher sein, dass die Besucher unsere Badeordnung verstehen, und konsequent sein, um die Sicherheit der Badenden zu gewährleisten.

Was die Entscheidung auslöste

Die Regelung geht auf einen Vorfall am vorangegangenen Wochenende zurück. Nobel, der auch als Rettungsschwimmer arbeitet, musste ein Kleinkind aus viel zu tiefem Wasser ziehen. Der See ist stellenweise bis zu 13 Meter tief. Er ist überzeugt, dass die Notsituation des Kindes genau deshalb entstand, weil die Warnschilder, die nur auf Deutsch beschriftet sind, nicht verstanden wurden.

Unser See ist teilweise 13 Meter tief. Das ist einfach gefährlich.

Betreiber bleibt hart

Nobel argumentiert, dass insbesondere Kinder verstehen müssen, wie sie sich am Wasser zu verhalten haben, und dass sie von Erwachsenen beaufsichtigt werden müssen, die ebenfalls die Regeln verstehen. Er fügt hinzu, dass seine Rettungsschwimmer in der Lage sein müssen, Badende direkt anzusprechen. Wenn eine Gruppe komme, in der niemand ausreichend Deutsch spreche, werde sein Team unruhig.

Auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter habe zu dem Schritt beigetragen. In der Vergangenheit sei es zu Diskussionen gekommen, weil Rettungsschwimmer nicht bereit waren, die Badeordnung Punkt für Punkt in eine Übersetzungs-App einzugeben.

Meine Mitarbeiter sind bereits am Limit.

Rassismusvorwürfe und ein Parallelfall in Jena

Die Entscheidung hat heftige Reaktionen ausgelöst. In den sozialen Medien wird dem Bad Rassismus vorgeworfen, doch viele Nutzer äußern Unterstützung mit Verweis auf Sicherheitsbedenken. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen-Anhalt betonte durch ihren Direktor Holger Friedrich, dass Kommunikation ein entscheidender Faktor für die Wasserrettung sei und die Arbeit deutlich erschwert werde, wenn ein Badender nicht verstehe oder nicht verstehen wolle.

Unsere Arbeit wird erheblich erschwert, wenn der Badende nicht versteht – oder nicht verstehen will.

Andernorts geht man deutlich anders vor. Die Stadtwerke Jena, die mehrere Bäder und einen Badesee in Thüringen betreiben, teilten der dpa mit, dass ihre Einrichtungen ohne Sprachtests für alle Gäste offen stünden. Eine Sprecherin erklärte, Einlassverbote würden ausschließlich bei Verstößen gegen die Hausordnung verhängt, Herkunft, Nationalität oder Sprache spielten keine Rolle. In Jena habe es bisher keine gefährlichen Situationen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse gegeben.

Ein Gegenentwurf eines Rettungsschwimmers

Ein erfahrener Rettungsschwimmer mit fast 30 Jahren Berufserfahrung meldete sich in einem Kommentar im Magazin Focus zu Wort und argumentierte, dass Regeln – in jeder Sprache – oft ungelesen blieben, selbst von Muttersprachlern. Er schrieb, ein scharfer Pfiff, Blickkontakt oder ein gerufenes „Stopp“ könnten Unfälle ebenso wirksam verhindern, und Sicherheit hänge letztlich nicht von Sprachnachweisen ab, sondern davon, ob Badende Anweisungen akzeptierten und respektierten.

Wie die Sprachregelung sich entwickelte
  1. Ein Kleinkind wird im Heidebad aus tiefem Wasser gerettet; Betreiber macht mangelndes Verständnis der deutschen Warnschilder verantwortlich.
  2. Das Heidebad führt eine fallweise Sprachprüfung am Eingang ein; in den folgenden Tagen werden einige Personen abgewiesen.
  3. Die Regel löst eine nationale Debatte aus, mit Rassismusvorwürfen und gegensätzlichen Ansätzen, darunter die offene Zugangspolitik der Stadtwerke Jena.
Halle · Jena

7 Quellen

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