
Studie: Deutschland hinkt bei Uni-Gründungen hinterher – verpasst 13 Millionen Jobs und 5 Billionen Euro Wirtschaftsleistung
Eine neue Studie von AlpMomentum, Redstone, der TU München und der Universität Trier zeigt: Deutschland liegt bei der Ausgründung von Startups aus Universitäten im unteren Mittelfeld Europas – mit nur 9,7 pro 100 Mio. Euro Budget, weit hinter Spitzenreiter Andorra. Skalierungsprobleme und Brain Drain in die USA werden als Hauptbarrieren genannt.
Eine europaweite Vergleichsstudie hat Deutschlands schwache Bilanz bei der Umwandlung akademischer Forschung in erfolgreiche Startups offengelegt. Der 'Redstone University Startup Index', erstellt von der Denkfabrik AlpMomentum, der Risikokapitalfirma Redstone, der Technischen Universität München und der Universität Trier, untersuchte im vergangenen Jahr 1.000 Universitäten und 50 öffentliche Forschungseinrichtungen in 36 Ländern und Regionen. Dabei zeigten sich enorme Unterschiede in der Effizienz: Im Durchschnitt bringen die Einrichtungen zwischen 1 und 80 Startups pro 100 Millionen Euro Jahresetat hervor.
Wo Deutschland steht
Deutschland schaffte nur 9,7 Startups pro 100 Millionen Euro und landete damit im unteren Mittelfeld des Rankings. Bewertet wurden die 143 Universitäten und 9 Forschungsinstitute des Landes. Spitzenreiter wurde Andorra mit 52,2 Startups – allerdings basiert dieser Wert auf einer einzigen Einrichtung. Auch die baltischen Staaten und Frankreich schnitten deutlich besser ab als Deutschland.
- Deutschland
- 9.7
- Andorra
- 52.2
Wachstumshemmnisse
Die Frühphasenfinanzierung in Deutschland ist dank öffentlicher Zuschüsse ordentlich, aber das Wachstumskapital bleibt ein Stolperstein. Jörn Block, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Trier und Koautor der Studie, warnte, dass Gründer oft nach der Anfangsphase an eine Wand stoßen.
Wenn ich weiß, dass ich hier nicht wachsen kann, entscheide ich mich vielleicht von vornherein gegen eine Gründung oder gehe gleich woanders hin. Besonders in der Biotechnologie zieht es viele in die USA.
Block stellte die deutsche Landschaft dem unternehmensfreundlicheren Umfeld im Vereinigten Königreich gegenüber.
Er nannte Oxford und Cambridge als Beispiele für Universitäten, die Innovation erfolgreich in die Lehre integrieren.Anders als in Deutschland gibt es im Vereinigten Königreich weniger riesige Forschungscluster wie Fraunhofer, Helmholtz oder Max Planck. Die technologische Forschung ist stärker in die Universitätsökosysteme eingebettet, und das verkürzt den Weg zu studentischen Gründern.
Die wirtschaftliche Chance
Die Studie prognostiziert zudem den enormen Gewinn, wenn alle Einrichtungen die Leistung der oberen 10 % erreichen würden – mit einer leichten weiteren Steigerung. Innerhalb von zehn Jahren könnte Europa mehr als 445.000 zusätzliche Startups, über 13 Millionen neue Arbeitsplätze, mehr als 5 Billionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung, über 9 Billionen Euro zusätzlichen Unternehmenswert und mehr als 1,5 Billionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen verzeichnen.
Was sich ändern könnte
Redstone-Gründer Michael Brehm merkte an, dass größere Einrichtungen tendenziell weniger effizient bei der Gründungsförderung werden. Business Schools schnitten erwartungsgemäß am besten ab. Die Analyse, die auf LinkedIn-Profilen und der Dealroom-Datenbank basiert, deutet darauf hin, dass kleinere, besser integrierte Forschungseinrichtungen große Konglomerate überflügeln könnten. Für Deutschland könnte das bedeuten, die Verbindung zwischen seinen riesigen Forschungsgesellschaften und den Studierenden sowie dem Venture-Ökosystem zu überdenken.


