
Deutschlands Abhängigkeit von China bei kritischen Gütern nimmt zu – Widerspruch zu den Diversifizierungszielen der Regierung
Eine neue Studie zeigt, dass Deutschlands Importabhängigkeit von China bei strategisch wichtigen Gütern wie Lithiumbatterien, Solarmodulen und Antibiotika stark zugenommen hat und damit die De-Risking-Strategie Berlins untergräbt.
Studie belegt wachsende Abhängigkeit
Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt, dass Deutschlands wirtschaftliche Abhängigkeit von China bei kritischen Gütern zugenommen hat, was dem erklärten Ziel der Bundesregierung nach Diversifizierung widerspricht. Die Analyse, die auf vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes basiert, untersuchte Direktimporte von Produkten und Rohstoffen, die als strategisch wichtig eingestuft werden.
Gerade in kritischen Bereichen diversifiziert Deutschland nicht, sondern wird noch abhängiger und damit verletzlicher.
Schlüsselsektoren und Zahlen
Der Anteil Chinas an den deutschen Importen wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Batterien stieg von 49,7 Prozent im Jahr 2023 auf 66,5 Prozent im Jahr 2025. Bei Antibiotika sprang der Anteil von 65,3 Prozent auf 72,9 Prozent, während Vitamine und Provitamine von 71,3 Prozent auf 81,6 Prozent kletterten. Die Importe von Solarmodulen aus China erreichten mit 92,6 Prozent des gesamten Importgewichts einen neuen Höchststand, gegenüber etwa 89 Prozent im Jahr 2023.
- Lithium-Ionen-Batterien 2023
- 49.7 %
- Lithium-Ionen-Batterien 2025
- 66.5 %
- Antibiotika 2023
- 65.3 %
- Antibiotika 2025
- 72.9 %
- Vitamine & Provitamine 2023
- 71.3 %
- Vitamine & Provitamine 2025
- 81.6 %
- Solarmodule 2023
- 89 %
- Solarmodule 2025
- 92.6 %
Darüber hinaus dominiert China praktisch die Versorgung mit bestimmten Seltenen Erden – Praseodym, Neodym und Samarium –, die für Hochleistungs-Permanentmagnete in Elektromotoren unverzichtbar sind. Die Importe dieser Seltenen Erden stiegen gewichtsmäßig von 3,1 Tonnen im Jahr 2023 auf 13,0 Tonnen im Jahr 2025.
Reaktion der Regierung und Chinareise
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wird am Mittwoch zu einem Besuch in China erwartet, begleitet von Top-Managern wie BASF-Chef Markus Kamieth, Thyssenkrupp-CEO Miguel Lopez und Siemens-Energy-Vorstand Tim Holt. Ein Ministeriumssprecher erklärte, die Regierung lege besonderen Wert auf mehr Resilienz bei Rohstoffen und fordere fairen Wettbewerb – Themen, die bei den Gesprächen in Peking eine Rolle spielen werden.
In Zukunft könnte De-Risking für Unternehmen noch komplizierter werden, weil die chinesische Regierung jetzt aktiv dagegen arbeitet.
Spohr merkte an, dass die China-Strategie der Bundesregierung von 2023, die darauf abzielte, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern, den Trend bisher nicht umgekehrt habe. Die Studie erfasst nur Direktimporte aus China, nicht indirekte Lieferungen über Drittländer, die chinesische Komponenten enthalten könnten.
Breitere Implikationen
Die Ergebnisse verdeutlichen eine wachsende Kluft zwischen politischer Rhetorik und Handelsrealität. Während Deutschland – und die EU – darum ringen, wirksame De-Risking-Maßnahmen zu entwickeln, wirft die zunehmende Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten für Technologien der Energiewende und medizinische Versorgung Fragen zur Sicherheit der Lieferketten und zur geopolitischen Hebelwirkung auf.


