
Deutschland entzieht Syrern den Flüchtlingsstatus, die zurückgekehrt sind oder polizeilich aufgefallen sind
Das Bundesamt für Migration entzieht Syrern den Flüchtlingsstatus, die polizeilich aufgefallen oder ausgereist und nach Deutschland zurückgekehrt sind. Als Begründung verweist es auf das Ende des syrischen Bürgerkriegs nach dem Sturz Assads im Dezember 2024.
Die Entscheidung
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entzieht zahlreichen Syrern in Deutschland den Flüchtlingsstatus. Grundlage ist ein 16-seitiger Bescheid vom September, den Bild vorliegen hat. Bild berichtet, der Bescheid gelte für Syrer, die polizeilich aufgefallen oder vorübergehend aus Deutschland ausgereist und anschließend zurückgekehrt sind. Das Dokument enthält drei Regelungen. Die erste lautet:
Die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft wird widerrufen.
Die beiden weiteren Regelungen stellen fest, dass kein subsidiärer Schutz gewährt wird und dass keine Abschiebungsverbote nach dem Aufenthaltsgesetz greifen. Blick beschreibt die betroffene Gruppe als offenbar konzentriert auf Syrer, die Straftaten begangen haben. Onet Wiadomosci berichtet, dass viele in Deutschland lebende Syrer nun ähnliche Schreiben erhalten.
Warum die Behörde den Krieg für beendet erklärt
Das BAMF nennt den Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 als entscheidenden Grund und erklärt, der Bürgerkrieg sei beendet, was einer wesentlichen Änderung der tatsächlichen Verhältnisse gleichkomme. Die Behörde beschreibt die Übergangsregierung als kontrollierend über weite Teile des Landes und als international anerkannt. Andere Gruppen, darunter der Islamische Staat, werden als Sicherheitsherausforderung beschrieben, die keine echte Machtalternative darstelle. Unter Berufung auf UNHCR-Zahlen zählt der Bescheid 1.546.317 Menschen, die zwischen Dezember 2024 und März 2026 nach Syrien zurückgekehrt sind. Zum allgemeinen Kriegsrisiko heißt es in dem Bescheid, zwischen Dezember 2024 und April 2026 seien mindestens 698 Menschen getötet und 1.193 verletzt worden, was bei einer Bevölkerung von 24,4 Millionen einem Sterberisiko von 0,017 Prozent entspreche.
- Das Assad-Regime stürzt, was das BAMF als Ende des Bürgerkriegs anführt
- Die auf UNHCR-Daten basierende Zahl der Rückkehrer nach Syrien seit Dezember 2024 erreicht 1.546.317
- Die Opferzahl für Syrien seit Dezember 2024 erreicht mindestens 698 Getötete und 1.193 Verletzte
- Das BAMF erlässt den 16-seitigen Bescheid zum Widerruf des Flüchtlingsstatus
- Bild berichtet über die Bescheide
- Getötet (mindestens)
- 698 Personen
- Verletzt
- 1193 Personen
Lage in Syrien und Unterstützung für Rückkehrer
Laut der Behörde ist Syrien mit Nahrungsmittelknappheit, hohen Lebenshaltungskosten, Wohnungsmangel und Problemen bei der Stromversorgung konfrontiert. Für eine fünfköpfige Familie außerhalb der Hauptstadt beziffert der Bescheid die monatlichen Kosten auf etwa 554 Euro. Trotz dieser Umstände hält das BAMF eine dauerhafte Rückkehr grundsätzlich für möglich und kommt zu dem Schluss, dass insgesamt keine existenzbedrohende Lage bestehe. Deutschland finanziert die Unterstützung freiwilliger Rückkehrer: eine Reisebeihilfe von 200 Euro pro Erwachsenem und 100 Euro pro Person unter 18 Jahren sowie eine Startbeihilfe von 1.000 Euro pro Erwachsenem und 500 Euro pro Kind, bis zu einem Höchstbetrag von 4.000 Euro pro Familie.
Keine Abschiebungsandrohung, aber Klagen erwartet
Der Bescheid droht keine Abschiebung an, und das BAMF erklärt dies mit eigenen Worten:
Es wird keine Abschiebungsandrohung erlassen, da dem Bundesamt die hierfür erforderliche Rechtsgrundlage fehlt.
Ein in der Berichterstattung zitierter Anwalt rechnet mit einer Klagewelle gegen die Bescheide. Auf die betroffenen Syrer kommt somit ein Rechtsverfahren zu, in dem die Widerrufsgründe voraussichtlich bestritten werden.
Politischer Hintergrund
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat im Frühjahr das Ziel ausgegeben, 80 Prozent der mehr als 900.000 in Deutschland lebenden Syrer in ihre Heimat zurückzuführen. Der Bund der Steuerzahler errechnet durch solche Rückführungen mögliche Einsparungen von 6 Milliarden Euro jährlich. Der Migrationsmonitor der Bundesagentur für Arbeit gibt an, dass etwa 415.000 Syrer in Deutschland Transferleistungen beziehen. Bild schätzt, dass infolge des Bescheids der Schutzstatus von potenziell Hunderttausenden Syrern erlöschen könnte.

