Migration · Leipzig, Kabul und Bad Staffelstein
Deutschland schiebt 31 Afghanen bei Nachtflug ab, darunter erstmals einen Nicht-Straftäter seit Machtübernahme der Taliban
Ein Charterflug brachte in der Nacht zum Dienstag 30 verurteilte Straftäter und einen ausreisepflichtigen Mann von Leipzig nach Kabul – eine Ausweitung der Berliner Abschiebungspolitik. Der Schritt, der auf einer direkten Abmachung mit den Taliban beruht, stieß sofort auf Kritik der Grünen und Unbehagen beim Koalitionspartner SPD.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von tagesschau.de, N-tv, ZEIT ONLINE und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Ein Charterflug von Leipzig/Halle nach Kabul brachte 30 wegen schwerer Straftaten (Mord, Vergewaltigung, Gewalt) verurteilte Afghanen und einen Mann ohne Vorstrafen, der dennoch ausreisepflichtig war.
Ein Erlass vom Juli 2026 weitete die Abschiebekriterien auf alle volljährigen ledigen Männer mit vollstreckbarer Ausreiseverfügung aus, nicht länger beschränkt auf verurteilte Straftäter oder Sicherheitsgefährdungen.
Grünen-Sprecher Marcel Emmerich nannte die Einbeziehung eines Nicht-Straftäters 'unverantwortlich' und sagte, der Deal mit den Taliban mache Deutschland 'erpressbar' und schwäche die Sicherheit.
SPD-Migrationsexperte Hakan Demir bezeichnete die erweiterte Abschiebepraxis als rechtlich und humanitär äußerst schwierig und kündigte Gespräche mit dem Koalitionspartner CDU/CSU an.
Die Abschiebung basiert auf einer direkten bilateralen Vereinbarung mit der Taliban-Regierung; ein früherer Flug im Juni 2026 wurde nach mangelnder Kooperation der Taliban wegen diplomatischer Vertretung abgesagt.
- 28.07.Charterflug startet vom Flughafen Leipzig/Halle mit 31 afghanischen Staatsangehörigen an Bord.
- 28.07.Flug kommt in Kabul an; Familien warten am Flughafen auf die Abgeschobenen.
- Verfahren nach der AnkunftTaliban-Behörden führen Verhöre durch; Freilassung nach familiären Garantien möglich.
Der Flug
Das Charterflugzeug startete in der Nacht zum Dienstag vom Flughafen Leipzig/Halle mit 31 afghanischen Staatsangehörigen an Bord. Laut Innenminister Alexander Dobrindt waren 30 wegen schwerer Straftaten verurteilt, darunter Mord, Vergewaltigung und Gewaltdelikte. Der verbleibende Passagier hatte keine Vorstrafen, war aber nach Ablehnung seines Asylantrags ausreisepflichtig. Er hatte zuvor in einem anderen europäischen Land Schutz gesucht, wurde nach Deutschland zurückgebracht und dann auf die Abschiebeliste gesetzt. Am Flughafen Kabul warteten Familien, während Beamte ihnen mitteilten, dass die Abgeschobenen von den Taliban durchgeführte Verfahren durchlaufen würden, darunter Verhöre, bevor eine mögliche Freilassung gegen familiäre Garantien erfolgen könne.
Ausweitung der Kriterien
Der Flug setzt einen Anfang Juli erlassenen Erlass um, der die bisherige Beschränkung auf verurteilte Straftäter und Sicherheitsgefährdungen aufhebt. Die aktualisierten Kriterien zielen nun auf volljährige Männer ab, die ledig und mit einer vollstreckbaren Ausreiseverfügung belegt sind, unabhängig von einer Vorstrafe. Sachsens Innenminister Armin Schuster sagte, der Kreis werde auf alle Straftäter ausgeweitet sowie auf diejenigen, die keine Integrationsbemühungen gezeigt haben, Sozialleistungen beziehen oder bei der Identitätsfeststellung nicht mitwirken. Dobrindt verteidigte die Ausweitung:
„Wir haben die Bundesländer in den letzten Wochen informiert, dass Abschiebungen von ausreisepflichtigen Personen nach Afghanistan auch in Zukunft möglich sein werden, wenn es sich nicht ausschließlich um Schwerstkriminelle handelt.“
Politischer Gegenwind
Die Einbeziehung eines Nicht-Straftäters löste scharfe Kritik der oppositionellen Grünen aus. Der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Marcel Emmerich sagte:
„Es ist unverantwortlich, dass Alexander Dobrindt jetzt Menschen nach Afghanistan abschiebt, die sich überhaupt nichts haben zuschulden kommen lassen.“
Emmerich fügte hinzu, dass der mit den Taliban geschlossene Deal für Abschiebungen die radikalislamische Gruppe stärke, Deutschland erpressbar mache und die eigene Sicherheit des Landes schwäche. Innerhalb der Regierungskoalition bezeichnete der SPD-Migrationsexperte Hakan Demir die Ausweitung als rechtlich und humanitär äußerst schwierig und kündigte Gespräche mit der CDU/CSU an. Die Spannungen erinnern an einen abgesagten Abschiebeflug Anfang Juni, als die Taliban die Zusammenarbeit verweigerten, nachdem sie ihre Unzufriedenheit mit dem aus ihrer Sicht unzureichenden diplomatischen Engagement des Auswärtigen Amtes geäußert hatten.
Das Taliban-Abkommen
Die Abschiebungen beruhen auf einer direkten Vereinbarung mit der Taliban-Regierung, die regelmäßige Rückführungen ohne Zwischenstaaten ermöglicht. Kritiker weisen auf den Widerspruch hin, sich auf ein Regime zu stützen, das die Bundesregierung nicht offiziell anerkennt, während sie praktische Zugeständnisse macht, etwa die Zulassung einzelner von den Taliban nominierter Diplomaten an afghanischen Vertretungen in Deutschland. Dobrindt bestand darauf, dass die Taliban verpflichtet seien, ihre Bürger aufzunehmen: "Das ist die Vereinbarung, die mit den Verantwortlichen in Afghanistan getroffen wurde." Hessens Innenminister Roman Poseck bestätigte, dass vier der Abgeschobenen aus seinem Bundesland stammten, verurteilt wegen Körperverletzung, Vergewaltigung, Diebstahls und Beihilfe zu einem Raub; acht kamen aus Bayern.
Regierungsverteidigung
Dobrindt stellte den Flug als Teil einer entschlossenen migrationspolitischen Wende dar, die, wie er sagte, „mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante“ verfolgt werde. Er kündigte weitere Abschiebeflüge an, die den Kreis der rückführbaren Personen über die Schwerstkriminellen hinaus erweitern. Während sich am Flughafen Leipzig Protestierende versammelten, erklärte der Minister, er habe „sehr wenig Verständnis“ für Demonstrationen gegen die Abschiebung von Schwerstkriminellen.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- tagesschau.deDeutschland schiebt erneut Menschen nach Afghanistan ab
- N-tvErstmals seit Taliban-Rückkehr: Deutschland schiebt Mann ohne Straftaten nach Afghanistan ab
- ZEIT ONLINERückführungen: Hessen schiebt vier Straftäter nach Afghanistan ab
- Der TagesspiegelGrüne sprechen von "gefährlichem Irrweg": Deutschland schiebt erstmals Afghanen ohne Straftat ab
- Alexander Dobrindt
- Deutscher Innenminister (CSU), verteidigte die ausgeweitete Abschiebepolitik.
- Armin Schuster
- Sächsischer Innenminister (CDU), erläuterte die erweiterten Kriterien.
- Marcel Emmerich
- Innenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, verurteilte die Abschiebung eines Nicht-Straftäters.
- Hakan Demir
- SPD-Migrationsexperte, äußerte rechtliche und humanitäre Bedenken.
- Roman Poseck
- Hessischer Innenminister (CDU), bestätigte vier Abgeschobene aus seinem Bundesland.
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