
Deutschlands Geheimdienstchef warnt: Russland wird auch nach Ende des Ukraine-Kriegs weiter angreifen
Am Montag, dem 12. Oktober, erklärte BfV-Chef Sinan Selen, Russland könne Tötungen auf deutschem Boden planen, und die Bedrohung werde jedes Ende des Krieges in der Ukraine überdauern. Innenminister Alexander Dobrindt sprach von einem 'Schattenkrieg', der auf die Destabilisierung des Landes ziele.
Eine Warnung vor weiteren Angriffen
Deutschlands Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen, Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), erklärte am Montag, dem 12. Oktober, auf einer Pressekonferenz in Berlin, Deutschland müsse mit weiteren Angriffen rechnen. Russland nutze in hybriden Operationen nahezu alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, und es brauche ein wirksames System der Abwehr. Nach Einschätzung des BfV steckt Moskau hinter einer Vielzahl von Sabotage-, Desinformations- und Spionageaktionen. Selen argumentierte, die Bedrohung werde auch dann bestehen bleiben, wenn der Krieg in der Ukraine ende, denn Russland wolle Europas Platz in der Geopolitik neu bestimmen, und die hybride Bedrohung sei längst von der Lage in der Ukraine entkoppelt.
Wir müssen mit Angriffen rechnen.
Ein 'Schattenkrieg' gegen Deutschland
Innenminister Alexander Dobrindt, der an derselben Pressekonferenz teilnahm, beschrieb einen 'Schattenkrieg', der mit Desinformation, Sabotage, Spionage und Cyberangriffen die demokratische Ordnung untergrabe. Ziel sei es nicht, Deutschland militärisch zu besiegen, sondern es politisch und gesellschaftlich zu unterwerfen. Deutschland sei wegen seiner Wirtschaftskraft, seiner wissenschaftlichen Einrichtungen und seiner zentralen Rolle in der europäischen Verteidigung und bei der Unterstützung der Ukraine ein Ziel, sagte Dobrindt. Auf der Pressekonferenz sagte er, Deutschland sehe sich heute intensiveren Bedrohungen ausgesetzt als während des Kalten Krieges, als die Grenzen klarer gewesen seien. Dobrindt forderte eine Umgestaltung der deutschen Sicherheitsstrukturen und sagte, die sicherheitspolitische Wende nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine müsse über die Außenpolitik hinausgehen.
Der Vorfall am Flughafen Leipzig
In der Nacht vom 4. auf den 5. August kollidierte ein Transportflugzeug nahe dem Flughafen Leipzig/Halle in Ostdeutschland mit einem nicht identifizierten Objekt. Die Maschine wurde nach Hannover umgeleitet, wo geringe Schäden am Rumpf festgestellt wurden. Zuvor hatte der Flughafen den Betrieb eingestellt, nachdem auf dem Vorfeld neben einer ukrainischen Antonow-Transportmaschine eine Drohne mit etwa 600 Gramm Sprengstoff gefunden worden war; sie explodierte nicht. Im September erklärte Dobrindt auf einer Pressekonferenz, Russland sei für den Drohnenvorfall verantwortlich.
- Transportflugzeug trifft nahe dem Flughafen Leipzig/Halle auf ein nicht identifiziertes Objekt und wird nach Hannover umgeleitet
- Dobrindt erklärt auf einer Pressekonferenz, Russland sei für den Drohnenvorfall verantwortlich
- BND-Chef Martin Jaeger sagt vor dem Bundestag, russische Angriffe auf deutsche Ziele seien ein mögliches Szenario
- BfV-Chef Sinan Selen warnt, Deutschland müsse mit weiteren Angriffen rechnen
Der Kreml weist diese Vorwürfe zurück. Sein Sprecher Dmitri Peskow nannte sie haltlos und sagte, Deutschland schaffe sich einen falschen Feind, um Militärausgaben zu rechtfertigen.
Warnungen aus Berlin und der weitere Kontext
BND-Chef Martin Jaeger sagte Anfang Oktober vor dem Bundestag, russische Angriffe auf Ziele in Deutschland seien ein mögliches Szenario, und das Land stehe vor einem 'gewaltsamen Konflikt' mit Russland. Berlin warnt seit Wochen vor einer wahrscheinlichen Eskalation durch Moskau, und der versuchte Drohnenangriff in Leipzig Anfang August war ein Schock für die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dobrindt hatte zuvor gesagt, der Angriff markiere eine 'neue Stufe' der Bedrohung. Angesichts von Angriffen, die Russland zugeschrieben werden, und dem Aufstieg der prorussischen rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) betonen die Regierung und ihre Dienste die Gefahr aus dem Kreml. Damit sollen steigende Militärausgaben und die Unterstützung für Kiew gerechtfertigt werden. Wladimir Putin hatte schon vor dem Einmarsch in die Ukraine gefordert, die NATO solle sich aus weiten Teilen Osteuropas zurückziehen.
