
Deutschland und USA unterzeichnen Verteidigungspakt in Washington zur Ausweitung der gemeinsamen Waffenproduktion
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth unterzeichneten in Washington ein Kooperationsabkommen zu Waffenproduktion, Raketenbeschaffung und Lieferketten.
Transatlantischer Industrie-Pakt
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth unterzeichneten am 15. September 2026 in Washington eine Absichtserklärung zur Ausweitung der bilateralen verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit. Das Bundesverteidigungsministerium erklärte, das Abkommen schaffe einen politischen Rahmen für die gemeinsame Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung von Verteidigungsgütern. Beide Nationen identifizierten die Notwendigkeit, ihre Verteidigungsindustrien zu integrieren, um transatlantische Lieferketten zu sichern, Lieferzeiten zu verkürzen und die Produktionskapazitäten für moderne Waffensysteme, Komponenten und Munition zu erweitern. Die Initiative sieht zudem die Überprüfung von Technologietransferbestimmungen und die Vertiefung der Zusammenarbeit in der Verteidigungsforschung und -entwicklung vor.
Raketensysteme und Flugzeugbeschaffung
Vor dem Treffen verwies Pistorius auf bestehende bilaterale Projekte, darunter die Beschaffung amerikanischer F-35-Tarnkappenkampfflugzeuge durch Deutschland und Pläne zur Fertigung von Lenkraketen für das Patriot-Luftabwehrsystem auf deutschem Boden. Der deutsche Verteidigungsminister erklärte, die beiden Nationen verfügten über komplementäre Industriebasen, die in der Lage seien, die Gesamtproduktion zu steigern.
Doch unser gemeinsames Potenzial reicht weiter. Deutschland verfügt über eine effiziente Industriebasis, hochqualifizierte Fachkräfte und führende technologische Kompetenz. Damit können wir zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen.
Die Gespräche in Washington befassten sich auch mit der geplanten Beschaffung von Tomahawk-Marschflugkörpern und entsprechenden Typhon-Raketenwerfersystemen durch Deutschland. Die beiden Regierungen legten das grundlegende Abkommen für den Raketenkauf während des NATO-Gipfels in der Türkei Anfang Juli 2026 fest. Pistorius stellte nach den bilateralen Gesprächen fest, dass zwar die konkreten Verfahrensdetails der Beschaffung noch verhandelt würden, der Rahmen für die Beschaffung jedoch fest stehe.
Truppenstationierung und NATO-Fähigkeiten
Die Gespräche fielen mit einer laufenden Überprüfung der US-Militärpräsenz in Europa zusammen, die bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll. Im Rahmen dieser Bewertung erwägt das Pentagon den Abzug von bis zu 5.000 US-Soldaten aus Deutschland, wobei jedoch kein formeller Abzugsplan festgelegt wurde. Um mögliche Reduzierungen der US-Fähigkeiten auszugleichen, hat Deutschland der NATO alternative Mittel angeboten, darunter Marineschiffe, Kampfflugzeuge und unbemannte Waffensysteme. Pistorius hatte Hegseth bereits im Sommer 2025 in Washington getroffen, während ein für Mai 2026 geplantes Treffen verschoben wurde, als Pistorius Kanada zur U-Boot-Kooperation besuchte und Hegseth am Shangri-La-Dialog in Singapur teilnahm. Im August 2026 lobte der US-Unterstaatssekretär für Verteidigung, Elbridge Colby, die deutschen Verteidigungsausgabensteigerungen im NATO-Hauptquartier und bezeichnete die militärische Entwicklung des Landes in den vorangegangenen 18 Monaten als außergewöhnlichen Wandel.
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Kongresskonflikt und Pistorius-Reiseplan
Die bilaterale Unterzeichnung fand parallel zu innenpolitischen Kontroversen für Hegseth im US-Kongress statt. Der Abgeordnete Thomas Massie, ein Republikaner aus Kentucky, brachte im Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth ein und erklärte den Verteidigungschef aufgrund von US-Militäreinsätzen im Iran-Krieg ohne Zustimmung des Kongresses zur Bedrohung der Verfassung. Nach seinen Gesprächen in Washington reist Pistorius nach New York, um mit UN-Generalsekretär António Guterres über die UNIFIL-Mission im Libanon zu sprechen. Am Freitag besucht der Verteidigungsminister Fort Worth in Texas, um an der offiziellen Übergabezeremonie für den ersten F-35-Kampfjet der Bundeswehr teilzunehmen.


