
Deutschland plant Kita-Reform für 9,25 Milliarden Euro mit verpflichtenden Tests im Alter von vier Jahren
Das deutsche Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf geprüft, der von 2027 bis 2034 9,25 Milliarden Euro für die Einführung bundesweiter Entwicklungsdiagnostik für Vierjährige und die Aufstockung des Personals in benachteiligten Kitas vorsieht.
Kabinettsberatungen und Finanzierungsrahmen
Am 2. September 2026 tagte das deutsche Bundeskabinett in Berlin, um den vorgeschlagenen Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz zu erörtern. Der im Juli 2026 ausgearbeitete und veröffentlichte Gesetzesentwurf sieht Investitionen von rund 9,25 Milliarden Euro des Bundes für den Zeitraum von 2027 bis 2034 vor. Das Finanzierungspaket soll Kitas in ganz Deutschland mit zusätzlichen Ressourcen ausstatten, insbesondere durch die Einstellung von mehr Erziehern und den Ausbau der Sozialarbeit in Einrichtungen mit sozialen Herausforderungen.
Bundesweite Entwicklungsdiagnostik
Mit dem von Familienministerin Karin Prien vorgelegten Gesetz führt Deutschland erstmals einheitliche bundesweite Diagnosestandards für die frühkindliche Entwicklung ein. Der Rahmen sieht vor, dass jedes Kind spätestens im Alter von vier Jahren auf Sprachfähigkeit, motorische Fähigkeiten und den allgemeinen Entwicklungsstand untersucht wird. Die Testpflicht gilt in allen 16 Bundesländern und umfasst sowohl Kinder in öffentlichen Kitas als auch Vierjährige, die keine Vorschule besuchen.
Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erläuterte Prien die im Regierungsentwurf festgelegte Diagnosepflicht.
Jedes Kind in Deutschland wird künftig spätestens im Alter von vier Jahren auf Sprach- und Entwicklungsstand diagnostiziert.
Drei-Säulen-Reform und gestaffelte Personalzuweisung
Der Gesetzesvorschlag stützt sich auf drei strukturelle Säulen: mehr Kleinkinder in die öffentliche Kinderbetreuung zu bringen, Sprach- und Entwicklungsdefizite so früh wie möglich zu erkennen und bestehende Nachteile durch gezielte Hilfen auszugleichen. Während alle Kitas zusätzliche Mittel und Arbeitszeit für die Durchführung der Diagnosetests und die Grundversorgung erhalten, konzentriert die Politik die Ressourcen auf Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern in schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen. Der Entwurf legt fest, dass mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland diese verstärkte institutionelle Förderung erhalten müssen.
- 80 Kinder
- 20 Stunden/Woche
- Mehr als 80 Kinder
- 40 Stunden/Woche
- Mehr als 120 Kinder
- 60 Stunden/Woche
Nach dem vorgeschlagenen Verteilungsmodell erhalten förderfähige Einrichtungen mit 80 Kindern Mittel für mindestens 20 zusätzliche Wochenstunden qualifizierten Fachpersonals. Einrichtungen mit mehr als 80 angemeldeten Kindern erhalten mindestens 40 zusätzliche Wochenstunden, und Einrichtungen mit mehr als 120 Kindern mindestens 60 Wochenstunden für Erzieher und Sozialarbeiter.
Bekämpfung von Bildungsungleichheit
Die Reform zielt darauf ab, langjährige Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem abzubauen, wo der akademische Weg eines einzelnen Schülers stärker vom Einkommen der Eltern, dem Bildungsniveau der Eltern und den familiären sozialen Umständen abhängt als in vergleichbaren Ländern. Durch die Einführung verpflichtender Diagnostik im Alter von vier Jahren will das Ministerium Lernlücken erkennen und korrigierende Unterstützung im Kindergarten anbieten, bevor die Kinder in die Grundschule kommen.
Prien erläuterte die Begründung für die Konzentration finanzieller Ressourcen auf Einrichtungen mit höherem Unterstützungsbedarf.
Wo ein größerer Unterstützungsbedarf besteht, müssen auch mehr Ressourcen fließen.
Die Familienministerin wies darauf hin, dass frühkindliche Intervention es Erziehern ermöglicht, grundlegende Fähigkeiten vor dem Schuleintritt aufzubauen.
Man schaut, was ein Kind bereits kann und welche Kompetenzen es vor dem Schuleintritt noch erwerben sollte. Das kann in einem so frühen Alter noch korrigiert werden. Und wer besonderen Förderbedarf hat, auch im Alter von vier und fünf Jahren, sollte diese Kompetenzen vor Schulbeginn erwerben.


