
Deutschland verschärft Sozialhilferegeln: Neue Grundsicherung für Arbeitssuchende tritt am 1. Juli in Kraft
Die Regierung benennt das Bürgergeld in Grundsicherung für Arbeitssuchende um und führt strengere Strafen für Empfänger ein, die Arbeit verweigern, bestätigte Arbeitsministerin Bärbel Bas.
Politikwechsel
Am 1. Juli ersetzt Deutschland die bestehende Bürgergeld-Zahlung durch die Grundsicherung für Arbeitssuchende, eine umbenannte Grundsicherung für Arbeitssuchende. Die Reform führt eine härtere Linie bei Arbeitspflichten ein und setzt den Grundsatz durch, dass diejenigen, die arbeiten können, aktiv nach Arbeit suchen müssen. Arbeitsministerin Bärbel Bas, die auch SPD-Vorsitzende ist, bezeichnete die Änderungen als Signal gegen Sozialhilfemissbrauch, betonte aber, dass das System ausgewogen bleibe.
Wer Hilfe braucht, muss Hilfe bekommen. Aber Solidarität bedeutet auch: Wer arbeiten kann, muss Arbeit suchen. Mit dieser Reform senden wir auch ein starkes Signal gegen Leistungsbetrug.
Strengere Sanktionen
Nach den neuen Regeln verlieren Empfänger ihre gesamte monatliche Barzahlung für bis zu zwei Monate, wenn sie eine zumutbare Arbeit ablehnen, die ihren Hilfebedarf beenden würde. Andere Verstöße lösen eine sofortige Kürzung der Leistungen um 30 Prozent für drei Monate aus. Wiederholtes Fernbleiben von Terminen beim Jobcenter kann zum vollständigen Verlust aller Ansprüche führen, einschließlich der Mietzahlungen.
Argument der Ministerin
Bas räumte ein, dass nur eine sehr kleine Zahl von Antragstellern gegen die Regeln verstößt, argumentierte jedoch, dass das Ignorieren von Missbrauch das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Sozialstaat untergraben würde. Sie stellte die Arbeitsförderung als eine Frage der Gerechtigkeit dar und betonte den sogenannten Passiv-Aktiv-Transfer, einen Mechanismus, um Ressourcen vom passiven Leistungsbezug hin zur aktiven Beschäftigungsförderung zu verlagern. Qualifikationen für einen nachhaltigen Arbeitsmarkteintritt bleiben weiterhin verfügbar.
Wer den Sozialstaat bewahren, modernisieren und verbessern will, darf hier nicht wegsehen. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Umfang
Rund 5,3 Millionen Empfänger des bisherigen Bürgergeldes sind von der Umstellung betroffen. Die Reform schafft die Hilfe nicht ab, sondern justiert das Gleichgewicht zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung neu, mit dem erklärten Ziel, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

