
Deutschland baut strategische Gasreserve auf – Verbraucher zahlen neue Umlage für 1,5 Milliarden Euro Kosten
Die Bundesregierung will Mitte August eine strategische Gasreserve von 24 Terawattstunden beschließen, finanziert durch eine neue Umlage auf Gasverbraucher. Die Reserve soll vor Sabotage und Importausfällen schützen.
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz treibt die Pläne für eine strategische Gasreserve voran, eine Kabinettsentscheidung wird für Mitte August erwartet. Die Reserve soll 24 Terawattstunden Gas umfassen, etwa zehn Prozent der gesamten deutschen Speicherkapazität, und ist ausschließlich für extreme Krisenszenarien wie Infrastruktursabotage oder eine globale Gasknappheit vorgesehen.
Umfang und Kosten
Die Reserve ist nicht für die saisonale Winterversorgung gedacht, die weiterhin in der Verantwortung von Händlern und Versorgern liegt. Stattdessen soll sie als Notfallpuffer dienen, der von der Bundesnetzagentur verwaltet wird. Das Konzept des Ministeriums veranschlagt Aufbaukosten von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, verteilt auf 2027 und 2028, bei jährlichen Betriebskosten von 150 bis 180 Millionen Euro.
Finanzierung durch Verbraucherumlage
Die gesamten Kosten sollen durch eine neue Umlage auf Gasverbraucher finanziert werden, was die Energierechnungen von Haushalten und Unternehmen zusätzlich belastet. Die Umlage dürfte niedriger ausfallen als die frühere Gasspeicherumlage, die Ende 2025 auslief und bei 0,289 Cent pro Kilowattstunde lag. Die Regierung plant, die Beschaffung über zwei bis drei Jahre zu strecken, um die Auswirkungen auf die Marktpreise zu minimieren. Erste Speicherbuchungen sind für den Winter 2026/27 vorgesehen, die erste Befüllung im Sommer 2027.
Politische Reaktionen
Die oppositionellen Grünen begrüßten die Initiative, warnten aber vor dem Zeitplan.
Der Bundestag wird voraussichtlich Ende September seine erste Debatte über den Vorschlag führen.Es ist richtig, eine Gasreserve einzuführen. Die geplante Befüllung im nächsten Jahr kommt für diesen Winter jedoch zu spät. Es droht ein weiteres Zittern.
Deckungsszenarien
Die Reserve ist so dimensioniert, dass sie einen 30-tägigen Ausfall des Anlandepunkts Dornum in Niedersachsen abdeckt, der größten Importinfrastruktur für norwegisches Pipelinegas. Interne Berechnungen zeigen, dass 24 TWh auch etwa 40 Tage ausgefallene LNG-Importe abdecken könnten oder zehn Tage Vollversorgung von Haushalten und Unternehmen in einem extremen Winter bei vollständigem Ausfall von Pipeline- und LNG-Importen. In einem normalen Winter würde sie 18 Tage reichen.
- 30-tägiger Ausfall Dornum
- 30 Tage
- 40-tägiger LNG-Ausfall
- 40 Tage
- Extremwinter (10 Tage)
- 10 Tage
- Normaler Winter (18 Tage)
- 18 Tage
Speicherkontext
Der Plan folgt auf einen Winter, in dem die deutschen Gasspeicherstände zeitweise auf nur 20 Prozent fielen. Zum 6. Juli lagen die Speicher bei 42,88 Prozent, weit unter dem Niveau der Vorjahre. Ein Energieexperte, zitiert von der Berliner Zeitung, bezeichnete die Reserve als „teures Pflaster“, während das Ministerium argumentiert, es handele sich um eine notwendige Vorsorge gegen Versorgungsschocks.
- Kabinettsentscheidung zur Reserve
- Erste Debatte im Bundestag
- Erste Speicherbuchungen
- Beginn der ersten Befüllung


