Deutsche medizinische Überprüfung bestätigt 3.098 Behandlungsfehler und 97 Todesfälle im Jahr 2025
Der Medizinische Dienst prüfte im Jahr 2025 bundesweit 11.735 Verdachtsfälle von Kunstfehlern, bestätigte 3.098 Fehler und verzeichnete 150 schwere vermeidbare Vorfälle, sogenannte Never Events.
Annual assessment findings
Der Medizinische Dienst, der ärztliche Fachdienst der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland, legte am 20. August 2026 in Berlin seinen Jahresbericht über Behandlungsfehler vor. Im Jahr 2025 untersuchten die medizinischen Gutachter 11.735 Verdachtsfälle von Kunstfehlern, die versicherte Patienten bei ihren Krankenkassen gemeldet hatten. Formelle Bewertungen bestätigten Behandlungsfehler, die zu Patientenschäden führten, in 3.098 Fällen, verglichen mit 3.700 bestätigten Fehlern im Jahr 2024. In 2.700 dieser Fälle wurde nachgewiesen, dass der Fehler die Gesundheitsschädigung direkt verursacht hatte. In 97 Fällen verursachten oder trugen die Behandlungsfehler wesentlich zum Tod des Patienten bei.
- Untersuchte Verdachtsfälle
- 11735 Fälle
- Bestätigter Fehler und Schaden
- 3098 Fälle
- Nachgewiesener kausaler Schaden
- 2700 Fälle
- Todesfälle
- 97 Fälle
Verteilung auf medizinische Fachgebiete
Zwei Drittel der untersuchten Kunstfehlervorwürfe betrafen die stationäre Krankenhausversorgung, ein Drittel ereignete sich in ambulanten Arztpraxen. Bundesweit finden jährlich rund 18 Millionen Krankenhausbehandlungen und eine Milliarde ambulante Arztbesuche statt, wobei das Statistische Bundesamt allein für 2024 17,5 Millionen stationäre Klinikaufenthalte verzeichnete. Fast 30 % aller Patientenbeanstandungen und 22,1 % der bestätigten Fehler konzentrierten sich auf Orthopädie und Unfallchirurgie, gefolgt von der Pflege mit 18,3 % und der Inneren Medizin mit 13,7 %. Die Gutachter stellten fest, dass höhere Beschwerderaten in chirurgischen Fächern eher auf eine größere Sichtbarkeit unerwarteter körperlicher Ergebnisse für die Patienten zurückzuführen sind als auf niedrigere Sicherheitsstandards.
- Orthopädie und Unfallchirurgie
- 22.1 %
- Pflege
- 18.3 %
- Innere Medizin
- 13.7 %
Zunahme schwerer Never Events
Der Bericht dokumentierte 150 schwere, vermeidbare Vorfälle, die im Jahr 2025 als Never Events eingestuft wurden, ein Anstieg gegenüber 134 solcher Fälle im Jahr 2024. Zu diesen schwerwiegenden Vorfällen gehörten zurückgelassene Operationsinstrumente oder Tupfer nach Operationen, falsche Medikamentendosierungsanweisungen sowie Verwechslungen von Patienten oder Operationsstellen. Die medizinischen Gutachter betonten, dass die offiziellen Statistiken nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Vorfälle im Gesundheitssystem erfassen. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass zwischen 2 % und 4 % der stationären Krankenhausbehandlungen vermeidbare unerwünschte Ereignisse betreffen, was in Deutschland schätzungsweise 350.000 bis 700.000 Vorfälle pro Jahr ausmacht. Stefan Gronemeyer, Leiter des Medizinischen Dienstes Bund, forderte, dass die nicht erfassten Fälle einer ordnungsgemäßen behördlichen Prüfung unterzogen werden.
Die Dunkelziffer ist hoch und darf nicht länger verharmlost werden.
- 2024
- 134 Fälle
- 2025
- 150 Fälle
Wirtschaftliche Kosten und Reformvorschläge
Die Überprüfung verknüpfte die Patientensicherheit direkt mit der finanziellen Effizienz des Gesundheitssystems. Gestützt auf Schätzungen der OECD erklärte der Dienst, dass in entwickelten Ländern rund 15 % der Krankenhausausgaben für die Behandlung der Folgen vermeidbarer Fehler aufgewendet werden, was bei den deutschen gesetzlichen Krankenhausausgaben 16,7 Milliarden Euro entspricht. Um diese Vorfälle zu reduzieren, forderte der Medizinische Dienst die Schaffung eines verpflichtenden, pseudonymisierten und sanktionsfreien Meldesystems für Never Events sowie eine gesetzliche Verpflichtung für Kliniken und Ärzte, Patienten unverzüglich zu informieren, wenn Fehler passieren. Die Reformvorschläge erhielten Unterstützung vom AOK-Bundesverband, dem Sozialverband Deutschland und der Deutschen Stiftung Patientenschutz.
Jeder vermeidbare Schaden, den wir verhindern, bedeutet weniger Leid und vermeidet gleichzeitig unnötige Folgekosten.
Regionale Zahlen und Reaktion des Bundes
Die regionalen Zweigstellen berichteten über ähnliche Muster: Der MD Nord in Schleswig-Holstein und Hamburg wertete 2.950 Verdachtsfälle aus und erstellte 879 Gutachten, wobei 215 Fälle von Fehlern und Schäden bestätigt wurden. In Niedersachsen prüften die Gutachter rund 1.100 Vorwürfe, fanden in 24,2 % der Fälle Behandlungsfehler und stellten in 21,1 % einen kausalen Schaden fest. Andreas Krokotsch, stellvertretender Leiter des MD Nord, wies darauf hin, dass die unzentralisierte Erfassung den nationalen Überblick unvollständig lasse, und plädierte für eine anonyme Meldung. Das Bundesministerium für Gesundheit unter der Leitung von Carsten Linnemann erklärte am Donnerstag, dass strukturelle Verbesserungen der Patientensicherheit weiterhin notwendig seien, und bestätigte, dass das Ministerium Optionen zur Verbesserung der systematischen Fehlererfassung prüfe.


