
Deutschland deklassiert WM-Debütant Curaçao nach frühem Schrecken 7:1 in Houston
Die vierfachen Weltmeister kassierten einen historischen Ausgleich gegen die kleinste Nation, die je bei einer WM-Endrunde dabei war, und erzielten dann in der Gruppe E sechs Tore in Folge.
Ein historischer Moment für Curaçao
Curaçao, das kleinste Land, das je bei einer Männer-WM teilnahm, schrieb innerhalb von 22 Minuten im NRG Stadium in Houston ein Kapitel Turniergeschichte. Mit rund 150.000 Einwohnern und einer Fläche vergleichbar mit Ibiza geriet die Karibikinsel früh in Rückstand, als Felix Nmecha in der sechsten Minute einen sauberen Doppelpass mit Florian Wirtz abschloss. Doch die Debütanten, trainiert vom ältesten Trainer der WM-Geschichte, schlugen zurück. Livano Comenencia, ein 22-jähriger Mittelfeldspieler, der beim FC Zürich spielt, sah seinen Linksschuss von Joshua Kimmich abgefälscht und Manuel Neuer auf dem falschen Fuß erwischen – der schockierende 1:1-Ausgleich. Mehr als 5.000 mitgereiste Fans brachen in Jubel aus, als das erste WM-Tor der Nation in den Rängen und auf der Pressetribüne wild gefeiert wurde.
Manchmal geschehen Wunder, und Amateurmannschaften schlagen Profimannschaften.
Der 78-jährige Advocaat hatte gewarnt, dass seine Mannschaft es Julian Nagelsmanns Deutschland – das sowohl 2018 in Russland als auch 2022 in Katar in der Gruppenphase gescheitert war – schwer machen würde. Eine Viertelstunde lang schien das Wunder möglich. Curaçao, eine Mannschaft, in der nur Tahith Chong auf der Insel geboren wurde und die übrigen ihre Wurzeln in der niederländisch-karibischen Diaspora haben, hielt stand und lauerte sogar auf Konter.
Deutschland übernimmt vor der Pause wieder die Kontrolle
Deutschlands Antwort war schnell und gnadenlos. Nico Schlotterbeck köpfte in der 38. Minute eine Ecke von Nathaniel Brown zur erneuten Führung ein, und tief in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wurde Nmecha von Riechedly Bazoer umgehauen. Kai Havertz verwandelte den Elfmeter zum 3:1-Pausenstand. Die Erleichterung war spürbar für eine Mannschaft, die seit dem WM-Finale 2014 gegen Argentinien kein Zu-Null-Spiel mehr bei einer WM hingelegt hatte.
Die Partie begann sich bereits in der Statistik als ungleiches Duell abzuzeichnen – Deutschland beendete die Halbzeit mit 65 Prozent Ballbesitz und einer Vielzahl von Chancen –, doch das Ergebnis schmeichelte noch Curaçaos hartnäckiger Organisation.
Sturmlauf in der zweiten Halbzeit
Jede verbliebene Hoffnung der Außenseiter verflog 47 Sekunden nach dem Wiederanpfiff. Jamal Musiala schob einen Kimmich-Steckpass zum 4:1 ein, und die deutsche Maschine begann zu schnurren. Nathaniel Brown traf in der 68. Minute nach einer Rücklage von Deniz Undav zum 5:1, Undav selbst erzielte nach einer weiteren Kimmich-Vorlage das 6:1, und Havertz holte sich in der 88. Minute seinen zweiten Treffer des Abends zum 7:1-Kantersieg.
- Felix Nmecha
- 1
- Livano Comenencia
- 1
- Nico Schlotterbeck
- 1
- Kai Havertz
- 2
- Jamal Musiala
- 1
- Nathaniel Brown
- 1
- Deniz Undav
- 1
Deutschlands Offensivquartett aus Musiala, Wirtz, Sané und Havertz war für Curaçaos Abwehr zu beweglich, während die Einwechselspieler Undav, Goretzka und Rüdiger dafür sorgten, dass die Intensität nicht nachließ. Der einzige Wermutstropfen für Nagelsmanns Team war ein weiteres Gegentor – das zehnte WM-Spiel in Folge, in dem die Mannschaft keinen Zu-Null-Sieg verbuchen konnte.
Rekorde und Gegensätze
Die Begegnung vereinte Extreme. Deutschland mit 84 Millionen Einwohnern traf auf eine Insel mit 150.000 Einwohnern. Die deutsche Wirtschaft mit rund 4 Billionen Euro überragte Curaçaos 3 Milliarden Euro. An der Seitenlinie stand der älteste WM-Trainer (Advocaat, 78) dem jüngsten (Nagelsmann, 38) gegenüber. Im Tor wurde der 40-jährige Neuer zum ältesten Deutschen, der je bei einer WM zum Einsatz kam.
- Deutschland
- 65 %
- Curaçao
- 35 %
Curaçaos Spieler werden als Nationalhelden nach Hause zurückkehren – das erste Tor ihrer Geschichte ist gesichert –, während Deutschland, das seit September 2025 eine Serie von zehn Siegen in Folge vorweisen kann, gerüstet scheint, die Erinnerungen an die jüngsten Misserfolge zu begraben. Als Nächstes warten in der Gruppe E die Elfenbeinküste und Ecuador – zwei Prüfungen, die weit mehr über diese deutsche Mannschaft aussagen werden als ein unterhaltsamer Abend in Houston.

