Rheinland-Pfälzische Unternehmen fordern schnellere Visa- und Qualifikationsverfahren für ausländische Arbeitskräfte
Der LVU-Unternehmensverband in Rheinland-Pfalz hat eine schlankere Bürokratie und schnellere Visumsanerkennung gefordert, während die Handwerkskammern über eine steigende internationale Beteiligung berichten.
Bürokratische Hürden bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte
Der Landesverband der Unternehmensverbände in Rheinland-Pfalz (LVU) fordert weniger Bürokratie und klarere Verwaltungsstrukturen, um die Anwerbung internationaler Fachkräfte zu erleichtern. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Mainz erklärte LVU-Hauptgeschäftsführer Karsten Tacke, dass regionale Unternehmen dringend feste Ansprechpartner sowie zuverlässige und schnelle Verfahren für die Visabearbeitung und die Anerkennung beruflicher Qualifikationen benötigen. Tacke betonte, dass insbesondere kleinere Unternehmen sich nicht durch das derzeitige Dickicht der Verwaltungszuständigkeiten bei Einstellungsprozessen kämpfen könnten. Internationale Fachkräfte seien für zahlreiche Unternehmen in Rheinland-Pfalz unverzichtbar geworden. Der Unternehmensverband stellte fest, dass klare Verwaltungswege unerlässlich seien, um die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Unternehmen zu sichern und offene Stellen besetzen zu können.
Landeskampagne und Verwaltungskoordination
Um die Anwerbung ausländischer Talente auszuweiten, kündigte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling von der SPD eine neue Landesinitiative an. Die Landesregierung plant, diese Werbekampagne in direkter Zusammenarbeit mit den regionalen Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern durchzuführen. Der LVU begrüßte die koordinierte Anstrengung, im Ausland für Fachkräfte zu werben, aber die Wirtschaftsvertreter warnten, dass Werbekampagnen zu konkreten Einstellungen führen müssten.
Eine Kampagne kann Interesse wecken, aber der entscheidende Faktor ist, dass aus einem Kontakt ein Arbeitsvertrag wird.
Tacke verwies auf die Zentrale Ausländerbehörde in Kaiserslautern als eine wesentliche Anlaufstelle, die Unternehmen bereits bei den Einreiseformalitäten ausländischer Arbeitnehmer unterstützt. Er forderte, dass dieses spezialisierte öffentliche Angebot bei den lokalen Arbeitgebern bekannter wird. Der LVU fordert zudem, dass das Kaiserslauterner Amt eng mit den direkten Beratungsdiensten der regionalen Wirtschaftskammern verzahnt wird.
Daten zur handwerklichen Ausbildung in Koblenz
Statistische Daten der Handwerkskammer Koblenz zeigen, wie abhängig das regionale Gewerbe von ausländischen Arbeitskräften geworden ist. Nach Angaben eines Kammer-Sprechers besaßen Ende 2025 1.048 von rund 7.300 Auszubildenden aller Berufe eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der Sprecher bestätigte, dass sich die demografische Zusammensetzung der Auszubildenden in den letzten Jahren deutlich verändert habe. Handwerksvertreter erklärten, dass die Gewerbebetriebe einen akuten Mangel an Auszubildenden und qualifizierten Fachkräften hätten und dass Handwerksbetriebe ohne Menschen aus dem Ausland nicht mehr funktionieren könnten.
- Auszubildende insgesamt
- 7300 Personen
- Auszubildende mit ausländischer Staatsangehörigkeit
- 1048 Personen
- Absolventen der Meisterprüfung
- 678 Personen
Meisterqualifikationen und familiäre Integration
Ein ähnlicher demografischer Wandel vollzieht sich bei den höheren handwerklichen Qualifikationen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die Handwerkskammer Koblenz berichtete, dass der Anteil der Nicht-Deutschen unter den Absolventen der Meisterprüfung zunimmt. Von 678 neuen Meisterinnen und Meistern stammten die Kandidaten aus 26 verschiedenen Nationalitäten, was einen Rekord für die regionale Kammer darstellt. Wirtschaftsvertreter betonten, dass die langfristige Bindung kommunale Unterstützung erfordert, die über den Arbeitsplatz hinausgeht.
Wer Fachkräfte anziehen und halten will, muss es ihnen und ihren Familien auch leichter machen, in Rheinland-Pfalz anzukommen.
Tacke sagte, dass eine reibungslose Integration für ankommende Arbeitnehmer und ihre Familienmitglieder für Unternehmen, die eine stabile Belegschaft in Rheinland-Pfalz erhalten wollen, von entscheidender Bedeutung sei.

