
Deutsche Inflationsrate fällt im Juni auf 2,3 % – Tankrabatt läuft aus, Ölpreise geben nach
Die Verbraucherpreise stiegen im Juni nur um 2,3 Prozent im Jahresvergleich, weit unter den Erwartungen der Ökonomen von 2,6 Prozent. Günstigeres Öl und ein auslaufender Tankrabatt sorgten für Entlastung.
Inflationsrückgang im Juni überraschend
Die Inflation in Deutschland ist den zweiten Monat in Folge gesunken, wie vorläufige Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen. Der Verbraucherpreisindex stieg im Juni um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,6 Prozent im Mai und 2,9 Prozent im April. Von Handelsblatt befragte Ökonomen hatten mit einer stabilen Rate von 2,6 Prozent gerechnet.
- 2026-04-01
- 2.9 %
- 2026-05-01
- 2.6 %
- 2026-06-01
- 2.3 %
Der Rückgang fiel stärker aus als erwartet und drückte die Jahresrate auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2024. Im Vergleich zum Mai sanken die Preise um 0,3 Prozent.
Was den Rückgang antrieb
Fallende globale Ölpreise und die nachlassende Wirkung des Iran-Konflikts waren die Hauptfaktoren. Die Rohölsorte Brent, die nach dem Ausbruch des von den USA angeführten Krieges gegen den Iran Ende Februar auf über 110 Dollar pro Barrel gestiegen war, ist inzwischen auf rund 73 Dollar gefallen. Dieser starke Rückgang wirkte sich direkt auf die Kraftstoffkosten aus.
Der überraschend starke Inflationsrückgang ist eine gute Nachricht für die Verbraucher.
Die Teuerung bei Energie verlangsamte sich dramatisch auf 3,4 Prozent im Juni, von 6,6 Prozent im Mai und über 10 Prozent im April. Kraftstoff – insbesondere Super E10 – war im Juni rund 6 Prozent günstiger als im Mai, während Diesel um fast 9 Prozent fiel. Die ADAC-Daten spiegeln auch die teilweise Weitergabe des staatlichen Tankrabatts wider.
Der auslaufende Tankrabatt
Im Mai hatte Berlin eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter eingeführt, um Autofahrer vor dem Ölpreisschock zu schützen. Die Subvention, die heute (30. Juni) ausläuft, hat nach Schätzung der Bundesbank etwa einen viertel Prozentpunkt von der Gesamtinflation abgezogen. Mit ihrem Wegfall rechnen die meisten Analysten mit einem Anstieg der Juli-Rate.
Die Inflation ist im Juni vor allem wegen des niedrigeren Ölpreises gefallen. Im Juli dürfte sie wieder steigen, wenn der Tankrabatt wegfällt.
Die Lebensmittelpreise stiegen im Jahresvergleich um 0,4 Prozent, unverändert zum Mai. Die Dienstleistungsinflation blieb bei 3,1 Prozent, während die Kernrate – ohne Nahrungsmittel und Energie – bei 2,5 Prozent verharrte.
- Energie
- 3.4 %
- Nahrungsmittel
- 0.4 %
- Dienstleistungen
- 3.1 %
- Kernrate (ohne Nahrung/Energie)
- 2.5 %
Regionales und Komponentenbild
Regionale Daten zeigen Unterschiede innerhalb des Landes. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verzeichneten mit 2,1 Prozent die niedrigsten Juni-Raten, während Berlin bei 2,2 Prozent lag. Bayern lag mit 2,5 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt. Die Importpreise stiegen jedoch so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr, und Ökonomen warnen, dass Unternehmen höhere Energie- und Transportkosten zeitverzögert weitergeben könnten, was den Druck auf Lebensmittel und Dienstleistungen aufrechterhält.
Ausblick und EZB-Politik
Die nachlassende Inflation verschafft der Europäischen Zentralbank etwas Luft. Sie hatte ihren Leitzins im Juni erstmals seit fast drei Jahren von 2,0 auf 2,25 Prozent angehoben, um dem Ölpreisschock entgegenzuwirken. Da die Kerninflation immer noch über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt und der Tankrabatt ausläuft, haben die Währungshüter weitere Zinserhöhungen angedeutet. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel verwies kürzlich auf eine weitere Straffung.
Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Inflationswelle scheint abzuklingen. Dies könnte es der EZB erlauben, im Juli auf eine weitere Zinserhöhung zu verzichten.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erwartet für das Gesamtjahr 2026 eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent, nach 2,2 Prozent im Jahr 2025, da die indirekten Auswirkungen des Krieges weiterhin auf Verbraucherstimmung und Ausgaben lasten.
- USA und Israel beginnen Krieg gegen den Iran; Brent-Rohöl steigt auf über 110 Dollar pro Barrel
- Deutsche Inflation erreicht mit 2,9 % den höchsten Stand seit Januar 2024
- Regierung führt vorübergehenden Tankrabatt von rund 17 Cent pro Liter ein
- EZB erhöht Leitzins auf 2,25 %, erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren
- Tankrabatt läuft aus; Destatis schätzt Juni-Inflation auf 2,3 %

