Deutsche Inflation fällt im Juni auf 2,3 %, weit unter den Prognosen, da Ölpreise nachgeben und Tankrabatt ausläuft
Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im Juni laut am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Daten nur um 2,3 % im Jahresvergleich, nach 2,6 % im Mai und enttäuschten damit Ökonomen, die keine Veränderung erwartet hatten. Fallende globale Ölpreise und eine vorübergehende Senkung der Kraftstoffsteuer drückten die Gesamtinflation nach unten, während die Kerninflation weiterhin hartnäckig bleibt.
Überraschender Rückgang übertrifft Prognosen
Die jährliche Inflationsrate in Deutschland fiel im Juni auf 2,3 %, wie das Statistische Bundesamt in seiner Schnellschätzung am Dienstag mitteilte. Von Nachrichtenagenturen befragte Ökonomen hatten mit einer stabilen Rate von 2,6 % gerechnet. Im Monatsvergleich sanken die Preise um 0,3 %.
Der Rückgang wurde überwiegend durch die Energiekosten verursacht. Die Energiepreise stiegen im Jahresvergleich um 3,4 %, eine deutliche Verlangsamung gegenüber 6,6 % im Mai und rund 10 % im April, als der Iran-Krieg die Ölpreise in die Höhe getrieben hatte. Die Nahrungsmittelinflation blieb bei 0,4 %, während die Dienstleistungspreise um 3,1 % stiegen, beide unverändert zum Mai.
Der unerwartet deutliche Rückgang der Inflation ist eine gute Nachricht für die Verbraucher.
Der Tankrabatt-Effekt
Die Bundesregierung führte am 29. Mai einen Tankrabatt ein, der die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter senkte. Die Maßnahme, die heute ausläuft, drückte die Gesamtteuerungsrate laut einer von Handelsblatt zitierten Schätzung der Bundesbank um etwa einen Viertelprozentpunkt. ADAC-Daten zeigten, dass Super E10 in den ersten 29 Tagen des Juni im Durchschnitt fast 6 % günstiger war als im Mai, während die Dieselpreise um fast 9 % fielen.
Eine Ifo-Analyse deutete darauf hin, dass nicht die gesamte Dieselsteuersenkung an die Verbraucher weitergegeben wurde, was bedeutet, dass die Disinflation auch den zugrunde liegenden Rückgang der Rohölpreise widerspiegelt. Das Auslaufen des Tankrabatts wird voraussichtlich die Rate im Juli wieder nach oben treiben.
Die Inflation ist im Juni vor allem wegen des niedrigeren Ölpreises gefallen. Im Juli dürfte sie jedoch wieder steigen, weil der Tankrabatt dann wegfällt.
Kerninflation bleibt stabil
Ohne Nahrungsmittel und Energie lag die Kerninflation im Juni bei 2,5 %, unverändert zum Mai. Die anhaltende Dienstleistungsinflation von 3,1 % und ein Anstieg der Nahrungsmittelkosten um 0,4 % zeigen, dass der zugrunde liegende Preisdruck nicht wesentlich nachgelassen hat. Die Importpreise stiegen im Mai so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr, was das Risiko erhöht, dass Unternehmen die höheren Inputkosten schließlich an die Verbraucherpreise weitergeben.
Ökonomen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (der "Wirtschaftsweisen") erwarten weiterhin, dass die durchschnittliche Inflationsrate im Gesamtjahr 2026 auf 3,0 % steigt, nach 2,2 % im Jahr 2025. Der Iran-Krieg verunsichert weiterhin die Konsumausgaben der privaten Haushalte, eine wichtige Säule der Wirtschaft.
Die Energiepreise fallen, und plötzlich sieht die Welt wieder besser aus. Das stützt die Aussicht, dass die Inflationsrate ihren Höhepunkt hinter sich gelassen hat. Voraussetzung ist jedoch, dass der Nahostkonflikt nicht wieder aufflammt.
EZB auf einem schmalen Grat
Die Europäische Zentralbank reagierte auf den iranbedingten Ölschock, indem sie im Juni zum ersten Mal seit fast drei Jahren ihre Leitzinsen anhob. EZB-Direktorin Isabel Schnabel signalisierte kürzlich, dass weitere Erhöhungen auf dem Tisch liegen. Die Zentralbank erwartet nicht, vor 2028 zu ihrem Inflationsziel von 2 % zurückzukehren.
[Die EZB erwartet] ihr Preisziel von 2 % erst im Jahr 2028, und weitere Zinserhöhungen stehen in Aussicht.
Der Rückgang im Juni verschafft der EZB etwas Luft, aber Ökonomen warnen, dass Zweitrundeneffekte früherer Energiepreisspitzen noch durch das System wirken. Die Ökonomen der Commerzbank und der ABN Amro warnten beide, dass eine Rückkehr zu 2,0 % vor 2027 unwahrscheinlich ist.
- April 2026
- 2.9 %
- Mai 2026
- 2.6 %
- Juni 2026
- 2.3 %
- April 2026
- 10 %
- Mai 2026
- 6.6 %
- Juni 2026
- 3.4 %


