
Verdi ruft zu 48-stündigen Warnstreiks in deutschen Seehäfen auf
Die Gewerkschaft Verdi hat zu 48-stündigen Warnstreiks in deutschen Nordseehäfen aufgerufen, nachdem die Beschäftigten ein Lohnangebot der Arbeitgeber von 5,1 Prozent abgelehnt haben.
Koordinierte Ausstände an Nordsee-Terminals
Die Gewerkschaft Verdi hat zu einer zweiten Welle von Warnstreiks in deutschen Seehäfen aufgerufen und koordinierte Arbeitsniederlegungen von Mittwochabend bis Freitagabend angekündigt. Der Arbeitskampf betrifft die maritimen Frachtzentren in Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Brake, Bremen und Emden. Im Hamburger Hafen beginnt der 48-stündige Ausstand mit der Spätschicht am Mittwoch und betrifft Beschäftigte in mehr als einem Dutzend Unternehmen. Zu den betroffenen Schlüsselstandorten gehören die Containerterminals Altenwerder, Burchardkai und Tollerort der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) sowie das Eurogate-Containerterminal und die Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft. In Bremerhaven und Wilhelmshaven sowie an den J. Müller-Standorten in Brake und Bremen legen die Beschäftigten ebenfalls ab der Spätschicht am Mittwoch die Arbeit nieder. Der Betrieb bei BLG-Cargo in Bremen und der EVAG in Emden soll am Donnerstagmorgen eingestellt werden.
- Hafenarbeiter halten 24-stündigen Warnstreik in deutschen Nordseehäfen ab
- Verdi ruft zu zweitem Warnstreik ab Mittwoch-Spätschicht auf
- Streikaktionen weiten sich auf Frachtstandorte in Bremen und Emden aus
- Arbeiter halten Hafenkundgebungen in Hamburg und Bremerhaven ab, bevor der Streik endet
Unterschiedliche Lohnforderungen und Arbeitgebervorschläge
Die erneute Streikwelle resultiert aus einer ungelösten Tarifrunde zwischen Verdi und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). In der dritten Verhandlungsrunde legten die Arbeitgeber ein Angebot vor, das eine rückwirkend zum 1. August 2026 wirksame Lohnerhöhung von 5,1 Prozent bei einer Laufzeit von 18 Monaten vorsieht. Der Vorschlag des ZDS beinhaltete zudem eine garantierte Mindestlohnerhöhung von 1,20 Euro pro Stunde. Verdi lehnte diese Bedingungen als unzureichend ab und besteht auf einer Lohnerhöhung von 8,2 Prozent bei einer kürzeren Laufzeit von 12 Monaten, verbunden mit einer Mindestlohnerhöhung von 2,50 Euro pro Stunde. In einer einwöchigen, von der Gewerkschaft organisierten Befragung stimmten mehr als 6.000 Beschäftigte mit großer Mehrheit gegen das Arbeitgeberangebot.
Dieses Angebot reicht nicht aus. Die Arbeitgeber können das nicht einfach ignorieren.
- Forderung Verdi
- 8.2 %
- Angebot ZDS
- 5.1 %
Stockende Gespräche und geplante Demonstrationen
Dieser Ausstand folgt auf einen 24-stündigen Warnstreik am 18. August 2026, an dem tausende Beschäftigte beteiligt waren und der den Frachtumschlag in den Nordseehäfen bereits verlangsamt oder zum Erliegen gebracht hatte. Die Arbeitgeber argumentieren, dass die Erfüllung der gewerkschaftlichen Forderungen die Terminalbetreiber übermäßig belasten würde. Torben Seebold, Vorstandsmitglied der HHLA und Chefverhandler der Arbeitgeber, erklärte, der Verband habe die Grenze seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erreicht, und warnte davor, dass eine Überschreitung dieser Grenze die Hafenbetriebe und die heimische Beschäftigung im Seeverkehr dauerhaft gefährden würde. Die Gewerkschaftsführung konterte mit dem Hinweis auf fehlende Kommunikation über anstehende Verhandlungsrunden.
Wir warten immer noch auf einen neuen Verhandlungstermin. Wer nicht an den Verhandlungstisch kommen will, muss den Druck der Straße spüren. Deshalb legen wir jetzt die Arbeit nieder.
Begleitend zu den Produktionsstillständen haben die Hafenarbeiter für den letzten Streiktag am Freitag Demonstrationen organisiert. In Hamburg sollen sich die protestierenden Beschäftigten um 9:00 Uhr auf dem Parkplatz des Containerterminals Burchardkai versammeln und anschließend durch das Hafengebiet marschieren. In Bremerhaven sind die Beschäftigten zu einer Mittags-Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen. Die Warnstreiks in Bremen, Niedersachsen und Hamburg sollen am Freitagabend enden.


