
Deutsche Bevölkerung soll bis 2045 auf 81,8 Millionen sinken – regionale Unterschiede wachsen
Eine Studie des Berlin-Instituts und der Wüstenrot Stiftung zu allen 400 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands prognostiziert Bevölkerungsverluste in zwei Dritteln der Regionen. Ostdeutsche Kreise müssen mit starken Rückgängen rechnen, während bayerische Kommunen bei der Zukunftsfähigkeit führen.
Demografische Schrumpfung in deutschen Landkreisen
Die fünfte Ausgabe der Studie „Demografischer Zustand der Nation“, herausgegeben vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot Stiftung, prognostiziert eine schrumpfende deutsche Bevölkerung bis 2045. Aufzeichnungen des Statistischen Bundesamtes weisen für 2026 eine Bevölkerung von rund 83,3 Millionen aus; die Studie erwartet einen Rückgang auf 81,8 Millionen bis 2045. Eine weitere, in der Untersuchung zitierte Schätzung geht für denselben Zeitraum von einem Rückgang von 83,6 Millionen auf 81,1 Millionen aus. Die Analyse bewertete alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte anhand von 26 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaftskraft, Bildung, Bevölkerungsstruktur und soziale Lage. Adrian Carrasco Heiermann vom Berlin-Institut erläuterte, dass der Index Kennzahlen wie Lebenserwartung, verfügbares Haushaltseinkommen pro Kopf, Schulabbrecherquoten bei Jugendlichen und Geschlechterverteilung bei Elterngeldanträgen erfasst. Frederick Sixtus vom Berlin-Institut wies darauf hin, dass in fast allen Kreisen mehr Menschen sterben als geboren werden, sodass regionale Bevölkerungsveränderungen vor allem von Wanderungsbewegungen abhängen.
Auseinanderdriften von Ballungszentren und schrumpfenden Regionen
Bevölkerungsverluste werden für rund zwei Drittel der 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands prognostiziert. Zu dieser Gruppe gehören etwa 184 bis 200 Kreise, die in den Vorjahren noch Bevölkerungszuwächse verzeichnet hatten. Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts, betonte, die Regionalpolitik müsse sich auf unterschiedliche demografische Entwicklungen einstellen.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Deutschland wächst oder schrumpft, sondern wo.
Ein deutliches Wachstum wird für Ballungszentren wie Berlin, Leipzig, Hamburg, Frankfurt am Main, München, Nürnberg, Düsseldorf, Potsdam und Dresden prognostiziert. Auch die umliegenden Umlandkreise dürften Einwohner hinzugewinnen, da Familien mit Kindern ins Umland ziehen, während jüngere Menschen in die urbanen Kerne wandern. Westdeutsche Städte wie Essen, Dortmund und Stuttgart müssen dagegen mit sinkenden Einwohnerzahlen rechnen. Schwächere Indexwerte wurden auch in großen Städten wie Bremen, Duisburg, Lübeck, Salzgitter und Kaiserslautern verzeichnet, die alle unter den letzten 100 landeten.
Wachsende Unterschiede in Ostdeutschland und bayerische Konzentration
Die Unterschiede zwischen starken und schwachen Regionen haben zugenommen, besonders in Ostdeutschland. Zwölf der 20 am schlechtesten platzierten Kreise im Gesamtindex liegen in ostdeutschen Ländern, 2019 waren es fünf. Auf ostdeutsche Kreise entfallen 44 der 100 am niedrigsten bewerteten Regionen bundesweit, wobei Gebiete wie Mansfeld-Südharz nahe am unteren Ende rangieren. In thüringischen Städten wie Suhl und Sonneberg zeigen die Prognosen Bevölkerungsrückgänge von bis zu 30 %. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem westdeutschen Saarland soll bis 2045 um 12 % bis 18 % sinken. Bayern hat dagegen seine Spitzenposition in den Rankings gefestigt und stellt 18 der 20 am besten bewerteten Kreise bundesweit, 2019 waren es 12.
- 2019
- 5 Kreise
- 2026
- 12 Kreise
- 2019
- 12 Kreise
- 2026
- 18 Kreise
Druck auf öffentliche Dienste und Infrastruktur
Die prognostizierten demografischen Veränderungen stellen die Kommunalverwaltungen vor logistische Herausforderungen, müssen sie doch öffentliche Dienste mit einer kleineren erwerbsfähigen Bevölkerung organisieren. Während ältere Einwohner in den Ruhestand gehen, treten weniger junge Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt ein, um zu den Sozialsystemen beizutragen und die kommunale Versorgung sicherzustellen. Manuel Slupina von der Wüstenrot Stiftung erklärte, die Politik könne die Entvölkerung in vielen Regionen zwar nicht aufhalten, die öffentliche Verwaltung müsse den Übergang aber aktiv gestalten.
Sie kann und muss diesen Prozess jedoch steuern.
Die Autoren der Studie warnten, dass schrumpfende Bevölkerungen die lokale Infrastruktur und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu erodieren drohten. Um dem entgegenzuwirken, empfehlen die Autoren, die Grundversorgung durch gezielte Lösungen wie den Ausbau der Telemedizin und von Bürgerbussen in kommunaler Trägerschaft anzupassen.


