
Schweizer Polizei: Verdächtiger bei tödlicher Schießerei auf Rave in Aarau handelte allein ohne ideologisches Motiv
Die Schweizer Behörden berichteten, dass ein 43-jähriger Schütze etwa 40 Schüsse in eine Menschenmenge auf einem Musikfestival in Aarau abfeuerte, die 22-jährige Italienerin Maria Spinelli tötete und sich dann im Kanton Jura ergab.
Der Angriff in Aarau
In den frühen Morgenstunden des Sonntags griff ein bewaffneter Täter ein Open-Air-Techno-Musikfestival an, das von Urban Agency Events in der Nähe der Pferderennbahn Schachen an der Schachenstrasse in Aarau organisiert wurde. Der Schütze kam mit einem Fahrzeug in der Nähe eines Campingplatzes an und näherte sich dem Festivalgelände zu Fuß. Er feuerte etwa 40 Schüsse aus einem Sturmgewehr wahllos in die Menge. Maria Spinelli, eine 22-jährige Italienerin aus Città Sant'Angelo in den Abruzzen, starb, nachdem eine einzelne Kugel lebenswichtige Organe in ihrem Oberkörper getroffen hatte. Fünf bis sechs weitere Besucher erlitten Verletzungen, zwei von ihnen blieben im Krankenhaus. Als er sich zum Parkplatz zurückzog, feuerte der Angreifer mit einer Pistole auf ein Auto, dessen Insassen jedoch unverletzt entkamen.
Festnahme und Ermittlungen
Der Verdächtige, ein 43-jähriger Schweizer Bürger mit Wohnsitz in Delémont im Kanton Jura, floh vom Tatort in seinem Fahrzeug und stellte sich am Montag, 24 Stunden nach der Schießerei, der Kantonspolizei. Die Ermittler beschlagnahmten drei legal registrierte Schusswaffen aus dem Kofferraum seines Autos, darunter ein Sturmgewehr und Pistolen; ballistische Tests ergaben eine Übereinstimmung mit den sichergestellten Patronenhülsen. Der Kommandant der Kantonspolizei, Michael Leupold, bestätigte, dass der Verdächtige ohne Komplizen handelte.
Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit können wir sagen, dass der von uns festgenommene Mann die Person ist, die auf die Rave-Besucher geschossen hat.
Der leitende Staatsanwalt Christoph Ruedi erklärte, der Verdächtige habe die Schießerei während der ersten Vernehmung gestanden und langjährige psychische Probleme erwähnt, bevor er sein Aussageverweigerungsrecht in Anspruch nahm. Die Ermittler berichteten, sie hätten in seiner Wohnung keine extremistische, politische oder religiöse Literatur gefunden, und stuften den Vorfall als einen Akt unkontrollierter Gewalt ein.
- Verdächtiger beendet seinen Schweizer Militärdienst als Koch und gibt seine Dienstwaffe ab
- Schütze feuert etwa 40 Schüsse in die Festivalmenge und schießt auf ein Fahrzeug
- Verdächtiger stellt sich der Kantonspolizei in Delémont mit Schusswaffen im Kofferraum
- Behörden des Kantons Aargau halten Pressekonferenz ab und Staatsanwalt gibt Leiche des Opfers zur Bestattung frei
Waffenbesitz und militärischer Hintergrund
Der Verdächtige hatte zuvor als Koch in der Schweizer Armee gedient, bevor er 2013 seinen Dienst beendete und seine Dienstwaffe abgab. Die Kantonsbehörden stellten fest, dass die in seinem Fahrzeug sichergestellten Schusswaffen vor 20 Jahren unter Genehmigungen der Behörden des Kantons Jura privat erworben worden waren. Obwohl die Schweiz 2019 ihr Waffengesetz änderte und zweijährliche Hintergrundüberprüfungen sowie individuelle Waffenlimits einführte, hatte der Verdächtige seine Waffen noch nach dem vorherigen Regulierungssystem erworben und registriert.
Reaktion der Familie und Rückführung
Die Familie des Opfers forderte eine gründliche Untersuchung der regulatorischen Umstände, die es einer Person mit psychischen Problemen ermöglichten, registrierte Schusswaffen zu besitzen. Bruno Gallo, ein Anwalt, der die väterliche Familie von Spinelli vertritt, betonte die Notwendigkeit vollständiger institutioneller Klarheit hinsichtlich der präventiven Aufsicht.
Maria wurde mit nur 22 Jahren getötet und die Umstände der Tat sind noch nicht vollständig geklärt. Die bisher bekannt gewordenen Informationen lassen die Rekonstruktion des Sachverhalts nicht als abgeschlossen erscheinen.
Am 2. September 2026 gab die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Spinellis Leiche offiziell an ihre Familie zur Bestattung frei. Die Anwältin Antonella Crudeli, die die mütterliche Familie vertritt, bestätigte, dass konsularische und diplomatische Schritte zur Rückführung ihrer sterblichen Überreste nach Italien im Gange sind.

