
Malta-Geschworenengericht spricht Geschäftsmann Yorgen Fenech vom Mord an Journalistin Daphne Caruana Galizia 2017 frei
Ein Geschworenengericht in Valletta sprach den maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech am Mittwoch der Beihilfe zum Mord und der kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit dem Autobombenattentat auf Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017 frei.
Geschworene sprechen Freispruch in beiden Anklagepunkten
Eine neunköpfige Geschworenenjury in Valletta sprach den maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech am Mittwoch von allen Anklagepunkten im Zusammenhang mit der Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017 frei. Fenech (44) stand wegen Beihilfe zum vorsätzlichen Mord und krimineller Vereinigung mit der Absicht, eine Straftat zu begehen, vor Gericht. Die Jury, bestehend aus sechs Frauen und drei Männern, schloss den zweimonatigen Prozess mit einer Abstimmung von 8 zu 1 ab, um beide Anklagepunkte abzuweisen. Hätten die Geschworenen ihn für schuldig befunden, hätte Fenech eine lebenslange Haftstrafe drohen können.
- Nicht schuldig
- 8 Stimmen
- Schuldig
- 1 Stimmen
Der Bombenanschlag von 2017 und der Fall der Anklage
Caruana Galizia starb im Alter von 53 Jahren im Oktober 2017, als ein Sprengsatz in ihrem Auto explodierte, was zu breiten öffentlichen Protesten im kleinsten Mitgliedstaat der Europäischen Union führte. Ihre investigativen Recherchen konzentrierten sich auf Korruption und untersuchten prominente inländische politische Persönlichkeiten sowie Fenechs Geschäftsunternehmen. Staatsanwälte erhoben 2021 formell Anklage gegen Fenech und legten Behauptungen vor, dass er die Ermordung geplant und finanziert habe. Die Staatsanwälte erklärten, Fenech habe 150.000 Euro über einen Mittelsmann, Melvin Theuma, für die Durchführung des Mordes bezahlt. Fenech, ein einflussreicher Immobilienentwickler, dessen Familie zwei Hilton-Hotels und Anteile an einem einheimischen Kraftwerk besitzt, beteuerte während des gesamten Verfahrens seine Unschuld und plädierte auf nicht schuldig.
- Daphne Caruana Galizia wird bei einer Autobombenexplosion in Malta getötet
- Yorgen Fenech wird wegen Beihilfe und krimineller Verschwörung angeklagt
- Eine neunköpfige Geschworenenjury spricht Fenech nach einem zweimonatigen Prozess in beiden Anklagepunkten frei
Aussagen zu politischen Verbindungen und durchgestochene Geheimdienstinformationen
Der zweimonatige Prozess in Valletta offenbarte umfangreiche Verbindungen zwischen Fenech und hochrangigen Regierungsvertretern sowie Behauptungen über Eingriffe in die polizeilichen Ermittlungen. Zeugenaussagen und Aussagen des Angeklagten deuteten darauf hin, dass vertrauliche polizeiliche Ermittlungsdetails wiederholt durch den Stabschef des Premierministers an Fenech weitergegeben wurden. In seinem Schlussplädoyer vor der Jury argumentierte Staatsanwalt Anthony Vella, dass Fenech glaubte, sein Reichtum verleihe ihm völlige Straffreiheit und er könne sich Gerechtigkeit erkaufen.
Sie werden gebeten zu entscheiden, ob ein Mann, der umfangreiche Kontakte in der Politik und zu den Leitern öffentlicher Einrichtungen hatte, genug Macht hatte, um zu bezahlen, dass Daphne getötet wird.
Die Verteidigung argumentierte, dass die strafrechtliche Verantwortung weiter in die politischen Ränge hineinreichte. Die anfänglichen Folgen des Mordes von 2017 hatten bereits Premierminister Joseph Muscat zum Rücktritt gezwungen, zusammen mit zwei Ministern und seinem Stabschef.
Reaktion der Familie und erwartete Berufung der Staatsanwaltschaft
Nach der Verkündung des Urteils veröffentlichte die Familie von Caruana Galizia eine Erklärung, in der sie ihr Entsetzen über den Ausgang zum Ausdruck brachte und erklärte, dass der Tag der verstorbenen Reporterin gehört hätte. Die Familie erklärte, der Freispruch verweigere ihr die Gerechtigkeit, die sie verdiene, und betonte, dass institutionelle Versäumnisse fast neun Jahre nach dem Autobombenanschlag weiterhin ungelöst blieben.
Neun Jahre nach dem brutalen Mord an Daphne sind die institutionellen Mängel, die ihren Tod ermöglichten, immer noch nicht behoben. Unser Land hat Daphnes Leben nicht geschützt. Es hat die Pflicht, weitere Todesfälle zu verhindern.
Das Urteil stellt einen Rückschlag für Aktivisten und europäische Politiker dar, die den Prozess als zentrale Maßnahme zur Verteidigung der Pressefreiheit auf dem Kontinent betrachteten. Rechtskreise deuten darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft voraussichtlich Berufung gegen den Freispruch der Geschworenen einlegen wird.


