Einblick in die Mainzer Rechtsmedizin: Das einzige Obduktionsinstitut des Landes, vom Weitefelder Mörder bis zum Fall Luise
Das Institut für Rechtsmedizin in Mainz, das einzige in Rheinland-Pfalz, bearbeitet alles von Verkehrsopfern bis hin zu aufsehenerregenden Mordfällen. Seine Direktorin beschreibt einen Beruf, der Handwerk mit Detektivarbeit verbindet.
Das einzige Institut in Rheinland-Pfalz
Das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art im Bundesland. Die rund zehn Ärzte führen Obduktionen durch, erstellen Gutachten und bearbeiten alle rechtsrelevanten Todesfälle, von Verkehrsunfällen über Ertrinkungen bis hin zu ungeklärten Todesfällen. Direktorin Tanja Germerott, die das Institut seit 2017 leitet, beschreibt die Arbeit als abwechslungsreich: mal Handarbeit, mal ein Puzzle. „Ich weiß nie, was der Tag bringt“, sagt sie.
Ich weiß nie, was der Tag bringt.
Das Institut befindet sich in einem Gebäude im Stadtteil Oberstadt und beherbergt drei Obduktionstische. Zwei stehen nebeneinander in einem Raum, ein dritter ist in einem benachbarten Raum isoliert – eine Anordnung, die sich während der Coronavirus-Pandemie als nützlich erwies und für Infektionsfälle wie Tuberkulose oder Meningitis weiterhin wichtig ist.
Bekannte Fälle
Mehrere prominente Obduktionen wurden hier durchgeführt. Im Jahr 2025 wurde die Leiche des 61-jährigen Dreifachmörders von Weitefeld untersucht und identifiziert, nachdem er vier Monate lang spurlos verschwunden war. Der Mann hatte im April angeblich ein Ehepaar und dessen 16-jährigen Sohn getötet. Ein Zeuge fand seine Leiche später auf einem Feld nahe eines kleinen Baches. Germerott erinnert sich, dass der Fall technisch nicht außergewöhnlich war, aber die mediale Aufmerksamkeit ihn hervorhob.
Ein weiterer Fall, der bundesweit Entsetzen auslöste, war die Obduktion der zwölfjährigen Luise aus Freudenberg im Siegerland. Zwei Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren gestanden die Tötung. Das Institut spielte auch eine Rolle bei der Identifizierung der Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, einer Katastrophe, die viele Zahnarztpraxen zerstörte und den Abgleich von Zahnunterlagen erschwerte.
Werkzeuge und Techniken
Neben den Edelstahltischen liegt eine Reihe von Instrumenten: Messer, Skalpelle, Rippenscheren, eine Säge zum Öffnen von Schädeln, ein Hammer und Metallkeile zum Spalten kräftiger Knochen. Die Mitarbeiter arbeiten in Schutzkleidung, Plastikschürzen, schnittfesten Handschuhen und Gesichtsmasken. Je nach Komplexität kann die „reine Tischzeit“ zwischen eineinhalb und sieben oder acht Stunden betragen, erklärt Germerott.
Wir sehen schon heftige Sachen. Man muss das aushalten können und darf nicht zu empfindlich sein gegenüber Gerüchen, vor allem im Sommer.
Die Identifizierung stützt sich auf individuelle Merkmale wie Tätowierungen, Narben und chirurgische Implantate, deren Seriennummern zurückverfolgt werden können. Auch Fingerabdrücke, Zähne und DNA werden verwendet, ebenso wie die hochgradig individuellen Nasennebenhöhlen. Alle diese Methoden erfordern Vergleichsmaterial, etwa frühere Röntgen- oder CT-Aufnahmen, die bei der Flut oft verloren gingen.
Die menschliche Seite
Germerott findet Fälle besonders traurig, bei denen Leichen längere Zeit unbemerkt in Wohnungen gelegen haben. „Dahinter steckt, dass diese Menschen offenbar von niemandem vermisst wurden“, sagt sie. Die Arbeit erfordert Belastbarkeit und eine Toleranz gegenüber Verwesungsgerüchen, besonders im Sommer. Das Institut bleibt die zentrale Anlaufstelle für alle rechtsmedizinischen Fragen in Rheinland-Pfalz und verbindet Handwerk mit der intellektuellen Herausforderung, die letzten Momente eines Lebens zu rekonstruieren.

