
CSD in Neustrelitz zieht 1.000 drei Wochen nach Berliner Terroranschlag an
Rund 1.000 Menschen haben am Samstag ohne Zwischenfälle am Christopher Street Day in Neustrelitz teilgenommen – drei Wochen nach einem Fahrzeugangriff beim Berliner CSD, bei dem eine Frau getötet und 31 verletzt wurden.
Berliner Anschlag überschattet CSD-Saison
Am 25. Juli 2026 raste ein Fahrzeug in eine Menschenmenge beim Berliner Christopher Street Day im Tiergarten, tötete eine Frau und verletzte 31 Menschen. Die Ermittler stufen den Vorfall als islamistischen Terroranschlag ein. Der Anschlag veranlasste die Organisatoren nachfolgender CSD-Veranstaltungen in ganz Deutschland, ihre Sicherheitskonzepte zu überarbeiten. In Neustrelitz hatte der Verein Queer-Strelitz bereits aufgrund einer steigenden Zahl queerfeindlicher Vorfälle erhöhte Schutzmaßnahmen geplant und überarbeitete sein Sicherheitskonzept nach dem Berliner Anschlag noch einmal grundlegend, unter anderem durch eine Änderung der Demonstrationsroute.
CSD in Neustrelitz verläuft ohne Zwischenfälle
Rund 1.000 Menschen besuchten am Samstag, den 15. August, den Christopher Street Day in Neustrelitz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Polizei meldete während des rund dreistündigen Marsches durch die Stadt keine Vorfälle. Auf einer Kundgebung auf dem Neustrelitzer Marktplatz wurde den Opfern und Betroffenen des Berliner Anschlags gedacht. Parallel zum CSD fand nach Polizeiangaben eine Gegendemonstration mit 15 Teilnehmern statt. Mehrere Personen aus dieser Gruppe werden nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt, nachdem Teilnehmer angeblich verbotene Gesten gezeigt haben sollen.
- CSD-Teilnehmer
- 1000
- Gegendemonstration
- 15
- Fahrzeug rast in Menschenmenge beim Berliner CSD im Tiergarten; eine Frau getötet, 31 verletzt
- Rund 1.000 besuchen CSD in Neustrelitz; dreistündiger Marsch verläuft ohne Zwischenfälle
- 15-köpfige Gegendemonstration; mehrere Personen im Visier der Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung
Steinmeier appelliert für Selbstbestimmung
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nutzte einen Gastbeitrag für Zeit Online, der vor den CSD-Veranstaltungen in mehreren deutschen Städten am Wochenende veröffentlicht wurde, um zu Selbstbestimmung und Sicherheit für queere Menschen aufzurufen. Er bezeichnete den Berliner Anschlag als „Angriff auf uns alle, auf unsere offene Gesellschaft“ und betonte, dass nach dem Grundgesetz jeder das Recht habe, die eigene Identität selbst zu bestimmen.
In einer offenen Gesellschaft muss es möglich sein, dass jeder seinen eigenen Weg geht, nicht nur ohne Angst, sondern auch mit Stolz; nicht nur in privaten Räumen, sondern auch in der Öffentlichkeit.
Steinmeier sagte, es könne offenbar nicht oft genug gesagt werden, dass nach der deutschen Verfassung und Überzeugung jeder das Recht auf Selbstbestimmung habe, insbesondere dort, wo es um die innersten Bereiche jedes Menschen gehe: den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, Liebe und Partnerschaft, Körperlichkeit und Sexualität.
Drese verteidigt Freiheit und Solidarität
Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) wandte sich an die Menge in Neustrelitz und betonte die Solidarität der Landesregierung mit den Teilnehmern. Sie sagte, der Berliner Anschlag wirke weit über die Hauptstadt hinaus, und wies darauf hin, dass abgerissene Regenbogenfahnen, Angriffe auf queere Einrichtungen und CSD-Veranstaltungen unter starkem Polizeischutz keine Einzelfälle seien. Der Anschlag in Berlin habe auf verstörende Weise gezeigt, dass die Eskalation eine neue Dimension erreichen könne.
Wer heute queere Sichtbarkeit lebt, leider leider nicht mehr überall selbstverständlich sicher.
Drese sagte, sie habe großen Respekt vor denen, die trotz der Sicherheitslage nach Neustrelitz gekommen seien, und nannte den CSD nicht nur einen Tag des Gedenkens und der Demonstration, sondern auch ein Symbol der Freiheit und ein Ausdruck von Entschlossenheit und Solidarität.
Wir geben nicht nach. Wir überlassen Extremisten, Radikalen und Menschen, die unsere freie Gesellschaft zerstören wollen, keinen Raum. Wir lassen uns weder unser freies Leben noch unsere Liebe nehmen.


