Kurz gefasst
- 14.10.Datum von Does Brief an den Fakultätssenat
- 20.10.Die New York Times veröffentlicht den Brief
- 28.10.Der Fakultätssenat tritt vor einer elektronischen Misstrauensabstimmung zusammen
Ein Brief an den Fakultätssenat
Am Dienstag, 20. Oktober 2026, veröffentlichte die New York Times einen zweiseitigen Brief, den Jane Doe, eine pseudonyme ehemalige Studentin der Cornell University, an die Führung der Fakultät geschrieben hat. Der Brief ist auf den 14. Oktober datiert und an den Fakultätssenat gerichtet, der über ein seltenes Misstrauensvotum gegen die Amtsführung von Präsident Michael Kotlikoff berät. Doe sagt, sie habe sich „nicht unterstützt und nicht geglaubt“ gefühlt, nachdem eine Schilderung aus zweiter Hand über eine Äußerung Kotlikoffs an sie gelangt sei. Sie beschreibt ein Treffen im Januar 2025 mit der Vorsitzenden ihrer Sorority Tri Delta, bei dem Kotlikoff Berichten zufolge gefragt habe, warum sie so lange gewartet habe, den Angriff zu melden. Doe meldete den mutmaßlichen Angriff am 8. November 2024 der Campuspolizei, etwa drei Wochen nachdem er sich am 19. und 20. Oktober 2024 ereignet haben soll. In dem Brief erklärte sie ihren Zweck mit diesen Worten.
„Es ist nicht meine Absicht, dem Senat vorzuschreiben, wie er diese Darstellung interpretieren soll, sondern vielmehr Informationen bereitzustellen, die seine Mitglieder möglicherweise berücksichtigen oder weiter untersuchen möchten.“
Cornells Reaktion
Cornell bestreitet diese Darstellung. Ein Sprecher der Universität sagte, die aus zweiter Hand stammende Beschreibung von Kotlikoffs Frage sei falsch, und die Position der Universität stütze sich auf eine dokumentierte Schilderung aus erster Hand. In der Version der Universität richtete sich die Frage an Umstehende, die die anonyme Hinweislinie von Cornell nicht genutzt hätten, obwohl es im Oktober 2024 Social-Media-Aktivitäten zu dem Vorfall gegeben habe. Die Universität bestätigte zudem, den Brief von Does Anwältin erhalten zu haben. Cornell hatte bereits eine interne Untersuchung und eine Bürgerrechtsprüfung nach Titel IX eingeleitet, dem Bundesgesetz, das Geschlechterdiskriminierung an Hochschulen verbietet, die Bundesmittel erhalten. Die Erklärung des Sprechers ging auch direkt auf die Absicht des Präsidenten ein.
„Er stellte Jane Does Meldung nicht infrage.“
Die Klage und der strafrechtliche Stand
Mitte September 2026 reichte Doe eine Klage gegen Cornell und sieben Männer ein mit der Behauptung, sie sei im Oktober 2024 in der Chi-Phi-Bruderschaft in Ithaca, New York, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden. Laut der Klage dauerte der Angriff fast sieben Stunden, und die Klage wirft der Universität Fahrlässigkeit im Umgang mit ihrem Fall vor. Alle sieben Männer bestreiten ein Fehlverhalten, und keiner von ihnen wurde bisher strafrechtlich beschuldigt. Die BBC berichtet, die örtliche Staatsanwaltschaft habe von einer Strafverfolgung abgesehen, als Doe den Vorfall erstmals meldete; der Fall sei inzwischen jedoch wieder aufgenommen worden. Die Bruderschaft existiert nicht mehr, und die Klage hat studentische Proteste und eine erneute Prüfung von Cornells Umgang mit sexuellen Übergriffen auf dem Campus ausgelöst.
Unabhängige Prüfung und Abstimmung der Fakultät
Die frühere stellvertretende US-Justizministerin Sally Yates, heute Partnerin bei King & Spalding LLP, hat eine unabhängige Untersuchung von Cornells Umgang mit Vorwürfen sexueller Übergriffe zugesagt, einschließlich des Falls von 2024 mit der Bruderschaft. Die Fakultät begann in der Woche des 12. Oktober mit der Debatte über die Misstrauensresolution, die angesichts von Does Klage eingebracht wurde. Der Senat tritt am 28. Oktober erneut zusammen, bevor eine elektronische Abstimmung stattfindet. Selbst im Fall einer Annahme würde die Resolution Kotlikoff nicht aus dem Amt entfernen, wäre aber eine förmliche Rüge seiner Amtsführung. Does Brief betonte, er solle den Mitgliedern nicht sagen, wie sie abstimmen sollen, und die Universität bestreitet ihre Darstellung seiner Äußerung.