
Chinas Exportflut trifft deutsche Industrie – Handelsdefizit steigt auf 89,3 Milliarden Euro
Das Handelsdefizit der EU mit China erreichte 2025 365 Milliarden Euro. Deutschland allein verbuchte ein Defizit von 89,3 Milliarden Euro, da die Importe die Exporte mehr als verdoppelten. Der Druck erstreckt sich nun von Autos über Maschinen bis hin zu Batterien.
Wachsendes Handelsdefizit
China überholte 2025 die USA als Deutschlands wichtigsten Handelspartner, doch die Schlagzeile verdeckt ein tiefes Ungleichgewicht. Die deutschen Importe aus China stiegen um 8,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro, während die Exporte nach China um fast ein Zehntel schrumpften. Das Ergebnis war ein bilaterales Handelsdefizit von 89,3 Milliarden Euro. In der gesamten EU erreichte das Defizit mit China im vergangenen Jahr 365 Milliarden Euro. In den letzten zehn Jahren sind die EU-Exporte nach China kaum gestiegen, die Importe haben sich jedoch fast verdoppelt.
Der aktuelle chinesische Fünfjahresplan zielt darauf ab, die industrielle Kapazität von 30 auf 45 Prozent zu steigern – eine Verschiebung, die voraussichtlich einen großen Teil der europäischen Nachfrage zu chinesischen Fabriken lenken wird. SRF berichtet, dass seit 2021 mehr als 400.000 deutsche Arbeitsplätze verloren gegangen sind, da die Nachfrage nach deutschen Waren in China gesunken ist.
Deutsche Autoindustrie unter Beschuss
Jahrelang florierten deutsche Autobauer in China. Diese Ära neigt sich dem Ende zu. Wohlhabende chinesische Käufer geben aufgrund der Immobilienkrise weniger aus, und wenn sie ein Auto kaufen, entscheiden sie sich zunehmend für heimische Elektromodelle. Unterdessen liefern sich hoch subventionierte chinesische Hersteller einen erbitterten Kampf um Marktanteile.
Auf deutschen Straßen ist die chinesische Präsenz noch gering, wächst aber schnell. Chinesische Marken machten 2025 2,3 Prozent der Neuzulassungen aus; im ersten Halbjahr 2026 stieg dieser Anteil auf 3,7 Prozent.
- 2025
- 2.3 %
- 1. Halbjahr 2026
- 3.7 %
Maschinenbau und Batterien: die nächste Front
China hat Deutschland bereits als weltweit führenden Maschinenexporteur überholt. Gestützt auf hohe staatliche Subventionen bieten chinesische Hersteller nun technologisch anspruchsvolle Anlagen zu niedrigen Preisen an. Der VDMA, der deutsche Maschinenbauverband, fordert bessere heimische Rahmenbedingungen (Bürokratieabbau und Steuererleichterungen), eine strengere Marktüberwachung von Importen sowie EU-Antidumpingzölle auf Waren, die gegen faire Handelsregeln verstoßen und aus Drittländern reexportiert werden. Der Verband sieht auch Freihandelsabkommen als Möglichkeit, europäischen Unternehmen den Marktzugang zu sichern.
Batterien entwickeln sich zu einer parallelen strategischen Abhängigkeit. Die europäische und deutsche Politik zielt seit langem auf den Aufbau einer heimischen Batteriezellenproduktion ab, doch China bleibt der dominierende Lieferant.
- Importe aus China
- 170.6 Mrd. EUR
- Exporte nach China
- 81.3 Mrd. EUR
Politischer Kurswechsel in der EU hin zu Protektionismus
Brüssel sieht zunehmend China – nicht die USA – als die größere langfristige Bedrohung. Frankreich plädiert seit Jahren für stärkere Schutzmaßnahmen; nun fordert auch Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Land einst Zurückhaltung bevorzugte, offen mehr Protektion. Der SRF-EU-Korrespondent Andreas Reich stellt fest, dass der politische Druck zu handeln steigt, je weiter sich die wirtschaftlichen Schäden ausbreiten.
Der Druck ist bereits im gesamten deutschen Industriekern spürbar.
Esther Goreichy, Wirtschaftswissenschaftlerin am Berliner Merics-Institut, sagt, der China-Schock 2.0 treffe beide Seiten des traditionellen deutschen Wachstumsmodells: Exporte und heimische Industrieproduktion.


