
Hitzewelle in Frankreich: Lidl-Rabattaktion für Klimageräte löst Schlägereien, Verletzte und Online-Schwarzhandel aus
Am 2. Juli sorgte ein bundesweites Angebot von Lidl über 200.000 Ventilatoren und mobile Klimageräte ab 3,99 Euro in ganz Frankreich für chaotische Szenen, während eine erbarmungslose Hitzewelle die Nachfrage zum Bersten brachte.
Chaos in den Filialen
Lange vor der Öffnung um 8:30 Uhr hatten sich in Discountern von Saint-Germain-en-Laye bis zum 14. Pariser Arrondissement Schlangen von bis zu 400 Menschen gebildet. Als die Türen aufgingen, drängelten, trampelten und schlugen sich die Menschen. In einer Pariser Filiale setzte ein Kunde Pfefferspray ein, das acht Personen traf, darunter ein zwölfjähriges Kind. In Nanterre wurden Türen aufgebrochen. Die Bestände der 200.000 Geräte waren in Minuten vergriffen. Polizei und Feuerwehr wurden zu Filialen in Aubervilliers, Levallois-Perret, Sevran und anderswo gerufen.
Die Leute stürmten in den Laden, wie ich es noch nie gesehen habe. Sie fielen vor mir hin, weinten, rissen aneinander. Es war das reinste Chaos. Eine Frau blutete am Arm. Ein Mann wurde am Boden getrampelt. Ich schämte mich, dort zu sein.
Hitzeopfer und explodierende Nachfrage
Das gewaltsame Gerangel folgte auf die drei heißesten Tage, die jemals in Frankreich gemessen wurden, mit Temperaturen von 44,3 °C im Département Landes und knapp 40 °C in 81 Départements. Die französischen Gesundheitsbehörden meldeten einen Anstieg der Todesfälle um 29,1 % in der Woche des 22. Juni – ein Plus von 2.025 Toten. Die Durchdringung mit Klimaanlagen hat sich seit 2016 verdoppelt und liegt nun bei über 25 % der Haushalte.
- Woche des 22. Juni verzeichnet 29 % Übersterblichkeit als erste zwei Hitzewellen Frankreich treffen
- Lidl kündigt Verkauf von 200.000 Ventilatoren und Klimageräten an; postet Game-of-Thrones-Werbespot auf X
- Chaotische Szenen in Lidl-Filialen in ganz Frankreich; Geräte in Minuten ausverkauft, Polizei gerufen
- Dritte Hitzewelle soll beginnen, Ängste vor weiteren Supermarkt-Vorfällen steigen
Michel-Édouard Leclerc, Präsident der Supermarktkette Leclerc, sagte, seine Geschäfte hätten in drei Wochen 700.000 Ventilatoren verkauft – ein Anstieg um fast 200 %. Von NielsenIQ zitierte Zahlen von Le Monde zeigten, dass in einer einzigen Woche 680.000 Ventilatoren verkauft wurden – ein Anstieg von 1.500 % im Vergleich zum Vorjahr.
Online-Weiterverkauf und Abzocke
Innerhalb weniger Stunden nach der Lidl-Aktion tauchte dasselbe Klimagerät, das im Laden 179 Euro kostete, auf Leboncoin für 500 bis 700 Euro auf. Mehrere Käufer gaben zu, das Gerät nur gekauft zu haben, um es weiterzuverkaufen.
Ich habe es für mich selbst gekauft, aber als ich in den Nachrichten hörte, wofür es weiterverkauft wurde, habe ich es sofort wieder eingepackt und zum Verkauf angeboten. Ich kann es mir nicht leisten, eine solche Gelegenheit auszulassen. Pech gehabt, mir wird schon warm sein…
Politischer Gegenwind und Verteidigung des Discounters
Der Abgeordnete Antoine Léaument (La France insoumise) warf Lidl vor, „das Chaos für den eigenen Profit zu organisieren“. Der Abgeordnete Karl Olive (Renaissance) kritisierte eine „fehlende klare Information über den tatsächlich pro Filiale verfügbaren Bestand, was schwer zu akzeptieren ist“.
Wir sind die Ersten, die bedauern, was passiert ist. Die Bestellungen für diese Kühlgeräte wurden vor einem Jahr aufgegeben, im vergangenen Juli. Damals konnte niemand vorhersagen, dass wir im Juni eine so frühe Hitzewelle haben und mit dieser Nachfrage konfrontiert werden würden.
Der Handelsdirektor von Lidl stellte fest, dass die Geräte unter 200 anderen Artikeln im Katalog aufgeführt waren. Am Abend vor dem Verkauf hatte die Kette jedoch auf X einen Werbespot im Stil von Game of Thrones veröffentlicht, der einen Kampf um die Geräte vorwegzunehmen schien.
Gesundheit und neue Hitzewarnung
Die Gesundheitsbehörde warnte, dass ab dem 6. Juli eine dritte Hitzewelle erwartet wird, was die Befürchtung einer Wiederholung der Supermarktszenen und weiterer Wucherverkäufe schürt. Viele Kunden berichteten, dass sich die Liefertermine für Online-Bestellungen von Klimageräten auf Januar 2027 verschoben hätten.


