
Andy Burnham schlägt auf Labour-Parteitag staatlich finanzierte Pflege und engere EU-Beziehungen vor
In Liverpool kündigte der britische Premierminister Pläne für öffentliche Versorgungsunternehmen, kommunalen Wohnungsbau und eine Obergrenze für Rentenerhöhungen ab 2030 an, verbunden mit Gesprächen mit Brüssel.
Grundsatzrede in Liverpool
Der britische Premierminister Andy Burnham hat am Dienstag auf dem Jahresparteitag in Liverpool seine erste Grundsatzrede als Vorsitzender der Labour Party gehalten. Vor den Parteidelegierten rief Burnham unter dem Konferenzmotto „Hope again“ zu einem umfassenden Bruch mit der bisherigen Wirtschaftspolitik auf. Burnham übernahm das Amt Ende Juli 2026 nach dem Rücktritt von Keir Starmer und einem Nachwahl-Sieg, der ihn ins Unterhaus zurückbrachte. Während der fast einstündigen Ansprache stockte Burnham unter Tränen, als er auf seine Herkunft und den kürzlichen Tod seines Vaters zu sprechen kam, der zwei Wochen zuvor nach Jahren in der stationären Demenzpflege verstorben war.
Mehr vom Gleichen reicht nicht. Großbritannien ist zu lange auf dem falschen Weg gewesen.
Öffentliche Dienste und nationale Pflegereform
Burnham stellte einen allgemeinen Pflegedienst in den Mittelpunkt seines innenpolitischen Programms und schlug ein aus Steuermitteln finanziertes englisches System nach dem Vorbild des National Health Service vor. Nach geltenden Regeln müssen Pflegebedürftige ihre Unterbringung selbst finanzieren, was Familien häufig in schwere finanzielle Not bringt. Neben der sozialen Pflege versprach der Premierminister das größte kommunale Wohnungsbauprogramm seit der Nachkriegszeit und will den örtlichen Räten Befugnisse einräumen, verfallene Wohnimmobilien zu enteignen und zu sanieren. Burnham kritisierte zudem frühere Privatisierungen im Wasser- und Energiesektor und skizzierte die Absicht, Teile des Stromnetzes und der Wasserversorgungsnetze wieder unter staatliche Aufsicht zu stellen.
Ich akzeptiere, dass ich dafür einen politischen Preis zahlen muss, aber jetzt muss jemand das Pflaster schnell abreißen.
Rentenregeln und fiskalische Disziplin
Der Parteitag offenbarte interne Reibereien über die Zukunft der dreifachen Rentengarantie, einer vor fünfzehn Jahren eingeführten Regelung, die Renten um den höchsten Wert aus Lohnwachstum, Inflation oder 2,5 Prozent erhöht. Burnham kündigte Pläne an, das Rentenwachstum ab 2030 auf die Inflation oder höchstens 2,5 Prozent zu begrenzen und so die langfristigen Sozialausgaben zu dämpfen. Wohnungsbauministerin Angela Rayner verteidigte den Vorschlag und betonte, Burnham tue recht daran, politisches Kapital für eine offene Debatte einzusetzen. Sharon Graham, Generalsekretärin der Gewerkschaft Unite, warnte vor der Änderung und bezeichnete die Streichung der Garantie als Irrsinn. Der Vorschlag folgt einer Rede von Schatzkanzler John Healey am Montag, der vor der förmlichen Vorlage des Haushalts Ende Oktober auf strikte Budgetgrenzen zur Steuerung der Staatsschulden pochte.
- Andy Burnham übernimmt das Amt des Premierministers nach dem Rücktritt von Keir Starmer.
- Schatzkanzler John Healey spricht auf dem Parteitag über fiskalische Disziplin.
- Andy Burnham hält die Grundsatzrede und schlägt Pflege- und Versorgungsreformen vor.
- Die Regierung schafft die Mehrwertsteuer auf Stromlieferungen ab.
- Die Labour-Regierung legt ihren förmlichen Haushaltsplan vor.
- Die vorgeschlagene Begrenzung des Rentenanstiegs auf die Inflation oder 2,5 Prozent tritt in Kraft.
Europäisches Engagement und wirtschaftliche Entlastung
Zur Außenpolitik erklärte Burnham, der Brexit habe der Volkswirtschaft mehr Schaden als Nutzen gebracht. Er kündigte an, bei einem Gipfel mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union später in diesem Jahr über Migrationspolitik und den industriellen Zugang für von Handelsschranken betroffene Branchen zu sprechen. In der Binnenwirtschaft, in der jeder achte junge Erwachsene ohne Beschäftigung oder Ausbildung ist, führte die Regierung sofortige Entlastungsmaßnahmen ein, darunter die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Strom ab Donnerstag und niedrigere Pub-Steuern. Die Änderungen folgen einem Stimmungswandel: Labour eroberte in Umfragen erstmals seit achtzehn Monaten wieder den ersten Platz vor Reform UK und den Konservativen.

