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Kurz gefasst
Die interne Bewertung der Bundeswehr stuft die Gefahr russischer Sabotage gegen ihre Kräfte als „erheblich“ ein – die zweithöchste Stufe ihrer Skala, wie aus Dokumenten hervorgeht, die WDR und Süddeutsche Zeitung vorliegen.
Eine mit Sprengstoff beladene Drohne scheiterte Anfang August bei einem Angriff am Flughafen Leipzig/Halle. Dort wurden im August drei Drohnen gefunden, zwei davon mit Sprengstoff bestückt.
Ein Landwirt fand Mitte September eine Drohne mit Sprengstoff nahe dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf. Eine technische Analyse des BKA deutet darauf hin, dass sie sich seit etwa zwei Jahren in der Gegend befand.
- Anfang August 2026Mit Sprengstoff beladene Drohne scheitert bei Angriff auf den Flughafen Leipzig/Halle, vermutlich auf abgestellte ukrainische Frachtflugzeuge gezielt
- Mitte September 2026Landwirt findet Drohne mit Sprengstoff nahe dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf in Niedersachsen
- Anfang Oktober 2026BND-Präsident Martin Jäger warnt vor einem gewaltsamen Konflikt mit Russland
- 21. Oktober 2026Interne Bewertung der Bundeswehr stuft die russische Sabotagegefahr als „erheblich“ ein
Eine interne Gefahrenbewertung
Die deutschen Streitkräfte stufen die Gefahr russischer Sabotage gegen die eigenen Truppen und Einrichtungen in Deutschland nun als „erheblich“ ein – die zweithöchste Stufe ihrer Bewertungsskala. Nach Dokumenten, die WDR und Süddeutsche Zeitung vorliegen, wird die Gefahr erstmals auf dieser Stufe eingestuft. Das Papier kommt zu dem Schluss, dass Moskau höchstwahrscheinlich beabsichtigt, die politische und gesellschaftliche Unterstützung für die Ukraine in Deutschland zu schwächen. Zudem heißt es darin, die Bundeswehr könne nun selbst direktes Ziel sein und nicht nur indirekt betroffen. Der Vorfall in Leipzig ließe sich noch als indirekte Bedrohung der Streitkräfte bewerten, doch der Fall Wunstorf bedeute sehr wahrscheinlich eine direkte Zielsetzung gegen die Bundeswehr, so das Papier. Die Nachrichtendienste rechnen kurzfristig mit einer Verschlechterung der Lage und mit Aktionen in naher Zukunft.
Drohnenfunde bei Leipzig und Wunstorf
Anfang August scheiterte eine mit Sprengstoff beladene Drohne bei einem Angriff am Flughafen Leipzig/Halle, wobei der Angriff vermutlich auf abgestellte ukrainische Frachtflugzeuge zielte. Im August wurden am Flughafen oder in dessen Nähe drei Drohnen gefunden, zwei davon mit Sprengstoff bestückt. Mitte September stieß ein Landwirt nahe dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf in Niedersachsen eher zufällig auf eine weitere Drohne. Sie ähnelte in ihrer Bauart der Drohne von Leipzig und war ebenfalls mit Sprengstoff beladen, wie berichtet wird. Die technische Analyse des Bundeskriminalamts (BKA) deutet darauf hin, dass die Drohne von Wunstorf seit etwa zwei Jahren in der Nähe des Stützpunkts gelegen hatte. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie für Flugzeuge der Bundeswehr bestimmt war und nicht wie in Leipzig für zivile Frachtmaschinen.
Rote Linie und Warnungen aus Berlin
Das interne Papier, wie es die Süddeutsche Zeitung beschreibt, besagt, dass Russland demnach bereit sei, die deutschen Streitkräfte direkt mit Sabotage anzugreifen. Es argumentiert, der Einsatz von Drohnen als kinetische Waffe durch Russland habe eine rote Linie überschritten, die bislang als erwartbar galt – nämlich die Absicht, mit kinetischer und/oder tödlicher Wirkung Schaden gegen Deutschland und die Bundeswehr zu verursachen. Das Papier beschreibt den Drohneneinsatz als Waffe mit potenziell tödlicher Wirkung. BND-Präsident Martin Jäger hatte bereits Anfang Oktober vor einem gewaltsamen Konflikt mit Russland gewarnt, in dem sich Deutschland befinde. Die Bewertung macht deutlich, dass die Streitkräfte sich nun selbst zu den möglichen Zielen russischer Aktionen auf deutschem Boden zählen.