
Bundestag verabschiedet Infrastruktur-Zukunftsgesetz mit Priorität für Autobahnen und Schiene vor Umweltbelangen
Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetz verabschiedet, das Straßen-, Schienen-, Wasserstraßen- und Flughafenprojekten den Status „überragendes öffentliches Interesse“ verleiht, um Planungszeiten von Jahren auf Monate zu verkürzen. Dies stieß auf scharfe Kritik von Umweltverbänden und Oppositionsparteien.
Was das Gesetz bewirkt
Der Bundestag stimmte am Freitag für das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, ein Kernstück des schwarz-roten Koalitionsplans zur Modernisierung des maroden deutschen Verkehrsnetzes. Das Gesetz erlaubt es, Hunderte von Projekten – darunter Autobahn-Neubauten, Schienenengpässe, Brückenersatzneubauten, Wasserstraßenausbauten und sogar Flughafenerweiterungen – für „überragend öffentliches Interesse und öffentliche Sicherheit“ zu erklären. Diese Einstufung gibt ihnen Vorrang bei behördlichen und gerichtlichen Abwägungsentscheidungen, was es erschwert, dass Umwelt- oder lokale Einwände den Bau verzögern.
Um die Umsetzung weiter zu beschleunigen, werden doppelte Umweltprüfungen gestrichen, vollständig digitale Planungsprozesse vorgeschrieben und eine dreimonatige Frist für Behördenentscheidungen eingeführt, nach deren Ablauf die Anträge als genehmigt gelten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erklärte, die Planungszeiten könnten um Jahre verkürzt werden, was der Koalition helfe, ihren 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Infrastruktur schneller einzusetzen.
Wir senken keinen einzigen Standard, wir machen Umwelt- und Naturschutz nur praktikabler und handhabbarer.
Umwelt- und Oppositionskritik
Die grüne verkehrspolitische Sprecherin Swantje Michaelsen warf der Koalition vor, den Naturschutz unter einem Vorwand zu opfern. Ihrer Ansicht nach sollte die Priorität bei der Schiene liegen, nicht bei Autobahnen oder Flughäfen.
Unter dem Deckmantel der Beschleunigung zerreißen Sie den Naturschutz und die Beteiligungsrechte, um Ihre klimaschädlichen Prestigeprojekte mit weniger Widerstand durchzusetzen.
Der AfD-Politiker Ulrich von Zons warnte davor, dass pauschale „überragende Interessen“-Einstufungen zu Enteignungen ohne echte Interessenabwägung führen könnten. Der Linken-Abgeordnete Jorrit Bosch verwies auf Personallücken in den Planungsbehörden und sagte, dass schnellere Planung mehr Personal erfordere, nicht nur neue Regeln.
Umweltverbände schlossen sich der Kritik an. Der NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger bezeichnete den Naturschutz als eine Säule zukunftsfester Infrastruktur, nicht als Bremse. Der DNR-Geschäftsführer Florian Schöne sprach von einem „Frontalangriff“ auf die Naturschutzregelungen und kritisierte eine Regelung, die es Projektträgern erlaubt, Geldausgleich zu zahlen, anstatt natürliche Gebiete wiederherzustellen.
Unterstützung aus der Wirtschaft
Wirtschaftsverbände begrüßten die Abstimmung. Der BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch sagte, sie sende ein wichtiges Signal für schnellere Planung und Genehmigung, und forderte die Regierung auf, den Beschleunigungskurs beizubehalten, insbesondere bei einem anstehenden Ergänzungsgesetz von Umweltminister Carsten Schneider. Der DIHK bezeichnete die Entscheidung als großen Schritt nach vorn.
Nächste Schritte
Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates, um in Kraft zu treten. Nach viermonatigen Detailverhandlungen hat sich die Koalition zudem darauf verständigt, dass das Kabinett Anfang Juli ein Flächenbedarfsgesetz für den Naturschutz einbringen wird, um einen ökologischen Ausgleich für Infrastrukturprojekte zu schaffen.
- Detaillierte Verhandlungen beginnen im Bundestag und dauern vier Monate.
- Der Bundestag verabschiedet das Infrastruktur-Zukunftsgesetz mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD.
- Das Kabinett soll ein Flächenbedarfsgesetz für den Naturschutz einbringen, um die Umweltauswirkungen auszugleichen.


