
Bulgariens neuer Verteidigungsminister stoppt staatliche Waffenlieferungen an die Ukraine und fordert Verhandlungen
Der neu ernannte bulgarische Verteidigungsminister Dimitar Stojanow gab am 9. Juni 2026 bekannt, dass Sofia keine Waffen mehr aus Armeebeständen an die Ukraine liefern werde, und forderte beide Seiten auf, über ein Ende des Krieges zu verhandeln.
Die Ankündigung
Bulgariens neuer Verteidigungsminister Dimitar Stojanow erklärte am Dienstag, dass das Land die Lieferung von Waffen und Munition aus bulgarischen Armeedepots an die Ukraine einstellen werde. Gegenüber Journalisten in Sofia sagte er, der Krieg sei zu einem Abnutzungskrieg geworden und könne nicht auf dem Schlachtfeld gelöst werden.
Wir haben bereits klar gesagt, dass der Krieg in der Ukraine nicht auf dem Schlachtfeld gelöst wird. Wir erleben einen Abnutzungskrieg. Egal wie viele Waffen angehäuft werden, das einzige Ergebnis ist der Verlust von Menschenleben.
Stojanow fügte hinzu, die Ukraine brauche mehr Menschen, nicht mehr Waffen, und Kiew verfüge bereits über ausreichende Rüstungsgüter. Er forderte beide Seiten auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und einen gerechten Frieden zu suchen, der von den Kriegsparteien selbst definiert werde.
Verkäufe laufen weiter
Am Mittwoch stellte Stojanow gegenüber dem bulgarischen Sender bTV klar, dass die Aussetzung nur für Lieferungen aus Armeebeständen gelte, nicht für kommerzielle Verkäufe. Bulgarische Rüstungsunternehmen dürfen weiterhin Waffen und Munition an die Ukraine verkaufen.
Wir setzen die Lieferung von Waffen und Munition aus bulgarischen Armeedepots aus. Das Schlüsselwort ist Lieferung, nicht Verkauf.
Diese Unterscheidung ist bedeutsam, da Bulgarien einer der größten Produzenten von Munition sowjetischen Kalibers in Europa ist – der Munition, die von den ukrainischen Streitkräften in großem Umfang eingesetzt wird. Seit der groß angelegten Invasion im Februar 2022 ist die Produktion der bulgarischen Rüstungsindustrie um 200 % gestiegen und machte bis 2025 zwischen 2 % und 4 % des BIP des Landes aus.
Die Regierung Radew
Ministerpräsident Rumen Radew, ein ehemaliger Kampfpilot und Ex-Präsident, gewann bei den Parlamentswahlen im April die absolute Mehrheit. Er hat sich seit langem gegen die Bewaffnung der Ukraine ausgesprochen und seit Beginn der Invasion zu diplomatischen Lösungen aufgerufen. Radew hat auch die Wirksamkeit der Sanktionen gegen Moskau kritisiert und argumentiert, dass sie die europäischen Staaten ebenso sehr schädigen wie Russland, und hat sich für praktische Beziehungen zu Moskau auf der Grundlage gegenseitigen Respekts ausgesprochen.
Vor der Wahl kritisierte Radew das zehnjährige bilaterale Sicherheitsabkommen, das die Ukraine und Bulgarien im März 2026 unterzeichnet haben und das die gemeinsame Rüstungsproduktion, den Geheimdienstaustausch und einen Energiekorridor vorsieht, der bis zu 10 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in die Ukraine leiten soll.
Bulgariens Militärhilfe-Geschichte
Bulgarien, ein NATO- und EU-Mitglied am Schwarzen Meer, war ein bedeutender indirekter und direkter Lieferant für die Ukraine. In den Jahren 2022 und 2023 vermied Sofia offizielle Waffenexporte nach Kiew und leitete die Lieferungen stattdessen über europäische Zwischenhändler. Von Ende 2022 bis 2024 billigte das bulgarische Parlament mindestens 13 Militärhilfepakete, deren Wert und Inhalt jedoch nicht veröffentlicht wurden.
In den Jahren 2024 und 2025 schickte Bulgarien Panzerabwehrraketen, gepanzerte Fahrzeuge, Mörser, Flugabwehrgeschütze, Haubitzen und Infanteriewaffen direkt in die Ukraine. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, erklärte im September 2025, dass etwa ein Drittel der von Kiew verwendeten Waffen direkt oder indirekt aus bulgarischer Produktion stammt.
Verteidigungsausgaben und EU-Rolle
Stojanow kündigte außerdem an, dass Bulgarien plane, die Verteidigungsausgaben bis 2030 auf 5 % des BIP zu erhöhen, wobei 3,5 % für direkte Militärausgaben und 1,5 % für verteidigungsbezogene Bereiche wie Infrastruktur und Cybersicherheit vorgesehen sind. Die Verteidigungsausgaben lagen im letzten Jahr bei 2,13 % des BIP und werden für dieses Jahr auf 2,15 % prognostiziert.
Zur möglichen Rolle der EU räumte Stojanow deren Bedeutung ein, äußerte jedoch Zweifel an ihrer Fähigkeit, als Vermittler zu fungieren, da die EU die Kriegsanstrengungen der Ukraine unterstützt habe. Aus Kiew gab es zunächst keine Reaktion auf die bulgarische Ankündigung.
- Russland beginnt die groß angelegte Invasion der Ukraine
- Bulgarien beginnt mit indirekten Waffenexporten in die Ukraine über europäische Zwischenhändler
- Das bulgarische Parlament billigt das erste von 13 Militärhilfepaketen für die Ukraine
- Bulgarien schickt Direktlieferungen: Panzerabwehrraketen, gepanzerte Fahrzeuge, Mörser, Haubitzen
- Ursula von der Leyen erklärt, ein Drittel der ukrainischen Waffen stamme aus bulgarischer Produktion
- Ukraine und Bulgarien unterzeichnen zehnjähriges bilaterales Sicherheitskooperationsabkommen
- Rumen Radew gewinnt die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen
- Verteidigungsminister Stojanow kündigt Stopp der staatlichen Waffenlieferungen an die Ukraine an


