
Obduktion: Buckelwal in der Ostsee starb wahrscheinlich an schwerer bakterieller Infektion
Ein sieben Tonnen schwerer junger Buckelwal, der tot vor Rügen gefunden wurde, litt nach wochenlangem Hungern an vier großen Abszessen und wahrscheinlich an einer Sepsis.
Ein toter männlicher Buckelwal, der treibend auf dem Rücken im Greifswalder Bodden zwischen der Insel Rügen und dem deutschen Festland entdeckt wurde, starb nach vorläufigen Obduktionsergebnissen des Deutschen Meeresmuseums an einer mutmaßlichen bakteriellen Infektion und Sepsis. Das Tier war etwa zehn Meter lang und sieben Tonnen schwer und wurde auf ein Alter von drei bis vier Jahren geschätzt. Beamte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Ostsee bargen den Kadaver am 13. August 2026 und transportierten ihn per Schiff zur Insel Dänholm zur Untersuchung. Pathologen schätzten den Todeszeitpunkt auf den 12. oder 13. August 2026 und stellten keine äußeren Verletzungen durch Schiffspropeller oder Fischereigerät fest.
Abszesse entlang der Wirbelsäule
Die am 15. August 2026 abgeschlossene Untersuchung ergab vier eitergefüllte Abszesse. Der größte Abszess maß 110 Zentimeter in der Länge und 42 Zentimeter in der Breite und erstreckte sich über etwa ein Zehntel der gesamten Körperlänge des Tieres entlang der Wirbelsäule. Ein weiterer Abszess erstreckte sich direkt vom Knochen nach außen durch zwei runde Öffnungen im hinteren Rücken, wodurch nahe gelegene Wirbelfortsätze teilweise porös waren. Die Pathologen fanden zudem einen Abszess am Kugelgelenk der rechten Brustflosse.
Der Wal muss enorme Schmerzen gelitten haben, besonders bei Bewegungen, da sich die meisten Abszesse direkt an der Wirbelsäule befanden.
Anzeichen von Hunger und Hautkrankheit
Interne Untersuchungen zeigten, dass der Wal vor seinem Tod eine längere Hungerperiode durchgemacht hatte. Seine Speckschicht war sechs Zentimeter dick, und sowohl der Magen als auch der Dünndarm waren völlig leer, nur im hinteren Teil des Dickdarms fand sich eine geringe Menge bräunlicher Rückstände. Der Wal wies zwei vergrößerte Lymphknoten im Verdauungstrakt auf, während seine Haut von der Schnauze bis zur Rückenflosse rotbraun verfärbt war und große Teile der oberen Hautschicht fehlten. Wissenschaftler führten diesen Hautzustand auf ein geschwächtes Immunsystem zurück. Abgesehen von einem geringen Parasitenbefall in der Speckschicht nahe dem linken Schulterblatt war der Körper weitgehend parasitenfrei.
Welche Bakterien genau beteiligt waren und ob sich der Verdacht auf eine Sepsis bestätigt, werden bakteriologische und virologische Untersuchungen im Labor zeigen.
Obduktionsbedingungen und frühere Sichtungen
Ein Team von 13 Wissenschaftlern führte die Obduktion am 14. und 15. August 2026 bei direkter Sonneneinstrahlung und Außentemperaturen von bis zu 30 Grad Celsius durch. Rasche Verwesung und Gasbildung, auch in der geschwollenen Zunge des Tieres, verhinderten, dass die Forscher verwertbare Gewebeproben von Gehirn, Lunge und Nieren entnehmen konnten. Museumsfachleute stellten fest, dass die charakteristischen Hautläsionen und die einschränkende Platzierung der Abszesse an Wirbelsäule und Brustflosse mit früheren Sichtungen eines jungen Buckelwals vor der Küste Schleswig-Holsteins, im Hafen von Wismar und entlang der polnischen Küste übereinstimmen.
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