
Französischer Sänger Patrick Bruel unter formeller Untersuchung wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe von 2008 bis 2019
Der 67-jährige Sänger und Schauspieler wurde am Mittwoch nach einer polizeilichen Vernehmung unter richterlicher Aufsicht freigelassen, wobei er einer von der Staatsanwaltschaft beantragten Untersuchungshaft entging.
Die Anklagepunkte
Patrick Bruel, einer der meistverkauften Musiker Frankreichs, wurde am Mittwochabend in Nanterre unter formelle Untersuchung gestellt wegen Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexueller Belästigung. Die Vorwürfe beziehen sich auf Taten, die sich zwischen 2008 und 2019 ereignet haben sollen. Die formelle Untersuchung bedeutet, dass ein Ermittlungsrichter die Vorwürfe nun genauer prüfen wird – ein Schritt, der in den meisten Fällen zu einem Prozess führt.
Der Sänger kooperiert mit den Ermittlungen und steht der Justiz zur Verfügung.
Die Fälle
Bruel sieht sich einer formellen Untersuchung in vier Fällen gegenüber: einer mutmaßlichen Vergewaltigung in Neuilly-sur-Seine im Jahr 2008, einer versuchten Vergewaltigung in Brüssel 2010, sexueller Nötigung und Belästigung in Perpignan 2019 sowie sexueller Belästigung in Ajaccio auf Korsika, ebenfalls 2019. In vier weiteren Fällen hat er den günstigeren Status eines assistierten Zeugen. Dabei handelt es sich um eine mutmaßliche Vergewaltigung in Dinard 2012, eine Vergewaltigung in L'Isle-sur-la-Sorgue 2015, versuchte Vergewaltigungen in Neuilly-sur-Seine 2010 und 2011 sowie sexuelle Belästigung auf dem Paléo Festival in Nyon in der Schweiz 2019. Eine weitere mutmaßliche Vergewaltigung in Grenoble im Jahr 2000 ist verjährt.
Die Anklägerinnen
Rund zwei Dutzend Frauen haben sich mit Vorwürfen sexueller Gewalt gegen den Sänger gemeldet. Französische Medien berichten, dass mindestens 26 Frauen Bruel sexuelle Gewalt oder Belästigung vorgeworfen haben. Zu den Beschwerdeführerinnen gehört die französische Fernsehmoderatorin Flavie Flament, die behauptet, Bruel habe sie 1991, als sie 16 Jahre alt war, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Bruel bestreitet die Anschuldigung und erklärt, die beiden hätten eine kurze Beziehung gehabt.
Ich habe noch nie eine Frau gezwungen. Ich habe nie jemanden unter Drogen gesetzt, manipuliert oder zu unterwerfen versucht.
Richterliche Aufsicht
Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, Bruel in Untersuchungshaft zu nehmen, doch der Richter entließ ihn stattdessen unter richterlicher Aufsicht. Er muss eine Kaution in Höhe von 500.000 € hinterlegen, darf das französische Hoheitsgebiet nicht verlassen, darf die mutmaßlichen Opfer oder deren Familien nicht kontaktieren, darf sich nicht an deren Wohnorten aufhalten und hat ein Verbot, Massagesalons zu besuchen. Außerdem muss er eine psychologische Betreuung nachweisen.
Karriere und Folgen
Der 1959 in Tlemcen, Algerien, als Patrick Benguigui geborene Bruel wurde Anfang der 1980er Jahre mit Hits berühmt, die ein generationelles Phänomen namens „Bruelmania“ auslösten. Laut seinem Label Sony hat er 15 Millionen Alben verkauft und in mehr als 30 Filmen mitgespielt. Seit die ersten Zeugenaussagen im März von Mediapart und dem Magazin Elle veröffentlicht wurden, hat Bruel alle Konzerte bis September abgesagt. Der Fall ereignet sich vor dem Hintergrund einer erhöhten Sensibilität in Frankreich gegenüber der justiziellen Behandlung von Sexualstraftaten, nachdem ein elfjähriges Mädchen ermordet wurde, dessen mutmaßlicher Mörder zuvor bereits wegen Missbrauchs angezeigt worden war.

