
USA und Iran schließen Friedensabkommen nach 108 Tagen Krieg, doch der brüchige Waffenstillstand stößt im Libanon und im Iran auf Misstrauen
Nach 108 Tagen Konflikt verkünden der Iran und die USA einen Waffenstillstand und einen Rahmen für Verhandlungen, doch das Abkommen stößt im Libanon und bei vielen Iranern auf tiefes Misstrauen.
Das Abkommen
Nach 108 Tagen Krieg, der Ende Februar mit der Kriegserklärung der Vereinigten Staaten und Israels an den Iran begann, einigten sich Washington und Teheran in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni auf einen Waffenstillstand. Der von Pakistan und Katar vermittelte Rahmen soll am Freitag in Genf unterzeichnet werden und sieht eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten an allen Fronten vor. Er setzt ein 60-tägiges Zeitfenster für Verhandlungen über die nukleare Zukunft des Iran fest. Donald Trump behauptet, er habe ein iranisches Versprechen gesichert, keine Atomwaffe zu bauen, obwohl eine ähnliche Verpflichtung bereits im Abkommen von 2015 bestand, aus dem er ausgestiegen war. Der Status von 400 Kilogramm hochangereichertem Uran im Besitz des Iran bleibt ungeklärt. Im Gegenzug erklärt Teheran, einen Teil seiner eingefrorenen Auslandsvermögenswerte zurückzuerhalten.
- USA und Israel erklären dem Iran den Krieg
- USA und Iran vereinbaren die Einstellung der Feindseligkeiten
- Vertriebene Libanesen kehren im Rahmen des Waffenstillstands in den Süden zurück
- Friedensabkommen soll in Genf unterzeichnet werden
- 60-Tage-Frist für Verhandlungen über nukleare Zukunft läuft ab
Libanons brüchiger Frieden
Der Waffenstillstand verspricht ein Ende des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon, und vertriebene Bewohner kehrten am 15. Juni massenhaft in den Süden zurück. In Nabatieh fanden Rückkehrer die Straßen in Trümmern vor und Leichen unter den Ruinen. Doch frühere Waffenruhen seit dem 17. April sind schnell zusammengebrochen, was das Vertrauen untergräbt. Der libanesische Präsident Joseph Aoun äußerte die Hoffnung, das Abkommen werde dauerhafte Ruhe bringen:
. Dennoch geben libanesische Beamte an, nicht über das Abkommen informiert worden zu sein. Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte umgehend, seine Streitkräfte würden "auf unbestimmte Zeit in den Sicherheitszonen im Libanon, in Syrien und im Gazastreifen bleiben". Walid Joumblatt, Vorsitzender der Progressiven Sozialistischen Partei, wies den Pakt zurück:wird den Kreislauf der Gewalt endgültig beenden und den Weg für eine Phase der Stabilität, Sicherheit, Erholung und des Wiederaufbaus ebnen
Es gibt in diesem Abkommen keine Garantie für den Libanon. Die Amerikaner werden niemals Druck auf die Israelis ausüben.
Iranische Hoffnungen und Ernüchterung
In Teheran begrüßten einige Bewohner das Ende der Bombardierungen. "Ich habe eine positive Meinung zu diesem Abkommen. Krieg und Bomben waren noch nie für irgendjemanden nützlich", sagte ein Iraner. Ein anderer merkte an: "Im Moment ist unsere Situation sehr schwierig. Mit diesem Abkommen wird die Inflation vielleicht sinken." Doch unter den Befragten überwiegt eine tiefere Skepsis. Viele Iraner sehen in dem Abkommen einen Verrat, der ein brutales Regime festigt. Eine Französin iranischer Herkunft, Chakomeh, sagte: "Für mich ist das kein Frieden, sondern eher ein Verrat", und argumentierte, dass die iranische Regierung gestärkt daraus hervorgehen werde. Andere, die sich an vergangene falsche Anfänge erinnern, erwarten, dass die USA mitten in den Verhandlungen erneut zuschlagen. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichte 14 angebliche Punkte des Abkommens, doch die einfache Bevölkerung kommt in dem Fahrplan kaum vor; erwähnt wird lediglich ein US-Versprechen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen. Der Geopolitologe Thierry Garcin merkte an:
Für viele unterstreicht der Frieden lediglich ihr wirtschaftliches Elend; das Abkommen bietet keine Aufhebung der Sanktionen oder Erleichterungen beim Embargo. "Zu wissen, dass die Vereinigten Staaten und der Iran nur Verhandlungen vortäuschen, um das bestmögliche Geschäft zu machen, während sich niemand um die Bevölkerung schert, erschöpft mich", sagte Reza, ein iranischer Techniker.Es sind die Radikalen innerhalb des Regimes, also die Revolutionsgarden, die in gewisser Weise ihre Macht innerhalb des Regimes festigen. Und es ist offensichtlich, dass es viel schwieriger ist, mit ihnen zu verhandeln als mit einem einigermaßen entgegenkommenden Regime.
Wie geht es weiter?
Das Abkommen muss noch unterzeichnet werden, und zwei Monate voller Verhandlungen liegen vor uns. Wenn die nukleare Frage nicht gelöst wird, könnte der Waffenstillstand scheitern. Im Libanon bleibt die Kluft zwischen der Hoffnung und der militärischen Haltung Israels groß. Und im Iran sieht sich eine Bevölkerung, die lange zwischen Krieg und Unterdrückung gefangen war, kaum einer unmittelbaren Verbesserung gegenüber.


