Diplomatie · London, Brüssel und Madrid
Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum: Reue und politische Krise in Großbritannien, die EU hält Distanz
Zum zehnten Jahrestag des Referendums, das Großbritannien aus der Europäischen Union führte, zeigen Umfragen, dass eine Mehrheit der Briten den Austritt nun für einen Fehler hält, während der Rücktritt von Premierminister Keir Starmer am Montag eine jahrzehntelange politische Krise vertieft.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von RFI, LaVanguardia, europa press und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Umfragen zeigen nun, dass die meisten Briten den EU-Austritt für einen Fehler halten, und Interviews in Leave-Wahlgebieten offenbaren weit verbreitete Enttäuschung über unerfüllte Versprechen.
Keir Starmer trat am Montag nach innerparteilichem Druck der Labour zurück und markiert den siebten Premierminister in zehn Jahren, was die institutionelle Instabilität vertieft.
Das britische BIP liegt 6–8 % niedriger als es ohne Brexit gewesen wäre, und die spanischen Agrarexporte in das Vereinigte Königreich sind stark eingebrochen, wobei die Tomatenlieferungen um 58 % zurückgingen.
Europäische Diplomaten sagen, sie würden eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs nur mit vollen Verpflichtungen begrüßen, und viele finden, dass der Block ohne die britischen Ausnahmeforderungen reibungsloser funktioniert.
Die falsche Behauptung von 350 Millionen Pfund pro Woche und die Schreckensgeschichte über den türkischen Beitritt waren zentral für die Leave-Kampagne und prägen den öffentlichen Diskurs ein Jahrzehnt später weiter.
- 23.06.Referendum: 52 % stimmen für den EU-Austritt
- 31.01.Großbritannien verlässt formell die Europäische Union
- 22.06.Premierminister Keir Starmer tritt zurück
- 23.06.Zehnter Jahrestag des Referendums
Ein Jahrzehnt der Reue
Zehn Jahre nachdem 52 % der britischen Wähler den Austritt aus der Europäischen Union wählten, ist die Stimmung in Hochburgen der Leave-Wähler gekippt. In Havering, dem Londoner Bezirk, der Brexit mit 70 % unterstützte, sagt Marktstandbetreiberin Karen Gibbs, es habe sich nichts verbessert. „Es hat sich nichts verbessert. Es hat kleine Unternehmen getroffen. Und alles kostet mehr Geld“, sagte sie gegenüber RFI. Sie setzt nun ihre Hoffnungen darauf, dass Nigel Farage Premierminister wird. Der Mitbewohner aus Havering, Keith Martin, ein Museumsfreiwilliger, sagte, er würde heute anders abstimmen: „Zehn Jahre später denke ich, es wäre besser gewesen zu bleiben, weil sich die Welt völlig verändert hat.“
„Es hat sich nichts verbessert. Es hat kleine Unternehmen getroffen. Und alles kostet mehr Geld.“
Der Landwirt Robert Law aus Hertfordshire, der Leave wählte, weil er sich von fernen Bürokraten im Stich gelassen fühlte, sagt nun, es gebe „keine andere Wahl, als voranzugehen“. Die Agrarexporte in die EU seien bis Februar 2026 um fast 40 % gefallen, berichtet La Vanguardia. Groll, Trotz und Reue sind die Gefühle, die in Gesprächen mit Leave-Wählern aus der Landwirtschaft, Fischerei, dem Markthandel und anderen Schlüsselsektoren zutage treten.
Politisches Chaos
Premierminister Keir Starmer trat am Montag zurück, gab dem innerparteilichen Druck der Labour Party nach und krönte ein Jahrzehnt, in dem Großbritannien sieben Premierminister verschlissen hat. Die Anti-System-Stimmen, die die Leave-Kampagne beflügelten, haben die Exekutive weiter geschwächt, stellt Europa Press fest. Labours Andy Burnham, ein potenzieller Nachfolger, hat Brexit als Fehler bezeichnet und den Wunsch geäußert, dass das Vereinigte Königreich eines Tages wieder der EU beitreten möge, ohne sich jedoch auf eine Kandidatur oder einen Zeitplan festzulegen.
„Das Referendum hat es nicht vermocht, eines der Probleme zu lösen, die der EU zugeschrieben wurden: wirtschaftliche Unsicherheit, ungleiche Globalisierung, schwindendes Vertrauen in politische Eliten und die Wahrnehmung, dass demokratische Entscheidungsprozesse sich weiter von den Bürgern entfernt haben.“
Wirtschaftliche Narben
Laut dem National Bureau of Economic Research ist das britische BIP seit dem Referendum zwischen 6 % und 8 % gesunken, weit über den 4 %, die die pessimistischsten Prognosen vorhersagten. Die spanischen Obst- und Gemüseexporte in das Vereinigte Königreich sind zwischen 2016 und 2025 mengenmäßig um 16,6 % gesunken, von 1,55 Millionen Tonnen auf 1,29 Millionen, während ihr Wert aufgrund gestiegener Kosten um 29,5 % auf 2,27 Milliarden Euro stieg. Die Tomatenlieferungen aus Spanien brachen von 137.967 Tonnen im Jahr 2016 auf 57.458 Tonnen im Jahr 2025 ein, während die marokkanischen Verkäufe in das Vereinigte Königreich stark anstiegen.
- 2016
- 137967 Tonnen
- 2025
- 57458 Tonnen
Daten aus dem Artikeltext
Pablo Mora von der Genossenschaft Anecoop sagte gegenüber RTVE, der größte Einfluss sei „die operative Komplexität auf logistischer Ebene und der Anstieg der Verwaltungskosten“ gewesen. Verderbliche Waren wie Zitrusfrüchte, Tomaten, Paprika und Beeren sind am empfindlichsten. Ab Januar 2027 werden Pflanzenschutzzeugnisse obligatorisch, was eine weitere bürokratische Hürde darstellt.
Die Lügen, die den Sieg brachten
Das zentrale Versprechen der Leave-Kampagne, auf einem roten Bus prangend, war, dass das Vereinigte Königreich 350 Millionen Pfund pro Woche an die EU sende und dieses Geld stattdessen dem NHS zugutekommen könne. Die Faktencheck-Einheit von RTVE, VerificaRTVE, zeigt, dass der tatsächliche Netto-Beitrag im Jahr 2015 bei etwa 173 Millionen Pfund pro Woche lag. Der Slogan auf dem Bus wurde von Dominic Cummings entwickelt, der später Boris Johnsons Chefberater wurde. Eine weitere Falschmeldung warnte vor dem bevorstehenden EU-Beitritt der Türkei und spielte mit Ängsten vor Einwanderung; die Türkei bleibt im Jahr 2026 ein Kandidatenland.
„Die Entscheidung, die dieses Land 1975 getroffen hat, dem Gemeinsamen Markt beizutreten, wurde durch dieses Referendum aufgehoben. Das britische Volk hat gesprochen und die Antwort lautet: Wir gehen.“
Die kalte Schulter der EU
Trotz wachsender britischer Reue ist die EU nicht in Eile, die Tür wieder zu öffnen. AFP sprach mit einem halben Dutzend europäischer Diplomaten; alle sagten, ihre Länder würden eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs nur begrüßen, wenn die Briten bereit seien, die Verpflichtungen der Mitgliedschaft zu akzeptieren, was viele bezweifeln. „Sie sind nicht bereit, die Verpflichtungen zu akzeptieren, die mit der Zugehörigkeit zur EU einhergehen“, sagte ein Diplomat. Ein anderer merkte an, dass es „einfacher“ sei, seit London gegangen ist, weil der Block nicht mehr über Ausnahmeregelungen zu jeder Akte verhandeln müsse. Sébastien Maillard von Chatham House weist darauf hin, dass mit dem Weggang des Vereinigten Königreichs die wirtschaftlich liberalen, US-orientierten Länder der EU ein Gegengewicht verloren haben.
Für normale Menschen ist die bürokratische Belastung spürbar. Poppy May Ward, eine 20-jährige Studentin der Newcastle University, gab fast 1.000 Euro und fünf Monate für ein Visum für ein Praktikum in Madrid aus. „Ich musste mehrere Dokumente besorgen, bevor ich das Visum beantragte, und sie mussten alle übersetzt und apostilliert werden. Das allein hat mich 500 Pfund gekostet“, sagte sie gegenüber El País.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- RFIReino Unido: A 10 años del Brexit, un sabor amargo persiste entre sus partidarios
- RFIEl eventual regreso del Reino Unido vuelve al radar de la UE... con reticencias
- LaVanguardia¿Por qué se fueron? Votantes del Brexit explican qué les llevó a apoyar la salida de la UE
- europa pressLa cicatriz del Brexit obliga a Reino Unido a mirar a Europa diez...
- Keir Starmer
- Scheidender britischer Premierminister, der am 22. Juni 2026 aufgrund von Labour-internen Auseinandersetzungen zurücktrat
- Andy Burnham
- Labour-Politiker und potenzieller Nachfolger Starmers, der Brexit als Fehler bezeichnete
- Nigel Farage
- Vorsitzender der einwanderungskritischen Reformpartei, die in Havering regiert
- David Cameron
- Premierminister, der das Referendum 2016 einberief und für den Verbleib kämpfte
- Boris Johnson
- Führender Leave-Kampagnenmacher, der später Premierminister wurde
- Dominic Cummings
- Stratege hinter dem 350-Millionen-Pfund-NHS-Bus-Slogan und später Chefberater von Johnson
- Carme Colomina
- CIDOB-Forscherin, die die unerfüllten Versprechen des Brexit analysierte
- Sébastien Maillard
- Chatham-House-Experte für die Dynamik der EU nach dem Brexit
- Karen Gibbs
- Marktstandbetreiberin in Havering, die sagt, der Brexit habe keine Verbesserung gebracht
- Robert Law
- Landwirt aus Hertfordshire, der Leave wählte und sich nun verraten fühlt
- Poppy May Ward
- Studentin der Newcastle University, die 1.000 Euro und fünf Monate für ein spanisches Visum ausgab
- Pablo Mora
- Leiter des britischen Marktes bei Anecoop, beschreibt die bürokratischen Lasten nach dem Brexit
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