
Brasilien vor der Präsidentschaftswahl: Lula liegt im knappen Rennen vor Flávio Bolsonaro
Rund 159 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer sind am 4. Oktober 2026 zur Wahl aufgerufen; Luiz Inácio Lula da Silva liegt mit 39 zu 34 Prozent vor Flávio Bolsonaro in einem Rennen, das von Sicherheitsfragen und der Verschuldung privater Haushalte geprägt ist.
Polarisierter Wahlkampf und Folgen der TV-Debatte
Fast 159 Millionen Wählerinnen und Wähler sind am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, zur ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien aufgerufen. Eine Umfrage von Indexa/Broadcast sieht Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva bei 39 Prozent der Wahlabsichten, Senator Flávio Bolsonaro folgt mit 34 Prozent. Bewerber ohne Aussicht auf die Stichwahl kommen zusammen auf rund 10 Prozent, sodass die beiden Favoriten trotz hoher Ablehnungswerte das Feld dominieren. Die letzten Wahlkampftage verliefen chaotisch, nachdem TV Globo die für Freitag angesetzte Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten abgesagt hatte. Der Sender zog die Veranstaltung zurück, nachdem das Oberste Wahlgericht ihm untersagt hatte, einen leeren Stuhl für den nicht teilnehmenden Lula zu zeigen, und das Oberste Bundesgericht die Aufnahme des Kandidaten Renán Santos angeordnet hatte. Flávio Bolsonaro zog sich nach den Gerichtsentscheidungen von der Veranstaltung zurück, woraufhin der drittplatzierte Bewerber Ronaldo Caiado die Justiz scharf kritisierte.
Das ist ein Angriff auf die brasilianische Demokratie: Sie haben den Wahlprozess des Landes zerstört. Von dem Moment an, als Lula beschloss, nicht zu erscheinen, suchte er zugleich die Debatten unmöglich zu machen. Lula hat das alles verursacht. Wir stehen vor der Diktatur der Robe, die entscheiden will, wer Präsident der Republik wird.
- Luiz Inácio Lula da Silva
- 39 %
- Flávio Bolsonaro
- 34 %
Sicherheitskrise und kriminelle Gewalt
Die öffentliche Sicherheit hat sich zum zentralen Thema für die Wähler entwickelt, da kriminelle Gewalt in Wohnviertel der Mittelschicht übergreift. In Rio de Janeiro haben territoriale Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden rund um den Complexo de Israel ein Ausmaß erreicht, das kriegsähnliche Taktiken einschließt. Kriminelle Organisationen setzen inzwischen Granaten und mit Sprengstoff beladene Drohnen ein; bei einem Straßenfest im August wurden zwei Kinder verletzt, worauf die Zivilpolizei eine spezialisierte Anti-Drohnen-Einheit aufstellte. Mehrere Bandenmitglieder erhielten in der Ukraine eine spezielle operative Ausbildung. Anwohner in Randbezirken wie Cordovil berichten von massiver Einschüchterung; Einschusslöcher zeichnen die Wohngebäude. Die Samba-Sängerin Teresa Cristina appellierte öffentlich in den sozialen Medien an die Regierung, dringend einzugreifen, um die Kämpfe zwischen den Fraktionen in ganz Rio einzudämmen.
Wirtschaftswachstum, Zinsen und Verschuldung
Die wirtschaftliche Lage bietet der nächsten Regierung widersprüchliche Realitäten: Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren, zugleich sind die Kreditkosten hoch. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2023 um 3,2 Prozent und 2024 um 3,4 Prozent, doch für 2026 wird ein Rückgang des Wachstums auf 2,0 Prozent prognostiziert. Das staatliche Haushaltsdefizit liegt bei knapp 10 Prozent des BIP, während der Leitzins der Zentralbank trotz fünf aufeinanderfolgender Senkungen bei rund 14 Prozent verharrt. Die Verschuldung privater Haushalte belastet 83 Millionen Bürgerinnen und Bürger; Aufzeichnungen der Kreditagentur Serasa zeigen, dass im Mai 49 Prozent der Bevölkerung verschuldet waren. Während in Lulas dritter Amtszeit 8,5 Millionen Menschen aus der Armut geholt wurden, soll die Inflation 2026 bei 4,99 Prozent liegen. In Wahlkampfsendungen verteidigte Lula die gezielte Sozialpolitik und die Wirtschaftsbilanz seiner Regierung.
Die Steuern, die frühere Regierungen abgeschafft haben, betrafen Jetskis und Privatflugzeuge. Sie haben die Verteilung und Raffinierung von Kraftstoff ausländischen Interessen auf dem Silbertablett überlassen – all das belastet Ihre Geldbörse erheblich, sowohl an der Tankstelle als auch im Supermarkt.
- 2023
- 3.2 %
- 2024
- 3.4 %
- 2026 (Prognose)
- 2 %
Wählermüdigkeit und Aussichten auf die Stichwahl
In großen Ballungszentren wie São Paulo ist Wahlmüdigkeit weit verbreitet; die Enthaltungsquote könnte dort die 2022 registrierten 21 Prozent erreichen oder übertreffen. Der 80-jährige Lula bewirbt sich um eine vierte Amtszeit als Präsident und will bis zum Alter von 85 Jahren regieren, während Flávio Bolsonaro versucht, konservative Wähler zu mobilisieren. Die Arbeiterpartei verstärkte Berichte über Bolsonaros früheres Verhalten, um seine Stellung bei religiösen Wählern zu schwächen, während Bolsonaro die hohen Verbraucherpreise angriff. Sollte am Sonntag keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, geht das Rennen in eine entscheidende Stichwahl am 25. Oktober 2026.


