
AfD wählt Weidel und Chrupalla wieder: Führung rückt weiter nach rechts, 31.000 protestieren in Erfurt
Alice Weidel hat ihren Griff auf die Partei verstärkt: Der AfD-Parteitag in Erfurt wählte beide Co-Vorsitzenden wieder, rückte den Bundesvorstand nach rechts und lockte mehr als 31.000 Protestierende auf die Straßen.
Führung bestätigt
Alice Weidel und Tino Chrupalla wurden beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Erfurt für weitere zwei Jahre als Co-Vorsitzende wiedergewählt. Weidel erhielt 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen, eine leichte Verbesserung gegenüber ihrem Ergebnis von 2024, während Chrupalla auf 70 Prozent fiel, gegenüber 83 Prozent vor zwei Jahren. Beide traten ohne Gegenkandidaten an.
Wir sind die stärkste Kraft. Wir sind eine 30-Prozent-Volkspartei. Und wir werden regieren.
Die Abstimmung verdeckte tiefere Spannungen. Der Kommentator Gabor Halasz bezeichnete den Parteitag als Inszenierung, die darauf abzielte, offene Konflikte vor den anstehenden Landtagswahlen zu vermeiden. Weidel setzte sich bei mehreren Personalentscheidungen durch, und die neue Vorstandszusammensetzung wurde weithin als Verschiebung in ihr Lager gedeutet.
Vorstand rückt nach rechts
Sechs der 14 Mitglieder des neu gewählten Bundesvorstands stammen aus Landesverbänden, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft. Darunter ist Jean-Pascal Hohm, der auch den Vorsitz der neuen Jugendorganisation "Generation Deutschland" der Partei innehat und zuvor im Brandenburger Landtagsfraktion wegen Kontakten in die rechtsextreme Szene seine Stelle verlor. Stefan Möller, ein enger Verbündeter des thüringischen AfD-Landeschefs Björn Höcke, zog ebenfalls in den Vorstand ein. Höcke wurde 2025 zweimal wegen Verwendung einer verbotenen SA-Parole verurteilt.
Ausgerechnet jetzt, an der Schwelle zur Macht, ist unser Volk nicht verhandelbar.
Der stellvertretende Vorsitzende Sven Tritschler lehnte eine Mäßigung explizit ab und bestand darauf, dass die Partei an ihrer "Remigrations"-Forderung festhalten müsse. Der Parteitag signalisierte keine Absicht, dem Weg einiger anderer europäischer rechter Parteien in die Mitte zu folgen.
Massenproteste in Erfurt
Nach Polizeiangaben demonstrierten mehr als 31.000 Menschen gegen den Parteitag. Die Bündnisse "Zusammenstehen" und "Widersetzen" gaben die Zahl mit rund 50.000 an. Aktivisten reisten aus ganz Deutschland in über 200 Bussen an. Die Delegierten wurden ab 3 Uhr morgens unter Polizeischutz zum Veranstaltungsort gebracht, um Blockaden zu vermeiden; um 5 Uhr waren bereits mehr als 500 der rund 600 Delegierten im Gebäude.
Erfurt hat ein Zeichen für eine lebendige Demokratie gesetzt.
Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) lobte den offenen, friedlichen Charakter der Stadt. Innenminister Georg Maier bezeichnete die Proteste als "bunt und laut".
Polizeieinsatz und Vorfälle
Rund 10.000 Beamte sicherten den Parteitag. Polizeipräsident Thomas Quittenbaum sagte, das Einsatzkonzept habe "zu 100 Prozent funktioniert". Die Behörden registrierten 65 Straftaten und 13 Ordnungswidrigkeiten, darunter Sachbeschädigung, Körperverletzung und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Elf Polizisten und mehrere Medienschaffende wurden leicht verletzt. Drei Reporter von "Apollo News" wurden tätlich angegriffen; einem Vertreter der "Jungen Freiheit" wurde das Handy gestohlen. Die Tatverdächtigen des Diebstahls wurden identifiziert. In Einzelfällen wurden Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, unter anderem als Demonstranten versuchten, eine Absperrung zu durchbrechen und Beamte anzugreifen.
- Ab 3 Uhr morgens werden die Delegierten unter Polizeischutz zum Veranstaltungsort gebracht; um 5 Uhr sind bereits über 500 der 600 Delegierten im Gebäude.
- Der Parteitag beginnt pünktlich um 10 Uhr mit vollen Delegiertenreihen, während Demonstranten Zufahrtsstraßen und die A71 blockieren.
- Weidel und Chrupalla werden wiedergewählt; Weidel erhält 81,3 Prozent, Chrupalla 70 Prozent. Der neue Bundesvorstand wird gewählt, der den Einfluss auf Weidel und den rechten Flügel verschiebt.
- Über 31.000 Demonstranten versammeln sich in ganz Erfurt; 15.000 direkt vor dem Parteitagsgelände. Die Polizei meldet überwiegend friedlichen Verlauf.
- Am Sonntag verlaufen die Sitzungen ruhiger mit administrativen Abstimmungen. Die Polizei meldet 65 Straftaten und 11 verletzte Beamte an den beiden Tagen.
Ausblick auf Landtagswahlen
Der Parteitag diente auch als Startrampe für die Landtagswahlen im Herbst in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Der Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, zog Menschenmengen und Selfie-Wünsche an. Weidel sagte dem parteieigenen TV-Sender, dass ein Eintritt in die Regierung dort "abrupt zu einer Normalisierung unserer Partei führen würde". Unterdessen forderten viele Demonstranten ein Verbot der AfD, ein Schritt, der nur von der Bundesregierung, dem Bundestag oder dem Bundesrat eingeleitet werden kann und letztlich vom Bundesverfassungsgericht entschieden würde.

