Psychiater stellt bei Block-Kindern 'massive Traumatisierung' durch Silvester-Entführung fest
Ein gerichtlich bestellter Psychiater teilte dem Hamburger Prozess gegen Christina Block mit, dass ihre beiden Kinder durch ihre Entführung in Dänemark in der Silvesternacht 2023/2024 eine massive und anhaltende Traumatisierung erlitten haben.
Sachverständigengutachten stellt massive Traumatisierung fest
Ein gerichtlich bestellter Kinder- und Jugendpsychiater ist zu dem Schluss gekommen, dass die beiden Kinder der Unternehmerin Christina Block während ihrer Entführung in der Silvesternacht 2023/2024 eine "massive Traumatisierung" erlitten haben, deren Auswirkungen bis heute anhalten. Die Sachverständige Mareike Schüler-Springorum stellte ihre Ergebnisse über vier Verhandlungstage am Landgericht Hamburg vor und wertete medizinische, psychologische und schulische Unterlagen aus sowie persönliche Gespräche mit beiden Kindern. Laut einem Gerichtssprecher stellte die Psychiaterin fest, dass jedes Kind durch die eigene Entführung, die Entführung des Geschwisters und den Angriff auf den Vater mit unklarem Ausgang in der Silvesternacht 2023/2024 traumatisiert wurde. Der Gerichtssprecher betonte, dass die rechtliche Einordnung und Bewertung des Gutachtens der Strafkammer vorbehalten bleibt.
Das Gericht hat die Öffentlichkeit von diesem Teil des Prozesses ausgeschlossen, um die Interessen der Kinder zu schützen, eine Maßnahme, die seit dem 28. Juli in Kraft ist. Der 68. Verhandlungstag ist für Freitag, den 14. August, um 9:30 Uhr angesetzt, wenn die sieben Angeklagten, ihre Verteidiger und die Staatsanwaltschaft Stellungnahmen zum Gutachten abgeben können. Die Öffentlichkeit bleibt für diese Sitzung ausgeschlossen, danach soll der Prozess voraussichtlich wieder öffentlich fortgesetzt werden.
- Kinder aus dem Haus des Vaters in Dänemark von maskierten Männern entführt
- Prozess gegen Christina Block und sechs Mitangeklagte beginnt am Landgericht Hamburg
- Vater sagt über Panikattacken der Kinder aus; Gutachterin Schüler-Springorum nimmt erstmals teil
- Öffentlichkeit von Prozess ausgeschlossen für Beginn des psychiatrischen Gutachtens
- Gericht gibt Gutachtenbefund einer massiven Traumatisierung beider Kinder bekannt
- 68. Verhandlungstag; Parteien geben Stellungnahmen zum Gutachten ab
Die Entführung
Die Kinder, damals 10 und 13 Jahre alt, lebten zum Zeitpunkt der Entführung bei ihrem Vater Stephan Hensel in Dänemark. In der Silvesternacht 2023/2024 standen sie mit ihrem Vater am Hafen ihres dänischen Wohnorts und sahen sich Feuerwerk an, als mehrere maskierte Männer sie in ein Auto zerrten. Der Vater wurde festgehalten und geschlagen. Die Kinder wurden dann gefesselt und geknebelt durch einen Wald gezwungen, die dänische Grenze zu überqueren.
Christina Block (53), Tochter des Block-House-Steakhausketten-Gründers Eugen Block, wird beschuldigt, eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, die Kinder im Rahmen eines langjährigen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann zu entführen. Sie bestreitet die Vorwürfe und behauptet, die Mitarbeiter der Firma hätten unabhängig und ohne ihr Wissen gehandelt. Die Kinder wurden später zurückgebracht.
Sieben Angeklagte und der Prozess
Sechs Mitangeklagte stehen neben Block vor Gericht, darunter ihr Partner, der ehemalige Sportkommentator Gerhard Delling (67), der wegen Beihilfe angeklagt ist. Nur ein Angeklagter, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt. Der Prozess läuft seit Juli 2025. Nebenkläger in dem Fall sind Hensel und die Kinder selbst, die von einem Anwalt vertreten werden. Falls die Angeklagten verurteilt werden, könnten die Folgen der Entführung für die Kinder das Strafmaß beeinflussen, so ein Gerichtssprecher.
Aussage des Vaters
Stephan Hensel sagte aus, dass die Kinder nach der Entführung unter Panikattacken litten und Angst hatten, das Haus zu verlassen. Nach der Rückkehr der Kinder lebte die Familie zunächst in einem sicheren Haus. Trotz Sicherheitsmaßnahmen litten die Kinder unter Angstzuständen und Albträumen. Die dänischen Behörden ergriffen Schutzmaßnahmen ähnlich einem Zeugenschutzprogramm. Hensel und seine dänische Frau zogen fünfmal mit ihren fünf Kindern um und wechselten zweimal die Schule.
Sie sind auf der Hut, dass ihre Mutter jemanden schickt, der ihnen etwas antut.
Hensel machte diese Aussage am 11. Verhandlungstag, dem 22. September 2025, als Schüler-Springorum erstmals an dem Prozess teilnahm.


