- 18.10.Eröffnungsfeier in Jerewan wie geplant
- 19.10.Beginn der formellen Verhandlungen in Jerewan
- 30.10.Geplantes Ende der Konferenz
Eine Halbzeitbilanz des Abkommens von 2022
Knapp 200 Vertragsparteien treffen sich bis zum 30. Oktober in der armenischen Hauptstadt Jerewan, um Bilanz über das Kunming-Montreal-Rahmenwerk zu ziehen, das sie 2022 verabschiedet haben. Das Rahmenwerk legt 23 Ziele für 2030 fest, das prominenteste davon ist der Schutz von mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen der Welt. Die Eröffnungsfeier war für Sonntag, den 18. Oktober, angesetzt, die formellen Verhandlungen laufen vom 19. bis 30. Oktober; laut RTS werden bis zu 15.000 Teilnehmer erwartet. Das Treffen markiert die Halbzeit des Abkommens, und die UN stellt erstmals eine globale Überprüfung der Fortschritte zusammen.
Die Befunde sind schwach. Ein im Juli veröffentlichter Zwischenbericht der UN kam zu dem Ergebnis, dass 22 der 23 Ziele nicht auf Kurs sind, während die Auswertung derselben Bestandsaufnahme durch SRF nur ein Ziel auf gutem Weg sieht, nämlich die Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität. Mehr als 90 Prozent der Vertragsparteien haben nationale Ziele festgelegt, und 142 Länder plus die EU haben Zwischenberichte eingereicht – doch die tatsächliche Umsetzung hinkt dem Papier weit hinterher.
Warum die Fortschritte stocken
In der Berichterstattung tauchen mehrere Hindernisse auf. Viele Maßnahmen werden gar nicht umgesetzt, und vielen Ländern fehlen das Know-how oder das Geld, um sie durchzuführen. Subventionen für Verkehr und Landwirtschaft, die Lebensräume zerschneiden oder intensive Bewirtschaftung fördern, arbeiten den Zielen entgegen; die Vertragsparteien wollen sie bis 2030 deutlich abbauen, doch bislang ist wenig geschehen. Klassische Naturschutzziele wie die Ausweisung von Schutzgebieten kommen schneller voran als die Vorgaben zu nachhaltigem Konsum, nachhaltiger Produktion und Kreislaufwirtschaft.
Jelle Behagel, außerordentlicher Professor an der Universität Wageningen, sagte, er habe dieses Ergebnis erwartet.
„Ich habe das erwartet. Ich denke, wir können die Ziele für 2030 nicht mehr erreichen.“
Behagel hält das Ziel von 30 Prozent Schutzfläche weiterhin für möglicherweise erreichbar, vor allem an Land, und sagt, die Niederlande und die EU seien dem nahe. Wildtierhandel, Artensterben und Verschmutzung sind schwerer anzugehen, weil sie an wirtschaftliche Aktivität gekoppelt sind. Er hofft zudem, dass die Anerkennung indigener und lokaler Gemeinschaften, von Frauen und jungen Menschen in Jerewan Bestand hat, denn der Schutz dieser Gruppen war ein Erfolg beim vorigen Gipfel.
Geld und die Finanzierungslücke
Die Finanzierung ist der Streitpunkt. Die Vertragsparteien haben zugesagt, bis 2030 jährlich 200 Milliarden Dollar für die Biodiversität zu mobilisieren, und dieses Ziel liegt nicht im Zeitplan. Bei der COP16 in Cali 2024 einigten sie sich auf einen Fahrplan für die Ressourcenmobilisierung bis zur COP18, und VRT NWS merkt an, dass die Frage, woher mehr Geld kommen soll, weiterhin ungeklärt ist. Ein von VRT NWS zitierter Bericht des UNEP besagt, dass für jeden Dollar, der in den Schutz der Natur investiert wird, 30 Dollar für ihre Zerstörung ausgegeben werden, und dass die Investitionen 2,5-mal höher sein müssten. Ein von demselben Medium zitierter Experte sagt, die Subventionen für biodiversitätsschädliche Aktivitäten, darunter fossile Brennstoffe, seien stark gestiegen.
Wer am Tisch sitzt
UN-Generalsekretär António Guterres sprach vor der Konferenz von einer „Kluft zwischen Ambitionen und Handeln“ und sagte, der Krieg gegen die Natur sei nicht vorbei. Der armenische Premierminister Nikol Pachinian räumte ein, dass die Welt insgesamt noch nicht auf dem richtigen Weg sei, und drängte die Staaten, ihre Zusagen in konkretes Handeln umzusetzen. Die deutsche Delegation führt Umweltminister Carsten Schneider an, der in der zweiten Woche nach Jerewan reist und ein gemischtes Bild mit einigen Fortschritten beschreibt.
„Aber wir sind bei Weitem nicht da, wo wir sein müssen.“
Die Schweiz entsendet eine achtköpfige Delegation unter der Leitung von Gabriela Blatter vom Bundesamt für Umwelt, begleitet von einem Vertreter der chemisch-pharmazeutischen Industrie, einem Wissenschaftler und einer Vertreterin einer Umweltorganisation. RTS berichtet, die Schweizer Umwelt-NGOs zählten die Schweiz zu den schwächeren Akteuren in Europa, und die intensive Landwirtschaft des Landes sei ein besonderes Problem für die Biodiversität.
Wie es weitergeht
Astrid Schomaker, Exekutivsekretärin des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, nannte das Treffen sehr wichtig und fragte, ob die Welt in der Lage sei, das Tempo zu erhöhen. Schomaker verwies zudem auf das hohe Engagement: 142 Länder und die EU hätten Zwischenberichte eingereicht. Die Verhandlungen enden am 30. Oktober, und die entscheidende Frage für die kommende Zeit ist, wie vor der COP18 mehr Geld gefunden werden kann.