Wahl-O-Mat startet mit 38 Thesen vor der Berliner Landtagswahl am 20. September
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ihr Vergleichstool für rund 2,5 Millionen Wähler in Berlin aktiviert. Am 20. September treten 17 Parteien zur Wahl des Abgeordnetenhauses an.
Rollout und Struktur des Wahlhilfe-Tools
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat am 24. August um 11:15 Uhr ihren Wahl-O-Mat im Vorfeld der Berliner Landtagswahl am 20. September 2026 gestartet. Rund 2,5 Millionen Wahlberechtigte entscheiden über die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses für die kommende fünfjährige Legislaturperiode und wählen aus 17 zugelassenen Parteien. Die Nutzer interagieren mit dem Online-Tool, indem sie auf 38 politische Thesen mit den Optionen „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „überspringen“ antworten. Wähler können bestimmten Themen eine doppelte Gewichtung verleihen und jede beliebige Kombination der 17 antretenden Parteien auswählen, um Übereinstimmungsprozente zu berechnen. Die Plattform bietet zudem ausführliche, von den Parteien verfasste Begründungen sowie Parteiprofile und fungiert strikt als Informationsangebot, nicht als offizielle Wahlempfehlung.
- An die Parteien übermittelte Thesen
- 80 Thesen
- Für das endgültige Tool ausgewählte Thesen
- 38 Thesen
Entwicklung und institutionelle Aufsicht
Die 38 finalen Thesen wurden von einem unabhängigen Redaktionsteam kuratiert, das sich aus jungen Berliner Erstwählern, Politikwissenschaftlern, Statistikern, Pädagogen und Mitarbeitern der Behörde zusammensetzte. Die Redaktion legte den teilnehmenden Parteien zunächst 80 Thesenentwürfe vor und reduzierte die Auswahl anschließend basierend auf thematischer Relevanz und Unterschieden in den Parteiprogrammen auf 38. Die politischen Parteien selbst wirken nicht an der Formulierung oder Auswahl der Thesen mit, sondern verfassen lediglich ihre formellen Antworten und die dazugehörigen Begründungen. Als nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums des Innern setzt die bpb das Wahl-O-Mat-Format seit 2002 für Bundes-, Landtags- und Europawahlen ein. Die institutionelle Neutralität wird von einem 22-köpfigen parlamentarischen Beirat überwacht, der aus dem Deutschen Bundestag entsandt wird und von einem wissenschaftlichen Beirat mit bis zu 12 Experten unterstützt wird.
Laut ihrer Gründungssatzung verfolgt die Behörde ein festgelegtes Mandat für die Bürgerbeteiligung:
das demokratische Bewusstsein der Bevölkerung zu fördern und die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zu befähigen und zu motivieren, reif, kritisch und aktiv am politischen Leben teilzunehmen
Wahlkampfthemen und politische Landschaft
Die bevorstehende Wahl folgt auf einen Führungswechsel bei der regierenden Christlich-Demokratischen Union (CDU), die derzeit eine schwarz-rote Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) anführt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner zog im Juli seine Spitzenkandidatur zurück, nachdem er wegen seines Krisenmanagements und seiner Kommunikation während eines Stromausfalls im Südwesten Berlins im Januar in die Kritik geraten war. Stefan Evers führt nun die CDU-Liste an und stellt die innere Sicherheit in den Mittelpunkt des Parteiprogramms. Die linke Opposition, angeführt von der Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, fordert gemeinsam mit den Grünen die Enteignung großer Immobilien- und Wohnungskonzerne in der Hauptstadt. Die SPD konzentriert ihren Wahlkampf auf den öffentlichen sozialen Wohnungsbau und eine neue Mietpreisbremse, während die Alternative für Deutschland (AfD) unter Kristin Brinker sich vor allem auf die Migrationspolitik konzentriert.
Umfragedynamik und Zeitplan bis zum Wahltag
Umfragen zeigen ein enges Feld, in dem CDU, Die Linke und AfD an der Spitze abwechseln und jeweils knapp 20 Prozent erreichen. Die Grünen und die SPD verzeichnen zweistellige Werte direkt hinter der Spitzengruppe, während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die Freie Demokratische Partei (FDP) nahe der Fünf-Prozent-Hürde liegen, die für den Einzug ins Parlament erforderlich ist. Die Bildung einer Regierungsmehrheit wird Koalitionsverhandlungen über mehrere Parteigrenzen hinweg erfordern, wobei sowohl linke Bündnisse als auch neue, auf die CDU zentrierte Pakte möglich sind. Die Wahllokale in Berlin werden am Sonntag, den 20. September, von 08:00 bis 18:00 Uhr geöffnet sein; die Briefwahl ist bereits im Vorfeld möglich.
- Stromausfall im Südwesten Berlins führt zu Kritik am Krisenmanagement der Stadt
- Kai Wegner zieht seine Spitzenkandidatur zugunsten von Stefan Evers (CDU) zurück
- Wahl-O-Mat geht mit 38 politischen Thesen online
- Wahllokale in Berlin öffnen für 2,5 Millionen Wahlberechtigte von 08:00 bis 18:00 Uhr


