
Berliner Koalitionsgespräche beginnen mit Vorabprüfung zu Antisemitismus und Kriminalität
Die Linke, die Grünen und die SPD treffen sich in Berlin zu Vorgesprächen über Antisemitismus und organisierte Kriminalität, bevor formelle Sondierungsgespräche aufgenommen werden.
Vorgespräche in Berlin
Führende Vertreter von Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der Sozialdemokratischen Partei (SPD) kommen am Donnerstag um 11:00 Uhr zu Vorgesprächen über die Bildung einer Landesregierung in Berlin zusammen. Das Treffen folgt auf die Landtagswahl vom 20. September 2026, die die Mehrheitsverhältnisse im Abgeordnetenhaus verschoben und die bisherige Mehrheit von CDU und SPD aufgelöst hat. Die Linke errang 25,7 Prozent der Stimmen und lag damit vor der CDU mit 18,8 Prozent, der AfD mit 16,3 Prozent, den Grünen mit 14,3 Prozent und der SPD mit 12,1 Prozent. Statt sofort formelle Sondierungsgespräche aufzunehmen, verständigten sich die drei potenziellen Partner darauf, zunächst Vorgespräche zu führen, um klare Bedingungen in sensiblen politischen Fragen festzulegen. Sowohl die Grünen als auch die SPD machten diese gemeinsamen Festlegungen zur strikten Bedingung, bevor weitergehende inhaltliche Gespräche geführt werden können.
- Die Linke
- 25.7 %
- CDU
- 18.8 %
- AfD
- 16.3 %
- Bündnis 90/Die Grünen
- 14.3 %
- SPD
- 12.1 %
Prüfung von Parteiverbindungen
Im Mittelpunkt der Vorgespräche stehen Antisemitismus, die Bekämpfung von Rassismus und die Auseinandersetzung mit organisierter Kriminalität. Der unmittelbare Anstoß für verbindliche Zusicherungen geht auf Kontroversen um eine Wahlparty zurück, die der Neuköllner Kreisverband der Linken am 20. September 2026 ausgerichtet hatte. Zu den Gästen der Veranstaltung zählten das Oberhaupt eines in die organisierte Kriminalität verwickelten arabischen Familienclans sowie ein pro-palästinensischer Aktivist mit Verbindungen zur Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), die von der Europäischen Union als terroristische Vereinigung eingestuft wird. Die Sorge über Haltungen zu Israel und zum Antisemitismus hat die Grünen und die SPD dazu veranlasst, schriftliche Zusicherungen zum Schutz jüdischen Lebens sowohl innerhalb der Linken als auch in einer künftigen Koalition zu verlangen. In einer vor den Gesprächen veröffentlichten gemeinsamen Erklärung legten die beiden möglichen Koalitionspartner ihre gemeinsame Grundlage fest:
Die Verständigung darüber ist eine Grundvoraussetzung für Sondierungsgespräche.
Verhandlungsteams und Koalitionsaussichten
Die Linke stimmte dem Vorabverfahren zu und betonte wiederholt, dass ihre Führung fest hinter dem Schutz jüdischen Lebens stehe. Sollten die Parteien am Donnerstag, dessen Sitzung sich bis Freitag erstrecken könnte, eine gemeinsame Basis finden, beginnen nächste Woche die formellen Sondierungsgespräche. Für die Gespräche haben die Parteien kleine Führungsdelegationen benannt. Die Linke wird durch die Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp und Tobias Schulze sowie die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer vertreten. Die Grünen benannten die Fraktionsvorsitzenden Bettina Jarasch und Werner Graf sowie die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai. Zur SPD-Delegation gehören die Landesvorsitzenden Steffen Krach und Bettina König, begleitet von der designierten Fraktionsvorsitzenden Derya Caglar. Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, könnte Eralp Berlins erste Regierende Bürgermeisterin von der Linken werden.
- Die Linke gewinnt 25,7 Prozent der Stimmen bei der Berliner Landtagswahl
- Beginn der Vorgespräche über Antisemitismus, Rassismus und organisierte Kriminalität
- Mögliche Fortsetzung der Vorgespräche
- Formelle Sondierungsgespräche sollen beginnen, falls eine gemeinsame Basis gefunden wird
Wohnungspolitik und inhaltliche Reibungen
Über die vorläufige Tagesordnung hinaus stehen die drei Parteien vor programmatischen Differenzen, die die weiteren Sondierungsrunden prägen dürften, insbesondere in der Wohnungspolitik. Die Linke geht mit der Forderung nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen in die Gespräche, um rund 220.000 Wohnungen in kommunales Eigentum zu überführen und damit einen 2021 von den Berlinerinnen und Berlinern gebilligten Volksentscheid umzusetzen. Die Grünen unterstützen das Ziel des Volksentscheids und wollen einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Maßnahme ausarbeiten. Der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erklärte dagegen im Wahlkampf, mit ihm werde es keine Enteignungen geben. Der frühere SPD-Landesvorsitzende und Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel forderte unterdessen eine bindende Abstimmung der SPD-Mitglieder, bevor ein förmlicher Koalitionsvertrag ausgehandelt wird.

