Belgien bekämpft größten Waldbrand seit 1911: 3.000 Hektar brennen nahe der deutschen Grenze
Ein Waldbrand im Naturschutzgebiet Hohes Venn in Belgien hat seit Freitag 3.000 Hektar verbrannt und ist damit der größte Brand des Landes seit 1911. Rund 600 Menschen nahe der deutschen Grenze wurden evakuiert.
Brandausbruch und Ausbreitung
Der Waldbrach brach am Freitag im Naturschutzgebiet Hohes Venn in der belgischen Provinz Lüttich aus und brannte zunächst auf rund 80 Hektar. Bis Samstagmorgen war die betroffene Fläche auf 850 Hektar angewachsen, und am frühen Sonntag erreichte sie etwa 3.000 Hektar (30 Quadratkilometer). Der Brand ist der größte in Belgien seit 1911, als dieselbe Region während einer ähnlichen Hitze- und Dürreperiode von Waldbränden heimgesucht wurde. Der bisherige Rekordbrand in Belgien ereignete sich 2011, als 14 Quadratkilometer desselben Reservats brannten, so das Europäische Waldbrandinformationssystem.
- Brand bricht im Hohen Venn aus; zunächst brennen rund 80 Hektar
- Betroffene Fläche wächst auf 850 Hektar
- Rund 600 Menschen aus Waimes und Bütgenbach evakuiert, als der Wind dreht
- Brand erreicht etwa 3.000 Hektar
- Innenminister Quintin sagt nach Besuch des Krisenzentrums, zwei Feuerfronten seien unter Kontrolle
Evakuierungen und grenzüberschreitende Auswirkungen
Wechselnde Winde und starker Rauch führten am Samstagnachmittag zur Evakuierung von rund 600 Menschen aus den Gemeinden Waimes und Bütgenbach nahe der deutschen Grenze. Etwa 20 der Evakuierten verbrachten die Nacht in einer örtlichen Sporthalle. In Deutschland riet die Stadt Monschau mit 12.000 Einwohnern den Bewohnern mehrerer Stadtteile, wegen des Rauchs vorübergehend zu gehen. Die Feuerfront befand sich nach Angaben der Behörden 1,8 Kilometer von den ersten bewohnten Gebieten auf belgischer Seite entfernt, und Monschau erklärte, der Brand sei bis auf etwa drei Kilometer an die Grenze herangekommen. Bis Sonntagmorgen seien keine Häuser beschädigt worden, so die Behörden.
Internationale Hilfe
Belgien aktivierte den EU-Katastrophenschutzmechanismus und holte Luftverstärkung aus ganz Europa. Zwei Löschflugzeuge kamen aus Schweden, dazu Hubschrauber aus den Niederlanden (zwei), Tschechien (einer) und zwei belgische Bundespolizeihubschrauber. Auch Feuerwehrleute aus Deutschland und Luxemburg schlossen sich den mehr als 250 eingesetzten Einsatzkräften an. Der Zugang zum Bütgenbacher See wurde am Sonntag verboten, damit die Flugzeuge Wasser aufnehmen konnten. Örtliche Landwirte halfen mit Traktoren, um Wasserfässer vom Robertville-See zu ziehen.
- Rekordbrand 2011
- 14 km²
- Aktueller Brand 2026
- 30 km²
Gelände und Bedingungen
Die Landschaft des Hohen Venns mit Torfmooren, Heideland, Kiefernwäldern und erhöhten Holzstegen machte die Bodeneinsätze besonders komplex, da schwere Fahrzeuge Gefahr liefen, im weichen Boden zu versinken. René Dahmen, Chefingenieur der Abteilung für Natur und Wald, sagte, der Brand breite sich am Sonntag weiterhin durch schwieriges Gelände aus.
An der Ostflanke gibt es eine mindestens einen Kilometer lange Linie, an der sich der Brand langsam auf einen Gemeindewald zubewegt. Das ist jetzt die erste Priorität; wir haben letzte Nacht Ressourcen bereitgestellt, und die Feuerwehrleute sind bereit, falls es zu nahe kommt.
Das empfindliche Torfmoor ließ Brände auch nach dem Löschen sichtbarer Flammen unter der Oberfläche weiterbrennen. Belgien hatte gerade eine weitere Hitzewelle erlebt, mit Temperaturen von fast 37 °C am Freitag, zusätzlich zu Wochen mit kaum Regen.
Eindämmungsfortschritte
Innenminister Bernard Quintin sagte nach einem Besuch des Krisenzentrums in Vottem am Sonntagnachmittag, dass zwei Feuerfronten in Richtung Jalhay und Monschau nun unter Kontrolle seien, der Brand aber insgesamt noch nicht vollständig eingedämmt sei. Der Feuerwehrchef Luc Burette warnte, dass der Brand bei fehlender Eindämmung auf deutsches Gebiet übergreifen könnte. Rauchschwaden des Feuers erreichten die benachbarte belgische Provinz Namur und sogar Ostfrankreich, wo das Département Moselle eine Luftverschmutzungswarnung auslöste.


