
Belgiens größter Waldbrand aller Zeiten verbrennt 3.000 Hektar in den Hohen Venn, nahe der deutschen Grenze
Ein Waldbrand im Naturpark Hohes Venn-Eifel in Belgien hat seit Freitag fast 3.000 Hektar verbrannt, ist damit der größte Waldbrand des Landes der letzten Jahre und hat Evakuierungen in Belgien sowie Rauchwarnungen auf der deutschen Seite der Grenze ausgelöst.
Wie sich das Feuer ausbreitete
Ein Waldbrach brach am Freitagmittag in Les Fagnes im Naturpark Hohes Venn-Eifel in der ostbelgischen Provinz Lüttich aus. Nach Angaben der Behörden der französischsprachigen Region Wallonien verbrannte der Brand am ersten Tag 80 Hektar, weitete sich bis Samstag auf 850 Hektar aus und erreichte am Sonntagmorgen fast 3.000 Hektar. Das Feuer ist mehr als doppelt so groß wie ein Brand im Jahr 2011, der rund 1.400 Hektar versengte, so Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems, zitiert von La Vanguardia. Der regionale Sprecher Nicolas Yernaux erklärte am Samstag, der Brand sei bereits der größte in der jüngeren Geschichte Belgiens.
- Feuer bricht in Les Fagnes, Naturpark Hohes Venn-Eifel, Ostbelgien aus
- 80 Hektar bis zum Ende des ersten Tages verbrannt
- Verbrannte Fläche erreicht 850 Hektar; EU entsendet drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge, nachdem Belgien den Katastrophenschutzmechanismus aktiviert hat
- Rund 600 Anwohner aus Dörfern nahe der Feuerfront evakuiert
- Verbrannte Fläche erreicht fast 3.000 Hektar; deutsche Stadt Monschau rät grenznahen Anwohnern aufgrund von Rauch zum Verlassen
Gelände und Einsatz
Die Topografie des Hohen Venns hat die Brandbekämpfung erschwert. Die Behörden erklärten, das Gelände mache den Einsatz besonders komplex und verhindere, dass die Rettungskräfte das Feuer mit ihren üblichen Mitteln aus nächster Nähe bekämpfen könnten, so der Sender RTBF. Yernaux sagte, die Feuerwehrleute ließen bestimmte Teile des Geländes abbrennen, da die Zone schwer zugänglich sei. Belgiens Innenminister Bernard Quintin erklärte, zwei Feuerfronten seien unter Kontrolle gebracht worden, aber der Umfang des Brandes betrage mehr als einen Kilometer. Hunderte Feuerwehrleute wurden mobilisiert, darunter dutzende deutsche Kräfte, sowie die Armee und örtliche Landwirte, die die Abteilung Natur und Forstwirtschaft der Wallonie unterstützten.
Belgien aktivierte den EU-Katastrophenschutzmechanismus, und die Union entsandte am Samstag drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge aus ganz Europa. Die Herkunft der Flugzeuge wird unterschiedlich angegeben: Observador berichtete von zwei schwedischen und zwei niederländischen Hubschraubern, während Notícias ao Minuto die EU-Kommissarin Hadja Lahbib mit der Aussage zitierte, es handele sich um zwei schwedische Flugzeuge sowie zwei tschechische und niederländische Hubschrauber. Lahbib sagte der Nachrichtenagentur AFP, weitere Flugzeuge aus Norwegen und Deutschland könnten eintreffen.
Evakuierungen und grenzüberschreitende Auswirkungen
Bislang seien keine Häuser betroffen, erklärte das Büro des Gouverneurs von Lüttich in einer Stellungnahme, obwohl das Feuer in der Nähe bleibe und die Rauchbelastung erheblich sei. Rund 600 Anwohner wurden am Samstag aus Dörfern in der Nähe der Feuerfront evakuiert und angewiesen, nicht zurückzukehren. In Belgien ordneten die Behörden die Evakuierung des Dorfes Küchelscheid an, das etwa zehn Autominuten von der deutschen Grenze entfernt liegt.
Bislang sind keine Häuser betroffen, obwohl das Feuer in der Nähe bleibt und die Rauchbelastung erheblich ist.
Auf deutscher Seite riet die Stadt Monschau den Bewohnern von Gebieten nahe der Grenze, ihre Häuser zu verlassen. Die Feuerfront befand sich 1,5 Kilometer von der deutschen Grenze und 1,8 Kilometer vom nächstgelegenen bewohnten Gebiet entfernt, hieß es in einer Mitteilung der Stadt Monschau. Es wurde nicht erwartet, dass der Brand auf deutsches Gebiet übergreift, aber eine erhebliche Rauchentwicklung wurde für wahrscheinlich gehalten. Stephanie Ernoux, Sprecherin der wallonischen Verwaltung, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass kühlere, feuchtere Wetter, das für Sonntag erwartet werde, dazu beitragen könnte, das Vordringen des Feuers in Richtung Deutschland einzudämmen.
Weitere europäische Waldbrände
Der Brand in Belgien ereignet sich während der fünften Hitzewelle des borealen Sommers in Europa. Wissenschaftler erklären, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit heißer, trockener Bedingungen erhöht hat, die es Feuern ermöglichen, sich schneller auszubreiten und länger zu brennen. Auf dem gesamten Kontinent bekämpften mehrere Länder am Wochenende große Waldbrände.
- Belgien (Hohes Venn)
- 3000 Hektar
- Serbien
- 2500 Hektar
- Frankreich (Les Landes)
- 1700 Hektar
In Frankreich ließ ein Brand im Département Landes, der seit Donnerstag mindestens 1.700 Hektar verbrannt hatte, mit sinkenden Temperaturen nach, sagte der örtliche Präfekt Gilles Clavreul. In Serbien wurden 2.500 Hektar vernichtet, so örtliche Behörden, zitiert von Observador. In Griechenland wurden am Sonntag zwei Tote auf einer Insel vor der Küste Athens gemeldet. In Kroatien starb eine Person und 40 wurden bei einem Brand verletzt, der die Region Omiš an der zentralen Küste verwüstete; die Polizei nahm vier Personen wegen des Verdachts der Brandstiftung im Zusammenhang mit einem Großbrand in der Region Zadar fest. Ein separater Brand in Westdeutschland, Dutzende Kilometer vom belgischen Brand entfernt, wurde unter Kontrolle gebracht, sodass 1.800 Menschen in ihre Häuser zurückkehren konnten.


