BDI warnt vor 'China-Schock 2.0' – Chinesische Überkapazitäten überschwemmen EU-Markt
Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, sagt, Europa müsse schneller auf chinesische Überkapazitäten, Rohstoffabhängigkeiten und eine unterbewertete Währung reagieren, aber nicht vollständig abkoppeln.
Die Warnung
Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), sagte der Deutschen Presse-Agentur am 2. August 2026, dass die deutsche Industrie vor einem „China-Schock 2.0“ stehe. Sie sagte, die Auswirkungen seien nicht auf einzelne Sektoren beschränkt, sondern träfen die Industrie in der Breite. Gönner wies auf Abhängigkeiten von kritischen Rohstoffen, eine deutlich unterbewertete chinesische Währung und staatlich verursachte Überkapazitäten hin. Aufgrund eines schwachen Binnenmarktes in China und Marktabschottung insbesondere in den USA überschwemmten diese Überkapazitäten ungehindert den EU-Binnenmarkt. Sie fügte hinzu, dass China auch anstrebe, Weltmarktführer bei Schlüsseltechnologien zu werden.
Wir erleben einen China-Schock 2.0. Er trifft nicht nur einzelne Branchen, sondern massiv die Industrie in der Breite: durch Abhängigkeiten von kritischen Rohstoffen, eine deutlich unterbewertete Währung, staatlich verursachte Überkapazitäten, die aufgrund eines schwachen Binnenmarktes in China und Marktabschottung vor allem in den USA ungehindert den EU-Binnenmarkt überschwemmen.
Europas Optionen
Gönner betonte, dass Europa nicht ohne Handlungsmöglichkeiten sei. Sie merkte an, dass rund 60 Prozent des Welthandels weiterhin nach den Regeln der Welthandelsorganisation abgewickelt würden und viele Partner einen regelbasierten Handel wünschten. Der jüngste Abschluss von Handelsabkommen durch die EU, die jahrelang festgesteckt hatten, sei ein wichtiges Signal, so Gönner.
Aber Europa hat Optionen. Etwa 60 Prozent des Welthandels laufen noch nach WTO-Regeln, viele Partner wollen regelbasierten Handel. Dass die EU jetzt Handelsabkommen abschließt, die jahrelang feststeckten, ist ein wichtiges Signal.
Mercosur-Abkommen als Signal
Ein solches Abkommen ist das EU-Mercosur-Handelsabkommen, das Anfang Mai 2026 vorläufig in Kraft trat. Der Pakt zwischen der Europäischen Union und Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zielt darauf ab, den Handel durch schrittweisen Abbau von Barrieren und Zöllen zu fördern. Gönner verwies auf das Mercosur-Abkommen als Beispiel dafür, dass Europa seine Handelsallianzen stärkt.
Keine vollständige Abkopplung
Während Gönner mehr Durchsetzungsfähigkeit forderte, warnte sie vor einer vollständigen Abkopplung von China. Europa solle die regelbasierte Ordnung wo immer möglich aufrechterhalten und gleichzeitig überlegen, wie es sich verteidigen könne. Sie argumentierte, dass Europa schneller reagieren müsse und dass dies neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft erfordere.
Wir sollten versuchen, die regelbasierte Ordnung an vielen Stellen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig überlegen, wie wir uns verteidigen können. Europa muss schneller reagieren und dafür braucht es neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft.
Historischer Kontext
Der Begriff „China-Schock 2.0“ zieht eine Parallele zum ersten China-Schock nach dem WTO-Beitritt Chinas im Jahr 2001, als billige Produkte aus der Volksrepublik in großem Umfang auf die Weltmärkte gelangten. Für die deutsche Industrie wurde der wirtschaftliche Aufstieg Chinas zunächst zu einem großen Boom, weil chinesische Kunden deutsche Autos und Maschinen kauften. Heute haben deutsche Automobilhersteller zunehmend Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt. Der BDI hatte bereits Anfang 2019 in einem Positionspapier eine Neuausrichtung der deutschen Chinapolitik gefordert und argumentiert, dass die Marktwirtschaft widerstandsfähiger gemacht werden müsse. Die Chinastrategie der Bundesregierung von 2023 bezeichnete China als Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen.
- China tritt der WTO bei und löst ersten 'China-Schock' mit billigen Exporten aus
- BDI fordert Neuausrichtung der deutschen Chinapolitik, bezeichnet China als systemischen Wettbewerber
- Chinastrategie der Bundesregierung definiert China als Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen
- EU-Mercosur-Handelsabkommen tritt vorläufig in Kraft
- BDI warnt vor 'China-Schock 2.0', der die deutsche Industrie in der Breite trifft


