
Bardella und Abascal vereint in Ceuta – Migrationskurs vor Spaniens Wahl am 29. November
Der französische Rechtspopulist Jordan Bardella und Vox-Chef Santiago Abascal haben am Montag, dem 12. Oktober, Ceuta besucht und die Enklave als „die Zukunft Europas“ bezeichnet, sollten die Grenzen nicht zurückgewonnen werden. Die zweitägige Reise findet wenige Wochen vor Spaniens vorgezogener Wahl am 29. November statt.
Bardella in Ceuta
Jordan Bardella, Präsident des Rassemblement national, stellte am Montag, dem 12. Oktober, in Ceuta gemeinsam mit dem Vox-Vorsitzenden Santiago Abascal seine migrationspolitischen Vorschläge vor. Der Besuch fiel auf den spanischen Nationalfeiertag und eröffnete eine zweitägige Spanienreise. Ceuta war Ende Juli Schauplatz einer Masseneinreise, als am 30. und 31. Juli mehr als 70.000 Menschen illegal aus dem benachbarten Marokko einreisten. Die meisten von ihnen kehrten nach Marokko zurück, doch der Zustrom löste in Madrid eine politische Krise und scharfe Spannungen innerhalb der Europäischen Union aus. Vor der Presse in der Enklave beschrieb Bardella die Lage dort.
Es ist die Zukunft Europas, wenn wir nicht dringend die Kontrolle über unsere nationalen und europäischen Grenzen zurückgewinnen.
- Mehr als 70.000 Menschen reisen illegal aus Marokko nach Ceuta ein
- Bardella und Abascal besuchen Ceuta am spanischen Nationalfeiertag
- Vorgezogene Parlamentswahlen in Spanien finden statt
- Bardella sagt, Frankreich wolle die Schengen-Freizügigkeit auf EU-Bürger beschränken, falls gewählt
Vorwürfe gegen Madrid
Bardella machte die von Madrid beschlossene Regularisierung undokumentierter Migranten verantwortlich, die seiner Darstellung nach einen „Ansturm auf Europa“ ausgelöst und einen „appel d'air“ mit „sehr schwerwiegenden Folgen“ geschaffen habe. Er kritisierte die französische Unterstützung für den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez „in seinem Migrationsfanatismus“. Er lobte Giorgia Meloni dafür, dass sie „die Freizügigkeit im Schengen-Raum mit Spanien vorübergehend ausgesetzt“ habe, und nannte dies eine mutige und verantwortungsvolle Entscheidung. Bardella sagte, Frankreich werde ab Frühjahr 2027, sollten die Franzosen dem RN ihr Vertrauen schenken, die Freizügigkeit im Schengen-Raum ausschließlich europäischen Staatsangehörigen vorbehalten wollen. Auf die Frage nach jugendlichen antisemitischen Äußerungen, die Mediapart ihm zuschreibt, bestritt er diese erneut und sagte, die Angelegenheit habe sich „im Sande verlaufen“.
Gegenseitige Unterstützung
Abascal sicherte Bardella seine Unterstützung zu, „künftiger Premierminister Frankreichs“ zu werden, sollte Marine Le Pen im Mai die Präsidentschaft gewinnen. Im Gegenzug forderte Bardella die Spanier auf, bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 29. November für Vox zu stimmen. Bardella sagte, mit erneuerten Regierungen und Patrioten an der Macht könnten sich die beiden Länder aufeinander verlassen, um Europas Grenzen zu sichern. Der Rassemblement national hofft, dass ein starkes Vox-Ergebnis in ganz Europa Auftrieb erzeugt. Le Pen visiert den Sieg bei der französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr an, und Bardella hat daran gearbeitet, die europäischen Allianzen seiner Partei zu festigen.
Spaniens Wahlarithmetik
Spanien steuert auf vorgezogene Wahlen am 29. November zu, und Vox hofft auf deutliche Zugewinne. Für eine parlamentarische Mehrheit sind 176 Sitze nötig. Eine Umfrage von El Pais sieht die konservative Partido Popular (PP) und Vox zusammen bei 198 Sitzen, wobei die Unterstützung für Vox sich im Vergleich zur Wahl 2023 verdoppeln soll. Bildete die PP eine Koalition mit Vox, wäre es das erste Mal seit dem Tod Francisco Francos 1975, dass die harte Rechte in Spanien wieder an die Macht käme. Die Sozialisten von Sanchez kommen in der Prognose auf 112 Sitze, nach 121 vor drei Jahren. Der nationale Vox-Sprecher Jose Antonio Fuster sagte:
Mit diesen Wahlen gibt es Hoffnung für Spanien. Wir werden für den Sieg kämpfen und darum, die Spanier davon zu überzeugen, dass wir ihre Stimme verdienen.
2023 gewann die PP die meisten Stimmen ohne Mehrheit, und die Sozialisten von Sanchez bildeten mit Hilfe von Junts per Catalunya eine Regierung. Seither hat die PP vier Regionalregierungen mit Vox gebildet, und die beiden Parteien teilen sich die Macht in etwa 100 Gemeinderäten.
- Mehrheitsschwelle
- 176 Sitze
- PP und Vox zusammen (Umfrage El Pais)
- 198 Sitze
- PSOE prognostiziert (November)
- 112 Sitze
- PSOE-Ergebnis 2023
- 121 Sitze
Abascals Urteil über Sanchez
Abascal sagte einst im spanischen Parlament, die Regierung von Sanchez sei die „schlechteste der vergangenen 80 Jahre“. Vox distanziert sich nach Angaben von Steven Forti, einem Experten für die extreme Rechte, der an der Autonomen Universität Barcelona lehrt, von der Franco-Diktatur. Umfragen bringen Vox so nah an die Macht wie nie zuvor in ihrer kurzen Geschichte, wobei die Novemberwahl nun der entscheidende Test für die Koalitionsoption von PP und Vox ist.

