
José María Aznar warnt vor dem Ende der Verfassungsordnung, falls Pedro Sánchez am 29. November eine Regierung bildet
Der ehemalige spanische Ministerpräsident José María Aznar hat in Sevilla gewarnt, dass eine neue Regierung unter Pedro Sánchez nach den für den 29. November 2026 angesetzten vorgezogenen Neuwahlen das Ende der spanischen konstitutionellen Monarchie bedeuten würde.
Warnungen zur Verfassungsordnung
Der ehemalige spanische Ministerpräsident José María Aznar erklärte am Montag, Spanien stehe vor der folgenreichsten Parlamentswahl seit der demokratischen Transition. Bei einem Auftritt im Forum der Fundación Cajasol in Sevilla behauptete Aznar, eine erneute Koalition unter Ministerpräsident Pedro Sánchez würde die bestehende Verfassungsstruktur demontieren. Auf die Frage des Moderators Juanma Lamet, ob eine weitere Amtszeit der linken Koalition zu einer Republik führen würde, antwortete Aznar bejahend. Er argumentierte, der derzeitige Regierungsblock stelle die Einheit des Landes infrage, indem er ein plurinationales Modell verfolge, das das Ansehen der Krone untergrabe. Aznar fügte hinzu, die Parlamentswahl hätte viel früher stattfinden müssen, weil die Regierung während der gesamten Legislaturperiode keinen Staatshaushalt vorgelegt habe.
Wenn die derzeitige Regierungskoalition erneut eine Regierung bilden könnte, kommen das Verfassungssystem und die Monarchie an ihr Ende.
Parlamentarische Arithmetik und Koalitionsdynamik
Während der Diskussion analysierte Aznar mögliche Sitzverteilungen zwischen der Partido Popular (PP) und Vox nach der Abstimmung am 29. November 2026. Er stellte ein Szenario, in dem die PP 140 Sitze neben 60 für Vox gewinnt, einem gegenüber, in dem die PP 165 Sitze sichert und Vox 35 erhält. Aznar erklärte, eine stärkere PP-Delegation mit 165 Sitzen würde es einer konservativen Regierung ermöglichen, die nationalen Probleme anzugehen, während ein knapperer Vorsprung Unsicherheit schaffe. Er argumentierte, die Wahl sei in der Absicht angesetzt worden, der PP zu schaden und zugleich Vox zu helfen. Er hielt daran fest, dass solide Regierungsführung eine substanzielle Zahl von Abgeordneten erfordere, die in der großen konservativen Partei verankert seien.
- PP (Szenario mit knapper Mehrheit)
- 140 Sitze
- Vox (Szenario mit knapper Mehrheit)
- 60 Sitze
- PP (Szenario mit starker Mehrheit)
- 165 Sitze
- Vox (Szenario mit starker Mehrheit)
- 35 Sitze
Innenpolitik und Reibungen mit den Gewerkschaften
Aznar kritisierte zudem den für Montag von den Gewerkschaften UGT und CC OO unterstützten bevorstehenden Generalstreik. Er stellte die Logik der Arbeitsmobilisierung infrage und beschrieb sie als einen Streik, der sich gegen die politische Opposition richte. Mit Blick auf die Wohnungskrise lehnte Aznar Markteingriffe und Mietpreisbindungen ab, nachdem das Parlament jüngste Wohnungsdekrete zurückgewiesen hatte. Er plädierte dafür, Bauland freizugeben und Sozialwohnungen zu bauen, statt Eigentümern Beschränkungen aufzuerlegen. Aznar wandte sich außerdem gegen die Bestimmungen des Demokratischen Gedenkgesetzes, die als Enkelgesetz bekannt sind und Nachkommen von Exilanten Staatsangehörigkeit und Wahlrecht gewähren. Er behauptete, die Ausweitung des Wahlrechts auf Personen, die nie in Spanien gelebt hätten, riskiere eine Veränderung des Wählerverzeichnisses.
Hintergrund der Konferenz und Wahlkampfkalender
Die Veranstaltung in Sevilla war Teil der Reihe Letras en Sevilla mit dem Titel „1936: Der Krieg, den wir alle verloren haben“, koordiniert von Arturo Pérez-Reverte und Jesús Vigorra. Das Forum wurde nach einer siebenmonatigen Unterbrechung wieder aufgenommen, die auf einen im Februar vom Schriftsteller David Uclés initiierten Boykott wegen der Rednerliste folgte. Das viertägige Programm umfasst geplante Auftritte der Regierungsminister Félix Bolaños und Ángel Víctor Torres neben Vertretern der PP. Die Wähler stimmen am 29. November 2026 ab, nachdem Sánchez vorgezogene Parlamentswahlen angesetzt hat. Aznar beschrieb den bevorstehenden Urnengang als eine institutionelle Rechenschaftswahl, die über die künftige Struktur des spanischen Staates entscheiden werde.
- Forum Letras en Sevilla nach Rednerboykott ausgesetzt
- Aznar spricht auf der Konferenz der Fundación Cajasol in Sevilla
- Spanien hält die von Pedro Sánchez angesetzten vorgezogenen Parlamentswahlen ab


