
Zweite Nacht rassistischer Ausschreitungen in Belfast: Polizei setzt Wasserwerfer zum Schutz von Migrantenunterkunft ein
Maskierte Randalierer griffen am Mittwochabend Polizisten an, legten Brände und versuchten, eine Migrantenunterkunft im Großraum Belfast zu erreichen – zum zweiten Abend in Folge setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
Auslöser: Messerangriff und virales Video
Ein brutaler Messerangriff am Montag, bei dem ein 40-jähriger Mann ein Auge verlor, löste eine Welle rassistischer Gewalt in ganz Nordirland aus. Das Video des Angriffs verbreitete sich rasant in den sozialen Medien und zeigte einen später identifizierten 30-jährigen Asylbewerber aus dem Sudan, der wiederholt auf ein blutüberströmtes Opfer am Boden einsticht. Rechtsextreme Aktivisten, darunter Tommy Robinson und US-Milliardär Elon Musk, verbreiteten das Video und riefen zu Protesten gegen Migranten auf.
Randale am Dienstagabend
Am Dienstagabend versammelten sich mehrere hundert Menschen in Belfast, einige maskiert, und begannen Fahrzeuge und Häuser in Brand zu setzen. Randalierer steckten einen Bus in Brand, warfen Gegenstände auf Polizisten und zwangen Feuerwehrleute, Bewohner aus brennenden Häusern zu retten. Mehrere Menschen wurden obdachlos. Die Polizei bestätigte drei Festnahmen, während rechtsextreme Organisatoren weitere Demonstrationen ankündigten.
Eine Stadt in Anspannung
Bis Mittwochmorgen hatten Schulen und Geschäfte in ganz Belfast früher geschlossen, Bus- und Bahnverbindungen wurden eingestellt. Die Polizei hatte ihre Präsenz um 200 zusätzliche Beamte verstärkt, Verstärkung aus anderen Teilen des Vereinigten Königreichs wurde für Donnerstag erwartet. Die Behörden befürchteten neue Gewaltausbrüche, nachdem rechtsextreme Gruppen erneut zu Protesten aufgerufen hatten. Die Innenstadt blieb ruhig, aber die Angst war spürbar.
Zweite Nacht: Wasserwerfer in Newtownabbey
Nach Einbruch der Dunkelheit brachen die Spannungen erneut aus. In den Vororten Glengormley und Newtownabbey versammelten sich etwa 200 Menschen. Einige versuchten, sich einem Gebäude mit Migranten zu nähern, wurden aber von der Polizei blockiert. Maskierte Demonstranten rissen Ziegel aus Mauern und zertrümmerten mit Vorschlaghämmern Gehwege, um die Bruchstücke auf Beamte zu schleudern. Sie setzten Mülltonnen in Brand und nutzten Teile eines abgebauten Holzzauns als Schutzschild. Als Reaktion setzte die Polizei Wasserwerfer ein, um die Menge zu zerstreuen. Der Abend verlief letztlich ruhiger als die Gewalt vom Dienstag, aber die Angriffe unterstrichen ein Muster eskalierender Unruhen.
- Sudanesischer Asylbewerber sticht in Belfast auf Mann ein; Video verbreitet sich online, rechtsextreme Aktivisten rufen zu Protesten auf.
- Erste Nacht der Ausschreitungen in Belfast: Autos und Häuser brennen, Bus in Brand gesetzt, mehrere Menschen aus Häusern gerettet.
- Verdächtiger wegen versuchten Mordes angeklagt; Schulen und Verkehr eingestellt; zweite Nacht der Gewalt in Newtownabbey, Polizei setzt Wasserwerfer ein.
Verurteilung und rechtliche Schritte
Der nordirische Polizeichef Jon Boutcher nannte die Ausschreitungen „einen massiven Akt der Selbstzerstörung durch hirnlose Idioten“. Premierminister Keir Starmer schrieb auf X, die Szenen in Belfast seien „schockierend und völlig inakzeptabel“, und gelobte, die Verantwortlichen würden „die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“. Erste Ministerin Michelle O’Neill bezeichnete Gruppen von Maskierten, die Familien aus ihren Häusern brennen, als „nichts anderes als widerwärtige Feigheit“. Der Tatverdächtige des Messerangriffs wurde am Mittwoch wegen versuchten Mordes angeklagt und einem Richter vorgeführt. Die Familie des Opfers hingegen rief die Öffentlichkeit auf, die Tragödie nicht zu nutzen, um Hass zu schüren.


