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Makroökonomie·vor 1 Std.

Armutsquote in Deutschland erreicht Rekord von 16,1 % – Kluft zwischen Regionen wächst, wie Sozialbericht zeigt

Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2025 in Armut – die Quote stieg auf einen neuen Höchststand von 16,1 %, wie der aktuelle Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigt. Bremen verzeichnete mit 27,5 % die höchste Quote, Bayern mit 12,6 % die niedrigste.

Ein neuer Höchststand der Armut

Die Armutsquote in Deutschland stieg 2025 auf 16,1 % – ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr, wie der am 2. Juni 2026 veröffentlichte Jahresbericht des Paritätischen Gesamtverbands zeigt. Der Wohlfahrtsverband gab an, dass 13,3 Millionen Menschen unterhalb der Armutsschwelle leben, die er als Haushalte mit weniger als 60 % des medianen bedarfsgewichteten Nettoeinkommens definiert. Das Statistische Bundesamt hatte die zugrundeliegenden Zahlen bereits im Februar veröffentlicht und dabei den EU-Standardbegriff „Armutsgefährdung“ für dieselbe Schwelle verwendet.

Der Paritätische bezeichnete die Zahl als „traurigen Rekord“ und stellte fest, dass in keinem früheren Jahr so viele Menschen von Armut betroffen waren. Nach sinkenden Quoten von 2020 bis 2023 habe es eine „negative Trendwende“ gegeben.

13,3 Millionen Menschen in diesem Land leben in Armut, allein gemessen an der relativen Einkommensarmut.

Paritätischer Gesamtverband

Die regionale Kluft

Die regionalen Unterschiede sind eklatant und haben sich laut Bericht im vergangenen Jahr noch vergrößert. Bayern und Baden-Württemberg verzeichneten mit ihren starken Industriebasen die niedrigsten Armutsquoten von 12,6 % bzw. 13,2 %. Am anderen Ende der Skala lag Bremen mit 27,5 %, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 21,3 %. Auch die Stadtstaaten Hamburg (18,9 %) und Berlin (18,7 %) zählten zu den am stärksten betroffenen Regionen.

Sachsen verzeichnete einen Anstieg um 0,6 Punkte auf 16,7 %, was bedeutet, dass etwa jeder sechste Einwohner in Armut lebt. Das Saarland stieg um 0,2 Punkte auf 15,5 % und liegt damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Innerhalb Bayerns selbst gibt es ein mildes Süd-Nord-Gefälle: Schwaben verzeichnete 11,4 %, Oberbayern 11,8 % und Niederbayern 12,3 %, während die drei fränkischen Bezirke und die Oberpfalz leicht höhere Werte aufwiesen.

Armutsquote nach Bundesländern, 2025 · %
Bremen
27.5 %
Sachsen-Anhalt
21.3 %
Hamburg
18.9 %
Berlin
18.7 %
Sachsen
16.7 %
Deutschland (insgesamt)
16.1 %
Saarland
15.5 %
Baden-Württemberg
13.2 %
Bayern
12.6 %

Wer am stärksten betroffen ist

Bestimmte Bevölkerungsgruppen tragen ein überproportional hohes Armutsrisiko. Fast jeder fünfte Mensch ab 65 Jahren (19,5 %) ist betroffen, was den Verband zu der Warnung veranlasste, dass „das Alter zur Armutsfalle zu werden droht“. Einpersonenhaushalte haben mit 30,3 % die höchste Quote, gefolgt von Alleinerziehenden mit 28,9 % und Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss mit 29,1 %.

Die im Bericht verwendeten Einkommensschwellen legen die Armutsgrenze für einen Einpersonenhaushalt bei 1.446 Euro netto pro Monat und für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro netto fest.

Forderungen nach politischen Maßnahmen

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Rheinland-Pfalz/Saarland warnte vor Kürzungen bei Sozialleistungen und argumentierte, dass hohe Lebenshaltungs- und Wohnkosten mehr soziale Sicherheit erfordern, nicht weniger. Der Verband forderte die saarländische Landesregierung auf, sich sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene für Maßnahmen einzusetzen.

Wer Sozialleistungen kürzt, vertieft die Armut und gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Notwendig sind armutsfeste Sozialleistungen, bessere Erwerbseinkommen, bezahlbarer Wohnraum und eine verlässliche soziale Infrastruktur.

Thomas Umsonst ist stellvertretender Landesgeschäftsführer des Paritätischen Rheinland-Pfalz/Saarland. Der Bericht hob zudem spezifische westdeutsche Regionen mit erhöhten Quoten hervor, darunter Trier (21,4 %), Weser-Ems (20,8 %) und Arnsberg (19,6 %) sowie ostdeutsche Städte wie Chemnitz (18,2 %) und Leipzig (17,4 %).

Berlin · Bremen · München · Saarbrücken

6 Quellen

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