
Deutschlands Armutsquote steigt auf 16,1 % – Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2020
Der Anteil der in Armut lebenden Deutschen stieg 2025 auf 16,1 %, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband mitteilte. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ältere Menschen, die regionalen Unterschiede vergrößern sich.
Rekordhöhe der Armut
Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt, dass 2025 in Deutschland 13,34 Millionen Menschen, 16,1 % der Bevölkerung, in Armut lebten – gemessen an der EU-Definition (Haushaltseinkommen unter 60 % des nationalen Medians). Die Schwelle für einen Alleinstehenden lag im vergangenen Jahr bei 1.445 Euro pro Monat. Nach einem Rückgang von 2020 auf einen Tiefstand von 12,1 Millionen im Jahr 2023 ist die Zahl nun um 1,2 Millionen gestiegen, die Quote kletterte von 14,4 % im Jahr 2023 auf 15,5 % im Jahr 2024 und nun auf 16,1 %. Der Verband bezeichnete den Anstieg als „negative Trendwende“.
- 2023
- 14.4 %
- 2024
- 15.5 %
- 2025
- 16.1 %
Wer in der Krise den Sozialstaat weiter kürzt, vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu betreiben, die Armut bekämpft, statt sie zu verwalten.
Regionale Kluft vertieft sich
Die regionalen Unterschiede wuchsen erneut. Bayern wies mit 12,6 % die niedrigste Quote auf, Bremen mit 27,5 % die höchste. Sachsen-Anhalt (21,3 %), Berlin (18,7 %) und Hamburg (18,9 %) lagen weit über dem Bundesdurchschnitt. Unter den ostdeutschen Bundesländern erreichte Thüringen 17,4 %, Sachsen 16,7 % und Mecklenburg-Vorpommern 16,8 %, während Brandenburg mit 14,7 % knapp unter dem bundesweiten Wert lag. Die Spanne zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und dem mit der höchsten Armutsquote weitete sich von 14,1 Prozentpunkten im Jahr 2024 auf 14,9 Punkte. Der Bericht führt die Kluft auf niedrigere Einkommen, höhere Arbeitslosigkeit und schwächere Wirtschaftsstrukturen in den am stärksten betroffenen Gebieten zurück.
- Bayern
- 12.6 %
- Baden-Württemberg
- 13.2 %
- Brandenburg
- 14.7 %
- Sachsen
- 16.7 %
- Thüringen
- 17.4 %
- Berlin
- 18.7 %
- Hamburg
- 18.9 %
- Sachsen-Anhalt
- 21.3 %
- Bremen
- 27.5 %
Am stärksten betroffene Gruppen
Einpersonenhaushalte wiesen eine Armutsquote von 30,3 % auf, Alleinerziehende von 28,9 %. Fast jeder fünfte Mensch über 65 lebte in Armut (19,5 %), bei Frauen über 75 stieg die Quote auf 21,3 %. Auch junge Erwachsene (18–25) waren überproportional häufig arm. Rund 70 % der in Armut lebenden Menschen waren deutsche Staatsbürger, 30 % hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Vier von fünf Armen waren nicht erwerbstätig.
Dass ältere Menschen nach einem langen Arbeitsleben und Haushalte mit Kindern besonders betroffen sind, zeigt die bereits bestehenden Defizite im Sozialstaat.
Politische Warnung
Joachim Rock, Geschäftsführer des Verbandes, forderte die Bundesregierung auf, geplante Kürzungen bei Wohngeld, Unterhaltsvorschuss sowie Jugend- und Integrationshilfen zu stoppen. Er warnte, dass ständige Spar-Debatten Verunsicherung schüren und Populisten sowie Extremisten nützen. Der Bericht stellt fest, dass 4,6 Millionen Menschen bereits erhebliche materielle Entbehrungen erleiden und sich unerwartete Ausgaben, ausreichendes Heizen oder eine vollwertige Mahlzeit nicht leisten können.


